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Frau stirbt bei Unfall in der Fußgängerzone WM-Public Viewing in und um Bayreuth Jean Paul Platz soll aufgehübscht werden

Zuletzt aktualisiert am 05. Februar 2026 | 15:49

Politik

RIZ: Betriebskonzept steht

von Michael Christensen

Stadt und Landkreis Bayreuth setzen große Hoffnungen in das geplante Regionale Gründer- und Innovationszentrum (RIZ). Im Haupt- und Finanzausschuss lag nun das Betriebskonzept eines externen Experten vor. Entscheidend sollen Beteiligung, Vernetzung und eine starke Geschäftsführung sein.

Neues Rathaus Bayreuth © Michael Christensen
Neues Rathaus Bayreuth © Michael Christensen

„Wir befinden uns aktuell in der Abschlussphase der konzeptionellen und organisatorischen Vorarbeiten“, sagte Wirtschaftsreferentin Eva Christina Bär im Haupt- und Finanzausschuss am 4. Februar 2026. Der Baubeginn sei für Ende 2026 geplant, die Eröffnung „im dritten Quartal 2028“. Ziel des RIZ sei es, Gründer, Unternehmen, Investoren und die Universität Bayreuth zu vernetzen und Innovationen schneller voranzubringen.

Stadt und Landkreis Bayreuth investieren gemeinsam mit dem Freistaat Bayern rund 20 Millionen Euro in das Projekt. Mit dem RIZ wollen sie die Region Oberfranken insgesamt stärken. Auch die Oberfrankenstiftung unterstützte das Projekt in der Konzeptionsphase. So konnte das Gutachten eines externen Experten im Auftrag der Wirtschaftsförderung der Stadt Bayreuth erstellt werden.

Ziel des Zentrums ist es, bestehende Wirtschaftskraft mit der Universität Bayreuth, neuen Gründungsteams und Investoren zu bündeln. Ideen sollen schneller entstehen, weiterentwickelt werden und ihr Potenzial besser entfalten. Mit der Vorstellung des Betriebskonzepts wird nun sichtbarer, welche Voraussetzungen dafür nötig sind.

Ein Zentrum als Netzwerk, nicht als Solitär

Der beratende Experte Frens Kroeger machte gleich zu Beginn deutlich, worum es aus seiner Sicht geht: Das RIZ solle kein isoliertes Gebäude sein, sondern ein Knotenpunkt.

„Innovation passiert dort, wo Menschen mit Wissen, Ideen und Kompetenzen zusammenkommen“, so Kroeger.

Aufgabe des RIZ sei es, dieses Zusammenkommen systematisch zu organisieren, von der Idee über Projekte bis hin zu neuen Unternehmen und Wertschöpfungsketten. Wie das im Detail funktionieren soll, wird weiter unten näher erläutert.

Frens Kroeger erforscht seit über 15 Jahren das Thema Vertrauen in und zwischen Organisationen. Er gilt international als Experte für Vertrauen in wirtschaftlichen Zusammenhängen. Dass ihn das Wirtschaftsreferat der Stadt Bayreuth mit dem Betriebskonzept beauftragt hat, unterstreicht offenbar die Grundidee des Projekts: Das RIZ soll als verbindendes Element und Knotenpunkt wirken, an dem Akteure zusammenkommen und Vertrauen als Grundlage für Zusammenarbeit und Innovation entsteht.

Schlanke Verwaltung für das RIZ

Für Kroeger heißt das vor allem: eine schlanke Organisation. Wenige Gremien mit klar getrennten Rollen, eine kleine und entscheidungsfähige Steuerung statt breiter Aufsichtsrunden sowie eine starke Geschäftsführung, die koordiniert und Netzwerke aufbaut. Externe Expertise soll gezielt eingebunden werden, ohne das System zu überfrachten.

Genau an diesem Punkt knüpfte Stadtrat Christopher Süß an. Er warnte davor, das RIZ mit zu vielen Gremien zu belasten. Gerade klassische Gesellschafterversammlungen oder Aufsichtsräte in kommunalen Unternehmen seien oft wenig fachlich besetzt und bremsten Entscheidungen aus.

SPD-Stadtrat Christoph Rabenstein äußerte sich mit Blick auf die regionale Mentalität: In Oberfranken neige man dazu, erst einmal abzuwarten, „ob das was wird“. Genau das müsse sich ändern. Für den Erfolg des RIZ brauche es frühe Begeisterung, sichtbares Mitziehen aller Beteiligten und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, „vom ersten Tag an“. Nur so könne das Projekt seine Wirkung entfalten.

CSU-Stadträtin Ingrid Heinritzi-Martin bezeichnete die Geschäftsführung als „Schlüssel für das Gelingen des RIZ“ und betonte, wie wichtig eine gute Vernetzung sei – „wahrscheinlich auch über Oberfranken hinaus“. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt sagte sie: „Daran hängen Arbeitsplätze, die bei uns zunehmend verschwinden.“

So ist das RIZ zurzeit organisiert:

  • Gesellschafterversammlung = Träger- und Eigentümerebene
  • Steuerungsgremium = operativer Kern
  • Fachbeirat = externe Expertise
  • Förderkreis = regionale Verankerung
  • Geschäftsführung = zentrale operative Rolle

Wer im RIZ zusammenkommen soll:

  • Gründerinnen und Gründer
  • Unternehmen (inklusive Handwerk)
  • Investoren und Kapitalgeber
  • Universität Bayreuth
  • Forschungseinrichtungen
  • Wirtschaftskammern (z. B. IHK, HWK)
  • Wirtschaftsförderung
  • Regionale und überregionale Partner

Mit Blick auf Kosten und Kontrolle

SPD-Stadtrat Christoph Rabenstein zeigte sich vom Betriebskonzept überzeugt. Besonders wichtig sei ihm der Kostenrahmen. Die Investitionen und die laufenden Betriebskosten bezeichnete er als überschaubar und für die Stadt tragbar.

