Rassismus

Rassismus in Bayreuther Disco? Verantwortliche lehnen Aussprache am runden Tisch ab – Zippel erklärt Details

Der Club „Breakout“ in Bayreuth äußerte sich ausländerkritisch auf seiner Website. Eine Welle der Empörung folgte. Andreas Zippel hat deshalb einen Runden Tisch einberufen – Vertreter des Breakout lehnten die Einladung allerdings ab.

Auf der Website des Clubs „Breakout“ in Bayreuth war vor einiger Zeit zu lesen, dass am Abend „nur ein bestimmter Prozentsatz an bestimmten Ausländern“ in den Club dürfe. Dieser Satz hat in Bayreuth eine Welle der Empörung ausgelöst. Zweiter Bürgermeister Andreas Zippel (SPD) hat deshalb einen runden Tisch mit den Verantwortlichen einberufen. Vertreter des Breakouts wollten allerdings nicht daran teilnehmen.

Update vom 19. August 2020: Runder Tisch in Bayreuth – Andreas Zippe teilt Ergebnisse mit

Gerade das offene und sachliche Gespräch wurde von allen Beteiligten als positiv empfunden, teilt Andreas Zippel (SPD), zweiter Bürgermeister in Bayreuth mit. Am Treffen haben das Jugendamt, die Vorsitzende des Integrationsbeirates, der Betroffene Robin G., die Clubs Fabrik und Tanzbar sowie die Agentur Nord-Süd-Programm teilgenommen, der Eigentümer des Coco konnte zeitlich nicht teilnehmen. Dieser habe sich vorab aber ausführlich mit Zippel ausgetauscht. „Leider haben das Breakout sowie die Mia ausdrücklich eine Teilnahme abgelehnt, was im Hinblick auf die im Raum stehenden Vorwürfe sehr bedauernswert ist“, erklärt Zippel.

„Zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit abwägen“

Andreas Zippel erzählt von den Gesprächen am Runden Tisch: „Zunächst haben die Clubbetreibenden klar gemacht, vor welcher Situation sie am Einlass stehen: Sie müssen eine Abwägung zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit treffen. Jeder eingelassene Gast stellt wirtschaftlich schlicht eine Einnahmequelle dar, gleichzeitig müssen die Gäste aber auch dringend vor Übergriffen durch andere betrunkene oder gewaltbreite Gäste geschützt werden. Diese Abwägung muss binnen kurzer Zeit und aufgrund bestimmter Kriterien durch das Sicherheitspersonal oder die Clubbetreibenden selbst durchgeführt werden. Die Erfahrung der Betroffenen zeigt, dass gerade bei alkoholisierten Gästen oftmals ein vehementer Streit bei Ablehnung entstünde, auch wenn man die Gründe für die Ablehnung kommuniziert. Ein geschultes, umsichtiges und vernünftiges Sicherheitspersonal sei deshalb extrem wichtig, tatsächlich aber auch sehr gefragt.“

„Dies darf nicht toleriert werden“

Außerdem erklärt der zweite Bürgermeister: „Alle Beteiligten waren sich sehr schnell einig, dass die Beurteilung am Einlass nach Attributen wie Herkunft, Aussehen oder Nationalität nicht nur rechtswidrig nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ist, sondern auch geschäfts- und rufschädigend. Dies darf nicht toleriert werden.“

Der Integrationsbeirat machte in dem Gespräch am Runden Tisch auch klar, dass ihm jedenfalls bis auf die dokumentierten Vorfälle in der Mia und dem Breakout keine weiteren Vorwürfe zugetragen worden sein. Er machte jedoch auch deutlich, dass der Wunsch nach einer Sensibilisierung für das Thema Alltagsrassismus groß sei und er um eine adäquate Sprache in der Sache bitte.

Gewalt meistens in Zusammenhang mit Alkohol

Auch der von Andreas Zippel eingeholte Bericht der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt bestätigte dies: „Gründe für die Verweigerung von Einlassen seien bislang ausschließlich alkohol- und damit verhaltensbedingt gewesen. Überwiegend auffällig seien männliche Heranwachsende oder junge Erwachsene, oftmals mit entsprechender Alkoholisierung. Es gäbe keine Auffälligkeiten in der Gewaltbereitschaft hinsichtlich der Staatsangehörigkeit oder Hautfarbe, sondern nahezu nur im Zusammenhang mit Alkoholisierung“, teilt Zippel als Ergebnis des Gespräches mit.

