Zuletzt aktualisiert am
Rollwenzelei: Freistaat fördert Konzeptentwicklung mit 60.000 Euro
Die Projektgruppe zur Zukunft der Rollwenzelei ist sich einig: Vor einem möglichen Ankauf soll mit einer Machbarkeitsstudie geklärt werden, wie Jean Pauls Dichterstübchen langfristig erhalten werden kann.
Der Freistaat Bayern unterstützt die historische Rollwenzelei mit 60.000 Euro aus der Fraktionsinitiative. Mit dem Geld soll zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, um ein tragfähiges Konzept für die künftige Nutzung und den Erhalt von Jean Pauls Dichterstübchen zu entwickeln.
Projektgruppe tagte zur Zukunft der Rollwenzelei
Auf Einladung des Bayreuther Landtagsabgeordneten Franc Dierl (CSU) tagte dazu am 12. August 2025 eine Projektgruppe mit Christine Sommer-Fiederer, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, Kulturpfleger Stefan Specht, Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold sowie dem Historiker und Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger. Ziel ist es, das literarische und kulturelle Erbe Jean Pauls in Bayreuth langfristig zu sichern.
Dierl: Erwerb braucht Konzept
„Wir möchten das familiäre, literarische und kulturelle Erbe Jean Pauls in Bayreuth unbedingt erhalten“, so Franc Dierl. Dafür brauche es aber zunächst einmal ein fachlich fundiertes Konzept, das man nun auf den Weg bringen wolle. „Ein Erwerb ohne Konzept ist nicht zielführend“, so Dierl. Zuletzt hatte ein Antrag aus der BG-Fraktion gefordert, die Stadt solle prüfen, ob sie die Rollwenzelei ankaufen kann und dort vermehrt Veranstaltungen stattfinden lassen.
Derzeit sind Besichtigungen nur mit Voranmeldung möglich, da die Eigentümerin den Museumsbetrieb nicht mehr stemmen kann.
Artikel vom 15. Oktober 2024: Eigentümerin sucht Lösung
Christine Sommer-Fiederer, Tochter der Eigentümerin, zeigte sich offen für neue Wege, um den Erhalt der Dichterstube sicherzustellen. Jährlich zieht das kleine Museum hunderte Literaturbegeisterte an. Besonders im Jahr 2013, anlässlich des 250. Geburtstags von Jean Paul, erreichte das Museum einen Besucherrekord. Nun ist 2025 der 200. Todestag des Schriftstellers, was die Bedeutung einer nachhaltigen Lösung zusätzlich verstärkt.
Herausforderung der Eigentümerstruktur
Die Eigentümerfamilie lebt nicht in Bayreuth, was eine dauerhafte Betreuung des musealen Angebots erschwert. Christine Sommer-Fiederer betonte, dass es das Ziel sein müsse, die Jean-Paul-Stube als kulturellen Ort für die Allgemeinheit zu erhalten. Die unter Denkmal- und Ensembleschutz stehende Rollwenzelei, einst ein Zollhaus und später eine Gastwirtschaft, befindet sich seit 1876 im Familienbesitz. Jean Paul arbeitete während seiner Bayreuther Jahre regelmäßig in der Dichterstube, und viele seiner Werke entstanden hier. Die letzten 20 Jahre seines Lebenssoll er quasi täglich hier gewesen sein. Seine damalige Dichterstube kann heute noch besichtigt werden.
Schon gelesen? Im kommenden Jahr ist Jean Pauls 200. Todestag. Das ganze Jahr über finden zahlreiche Veranstaltungen statt.
Ein authentischer Ort der Literaturgeschichte
Die Dichterstube ist bis heute im Originalzustand mit den Originalmöbeln erhalten und zählt zu den wenigen authentischen Dichterorten in Deutschland. Sogar die Feder, mit der Jean Paul schrieb, steht noch auf dem Tisch. Die Atmosphäre des Raumes lässt Besucher fast glauben, der Dichter habe ihn gerade erst verlassen. Zahlreiche Persönlichkeiten, darunter Literaten wie Günther Grass und Musiker wie Richard Strauss, haben diesen geschichtsträchtigen Ort bereits besucht.
Überregionale Bedeutung für das Museum
Franc Dierl, Mitglied des Wissenschafts- und Kunstausschusses im Bayerischen Landtag und im Landesdenkmalrat betont beim Besuch. „Das Haus muss wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden“ und spricht von einem echten Leuchtturmprojekt nicht nur für die Region, sondern für die gesamte deutsche Literaturgeschichte.
Engagement für den Erhalt
Der Zahn der Zeit hat allerdings Spuren an dem Anwesen hinterlassen. Um den Erhalt der Dichterstube zu sichern, wurde 2005 der gemeinnützige „Verein zur Erhaltung von Jean Pauls Einkehr- und Dichterstube in der Rollwenzelei e. V.“ gegründet. Dank der Unterstützung des Bezirks Oberfranken und weiterer Partner konnte das Anwesen um ein kleines Museum erweitert werden.
Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass dieser einzigartige literarische Ort auch in Zukunft für Besucher aus aller Welt zugänglich bleibt.












Landrat Florian Wiedemann und Bezirkstagspräsident Henry Schramm freuen sich über die neuen Räumen für die schulvorbereitende Einrichtung ©Sabine Heid, Bezirk Oberfranken
Kläranlage Bamberg ©News5/Ferdinand Merzbach