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„Unser Platz ist auf der Straße“: Erneuter Schulstreik gegen Wehrpflicht am 5. März
Nach den massiven Protesten im vergangenen Dezember rüstet sich die Schülerbewegung für die nächste Welle: Am 5. März 2026 ist deutschlandweit – und auch in Bayreuth – erneut gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht und verpflichtende Zwangsdienste gestreikt worden. Was hinter der Initiative steckt und warum die Jugendlichen den Unterricht schwänzen.
Die Debatte um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands hat die Klassenzimmer erreicht. Unter dem Motto „NEIN zur Wehrpflicht! NEIN zu allen Zwangsdiensten!“ mobilisiert das bundesweite Netzwerk „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ Schülerinnen und Schüler für einen erneuten Aktionstag. Nachdem laut Angaben der Initiative am 5. Dezember 2025 bereits über 40.000 Jugendliche auf die Straßen gegangen sind, ist der Protest am 5. März weitergegangen. Bundesweit sollen erneut über 50.000 Schüler*innen in 150 Städten demonstriert haben. Unterstützt wurden die Schüler*innen von Eltern, Lehrer*innen, Gewerkschaften sowie durch politische Jugendorganisationen.
Der 5. März in Bayreuth
Am 5. März sind in Bayreuth ebenfalls vereinzelte Schüler auf die Straße gegangen. Organisiert wurde der Protest von der Linken Jugend in Bayreuth. Ziel der Proteste ist es, gegen die „Militarisierung der Gesellschaft“ zu demonstrieren. Die Botschaft der Jugendlichen an die Politik lautet: „Wir machen da nicht mit!“
„Es ist nun endlich auch an der Zeit, einen Schulstreik in Bayreuth zu organisieren“, kündigt Selma-Luise Müller, Vorstandsmitglied der Linken Jugend Bayreuth, an.
Eingeladen sind Schülerinnen und Schüler sowie alle Interessierten.
Worum geht es bei dem „neuen Wehrdienst“?
Anlass des Unmuts ist das seit Anfang 2026 geltende Wehrdienstgesetz. Dieses sieht vor, dass alle 18–Jährigen einen verpflichtenden Fragebogen zur Wehrdienstbereitschaft und Tauglichkeit ausfüllen sollen. Für Männer ist das Ausfüllen sogar Pflicht. Ab 2027 müssen sie sich zudemeiner verpflichtenden Musterung unterziehen.
Die Aktivisten sehen darin den ersten Schritt zur Reaktivierung der klassischen Wehrpflicht. „Wir sind die Betroffenen, aber über uns wird nur gesprochen, nicht mit uns“, kritisiert die Initiative. Sie empfinden die Maßnahmen als staatlichen Zwangsdienst, der ihre persönliche Freiheit und Zukunftsperspektiven einschränke.
Die Argumente der Streikenden
Der Instagram–Account der lokalen Gruppe „schulstreik_bayreuth“ listet eine Reihe von Gründen auf, warum der Widerstand wächst:
- Grundrechte: Die Jugendlichen berufen sich auf Artikel 4 des Grundgesetzes und lehnen jeden Dienst an der Waffe ab.
- Bildung statt Aufrüstung: Gefordert wird eine „Friedensbildung“ an Schulen anstelle von Bundeswehr–Werbung. Investitionen sollten in das marode Bildungssystem fließen statt in Rüstungskonzerne. Wie zum Beispiel hier geschehen.
- Selbstbestimmung: Die Phase ab 18 Jahren sei eine kritische Zeit der Persönlichkeitsentfaltung, die nicht durch „Drill und Gehorsam“ unterbrochen werden dürfe.
Zwischen Solidarität und Repression
Der geplante Streik sorgt nicht nur für politische Diskussionen, sondern auch für rechtliche Spannungen. In der Vergangenheit warnten Lehrerverbände und Bildungsministerien bereits davor, dass unentschuldigtes Fehlen nicht toleriert werde und Sanktionen drohen könnten.
Dem gegenüber stehen Solidaritätsbekundungen, etwa von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die das politische Engagement der Jugend unterstützt. „Was ist schon ein Gespräch mit dem Schulleiter im Vergleich zu einem halben Jahr in der Kaserne?“, zitiert die Initiative einen Teilnehmer vergangener Proteste.
Der 5. März in Bayreuth
Auch in Bayreuth werden am 5. März leere Klassenzimmer erwartet.
Ob der Protest tatsächlich die erhoffte Wirkung auf die Bundespolitik zeigt oder lediglich zu vollen Klassenbüchern mit unentschuldigten Stunden führt, wird sich am 5. März zeigen. Fest steht: Die junge Generation fordert ihren Platz am Verhandlungstisch ein – notfalls durch Streik.











Archivfoto: Jennifer Burgmayr
Symbolfoto: Pixabay