Am Runden Tisch habe man sich daher verständigt, dass der Schlüssel Kommunikation und Sensibilisierung in alle Richtungen sein müsse. So möchten die anwesenden Clubbetreibenden gerne das Thema nach innen zu Mitarbeitenden und Sicherheitsdiensten tragen und den Blick dafür schärfen, dass nur die Kriterien „Verhalten, eine angebrachte Bekleidung und keine übermäßige Alkoholisierung“ Maßstab der Einlassentscheidung sind, erklärt Zippel.

Auch Bürger sollen Verhalten analysieren

In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Ordnungsamt sollen auch diejenigen Clubs noch einmal angeschrieben werden, die nicht teilgenommen haben, berichtet Zippel. Zippel möchte aber auch die Bürgerinnen und Bürger, die Clubs besuchen wollen, dazu aufrufen, auch ihr eigenes Verhalten zu analysieren: „Mit welchem Verhalten trete ich beim Einlass auf, wie alkoholisiert bin ich bereits, welchen Lärmpegel lege ich etwa an den Tag und akzeptiere ich auch einmal ein berechtigtes Nein am Einlass“, erläutert der zweite Bürgermeister.

Dieser Runde Tisch hat nach Zippel Angaben gezeigt, dass die Sensibilität für das Thema „Alltagsrassismus“ erhöht werden müsse. Gemeinsam mit dem Integrationsbeirat, der Abteilung Integration im Jugendamt und den zahlreichen Vereinen und Verbänden werde das Thema weiter forciert. „Die Stadt Bayreuth versteht sich selbstverständlich als weltoffene und tolerante Stadt und muss wie jede und jeder andere auch stetig daran arbeiten, dem auch gerecht zu werden“, teilt Zippel mit.

Auf der Website des Clubs „Breakout“ in Bayreuth war zu lesen, dass am Abend „nur ein bestimmter Prozentsatz an bestimmten Ausländern“ in den Club dürfe. Die Ausweise würden bei der Security aufbewahrt werden. Beim Einlassverbot sei entscheidend, ob die Personen beim Personal bekannt seien und ob sie von der Kleidung und vom Auftreten her zur Gästestruktur“ des Clubs passen würden.

Nur ein bestimmter Prozentsatz an bestimmten Ausländern im Breakout Bayreuth

Das hat einen Shitstorm auf Instagram losgetreten. Nun ist der Vermerk zu den gesonderten Einlassbeschränkungen von der Website des „Breakout“ verschwunden. Der Clubbetreiber selbst äußerte sich bisher, trotz Nachfrage, nicht zu dem Vorfall.

Der 2. Bürgermeister der Stadt Bayreuth, Andreas Zippel ist entsetzt  über die Bekanntgabe des Clubs:

„Das geht gar nicht! Natürlich hat der Club das Recht darauf, Personen, die Ärger machen den Zutritt zu verbieten. Aber wer sich nicht richtig verhält, der verhält sich nicht richtig. Das hat absolut nichts mit der Herkunft, Nationalität oder Ethnie zu tun! Mit dieser Aussage, stellt das Breakout aber eindeutig diesen Zusammenhang her und das geht gar nicht.“

(Andreas Zippel, Bayreuths zweiter Bürgermeister)

Mittlerweile hat auch der Betreiber des Ladens die Äußerung von seiner Website wieder entfernt.

Darf die Bayreuther Disco „Breakout“ das?

Ist ein solches Verbot rechtlich überhaupt erlaubt? Bei ähnlichen Vorfällen in verschiedenen Medien beriefen sich die Clubbetreiber auf ihr Hausrecht. Denn der Betreiber dürfe Einlassbeschränkungen für seine Veranstaltungen erlassen: Wenn es um Jugendschutz, Platzkapazitäten, dem Dresscode oder einer möglichen Gefährdung für andere Gäste geht. Konkret bedeutet das: Betrunkenen und aggressiven Personen darf der Zutritt selbstverständlich verwehrt werden.

Es gibt jedoch Gründe, die Abgewiesene nicht hinnehmen müssen. Denn auch ein Clubbetreiber darf nicht gegen das Allge­meine Gleich­stel­lungs­gesetz (AGG) verstoßen. Es dürfe also keine Diskriminierung vorliegen. Wie die Welt berichtet, habe es im November 2015 in Hannover beispielsweise einen solchen Fall gegeben. Dabei habe das Amtsgericht den Betreiber einer Diskothek zur Zahlung von 1.000 Euro an einen Mann mit Wurzeln in Sri Lanka verpflichtet, nachdem dem Mann der Eintritt verwehrt worden sei. Weitere Fälle gab es in München und Hannover.

Bayreuther Tagblatt - Redaktion

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