„Wenn es bei diesen Zahlen bleibt, ist das zu stemmen“, sagte Rabenstein – verwies aber zugleich darauf, dass neben den Baukosten vor allem die Folgekosten im Blick behalten werden müssten.

Beim Bau selbst forderte er Konsequenz: Die Entscheidung für einen Generalunternehmer sei richtig, nun brauche es aber eine durchgängige Bauüberwachung. „Wir dürfen nicht denken, dass das dann von allein läuft“, warnte er.

Skepsis und die Frage nach der Struktur

Deutlich kritischer ordnete Grünen-Stadtrat Klaus Wührl-Struller das Projekt ein, zumindest rückblickend. Seine Fraktion habe dem RIZ lange skeptisch gegenübergestanden. Umso wichtiger sei nun das vorliegende Betriebskonzept:

„Zum ersten Mal haben wir etwas Handfestes, mit dem wir arbeiten können.“

Seine zentrale Frage zielte auf die Struktur: Hätte man die erhofften Effekte auch mit weniger institutionellem Aufwand erreichen können – etwa durch eine stärkere Unterstützung bestehender Akteure?

Kroeger widersprach. Einzelmaßnahmen seien oft günstiger, aber selten tragfähig. Das RIZ sei bewusst „sehr schlank“ konzipiert; unterhalb einer gewissen Größe verliere es seine Wirkung. Sein Fazit: Man bekommt hier viel Wirkung für das eingesetzte Geld.

Zahlen, Mieten und Anlaufphasen

Aus den Reihen der BG äußerte Stephan Müller Zweifel an der Einnahmenkalkulation. Die angesetzten Mieteinnahmen aus der Vermietung an Gründer erschienen ihm zu hoch. Nach dem Betriebskonzept sollen Stadt und Landkreis Bayreuth gemeinsam einen jährlichen Zuschuss von rund 312.000 Euro tragen, also jeweils etwa 156.000 Euro pro Jahr über einen Zeitraum von 15 Jahren.

Die laufenden Gesamtkosten liegen jedoch bei rund 490.000 Euro pro Jahr. Dem stehen geplante Einnahmen gegenüber, die im Betriebskonzept als Durchschnitt über 15 Jahre angesetzt sind: rund 134.000 Euro aus der Vermietung an Gründer, etwa 35.000 Euro aus Vermietungen an Innovationsmieter sowie rund 28.000 Euro aus Veranstaltungen.

Vor diesem Hintergrund fragte Müller skeptisch, wie viele Gründer tatsächlich im Haus sein müssten, um die angesetzten Einnahmen zu erreichen. Diese Frage konnte Sippel in der Sitzung ohne entsprechende Unterlagen nicht konkret beantworten.

Geschäftsführung als Dreh- und Angelpunkt

Mehrfach kehrte die Diskussion zur Frage der Geschäftsführung zurück. FDP-Stadträtin Luisa Funke-Barjak wollte konkret wissen, wann diese Position besetzt werden soll. Ihre Sorge: Ohne frühzeitige Leitung laufe man Gefahr, dass das RIZ zur Eröffnung noch nicht mit Leben gefüllt sei.

Kroeger nannte einen klaren Zeitraum: Rund neun Monate vor der Eröffnung müsse die Geschäftsführung an Bord sein. Diese Phase sei nötig, um Programme vorzubereiten, Netzwerke aufzubauen und dafür zu sorgen, „dass das RIZ am Eröffnungstag nicht leer steht, sondern sofort Fahrt aufnimmt“.

Handwerk, IHK und regionale Verantwortung

CSU-Stadtrat Helmut Parzen stellte besonders die Rolle des Handwerks heraus. Angesichts von Strukturwandel, Fachkräftemangel und Problemen in klassischen Industrien brauche die Region neue Perspektiven. „Wir haben die Universität, wir haben die jungen Leute – jetzt müssen wir sie hier halten“, sagte Parzen und mahnte: Nach Jahren der Diskussion müsse es nun endlich losgehen.

In dieselbe Richtung argumentierte SPD-Stadtrat Thomas Bauske. Die Einbindung von IHK und Handwerk sei entscheidend, komme aber nicht von selbst. „Da wartet Arbeit auf das Wirtschaftsreferat“, sagte er und wünschte der Verwaltung Durchhaltevermögen bei der Vernetzungsarbeit.

Am Ende verdichtete sich eine zentrale Botschaft aus fast allen

Entscheidend für den Erfolg des RIZ sind weniger das Gebäude oder das Papierkonzept als die Umsetzung. Für die Stadträtinnen und Stadträte steht im Mittelpunkt, dass Kosten im Blick bleiben, Strukturen schlank sind und das Projekt vorangeht.

Für den beratenden Experten ist vor allem eines zentral: eine starke Geschäftsführung, die früh Verantwortung übernimmt, Akteure zusammenbringt und Vertrauen aufbaut. Nur wenn Vernetzung aktiv gelebt wird, Beteiligte mitziehen und das Zentrum von Beginn an mit Leben gefüllt wird, kann das RIZ die erhoffte Wirkung für Stadt, Landkreis und Region entfalten.

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