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Coronavirus

Corona: Bayern schafft Quarantänepflicht ab – schon bald ist es soweit

Am Freitag, 11. November 2022, verkündete der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek die Aufhebung der Quarantänepflicht. Die neue Regel gilt schon in wenigen Tagen.

Die bayerische Staatsregierung hat sich, zusammen mit drei weiteren Bundesländern, auf eine Lockerung der Quarantäne-Regel geeinigt. Auch mit einem positiven Corona-Test muss man in Bayern schon bald nicht mehr zuhause bleiben.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) verkündete dies am Freitag, 11. November 2022 in München.

Update vom 11. November 2022 um 12:21 Uhr: Quarantänepflicht in Bayern aufgehoben

Aus einer Pressemeldung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege geht die Verkündung von Holetschek hervor. Ab dem 16. November gibt es keine generelle Isolationspflicht mehr für diejenigen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Vulnerable Gruppen würden aber nach wie vor geschützt – durch andere Maßnahmen.

Es sei der richtige Zeitpunkt für mehr Eigenverantwortung der Menschen, so Holetschek. Die Bundesregierung habe sich bislang einer gemeinsamen Lösung in der Isolationsfrage verweigert. Grundlage der Entscheidung sei eine wissenschaftliche Bewertung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie vieler Experten.

Eine weitere Regel besteht jedoch für Infizierte: Positiv Getestete müssen künftig außerhalb der eigenen Wohnung eine Maske aufsetzen. Und „wer krank ist, bleibt zu Hause“, gelte weiterhin. Bei den Bundesländern, die sich auf diese Regelung geeinigt haben, handle es sich Medienberichten zufolge, die sich auf Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums berufen, um Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein. Bislang musste man bei einem positiven Testergebnis für mindestens fünf Tage, und bis zu einer Symptomfreiheit von 48 Stunden, in häusliche Isolation.

Virologen sind sich einig. Bei inFranken werden Professor Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Professor Clemens Wendtner von der Infektiologie in der München Klinik Schwabing und Professor Christian Weidner, Präsident des LGL, zitiert. Allesamt sehen den Zeitpunkt der Pandemie als geeignet an, um die Quarantäne-regelt zu lockern. Es sei eine neue, positivere Phase der Pandemie. Die Krankheitsschwere sei mit überwiegend milden Verläufen gespickt, in erster Linie durch die Omikron-Variante und eine inzwischen hohe Basisimmunität in der Bevölkerung. Tätigkeits- und Betretungsverbote seien allerdings dort, wo sich vulnerable Gruppen befinden, weiterhin erforderlich.

Außerdem berufen sich die Bundesländer laut den Angaben aus Stuttgart unter anderem auf Erfahrungen aus Nachbarländern wie Österreich. Dort gibt es seit Sommer 2022 absonderungsersetzende Schutzmaßnahmen. Negative Erkenntnisse habe man dort keine gesammelt.

Die neuen Regelungen der Länder sehen vor, dass positiv Getestete außerhalb ihrer eigenen Wohnung eine Maske tragen müssen – außer im Freien, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Auch dürfen positiv Getestete nicht in medizinische und pflegerische Einrichtungen als Besucher.

Erstmeldung vom 11. November 2022 um 11:52 Uhr: Söder will Quarantäne-Regel lockern

Bereits auf dem letzten Parteitag hieß es, dass man die Isolations-Regel notfalls im Alleingang anpassen werde, sofern es hierzu keine Initiative vonseiten des Bundes geben werde. Der Bild-Zeitung bestätigte dies auch eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums: „Schon vor Monaten haben wir die Bundesregierung darum gebeten, eine aktualisierte Einschätzung zur Isolationspflicht zu geben. Bislang ist nichts geschehen.“ Lesen Sie auch: Ein fränkischer Virologe glaubt nicht an Lauterbachs „Killervariante“.

Der Augsburger Allgemeinen verrät Söder nun: „Deswegen werden wir jetzt in Bayern – möglicherweise mit anderen Ländern zusammen – die Quarantäneregeln neu schreiben.“ Gemeinsam mit Baden-Württemberg soll der Plan erfolgen, nicht nur mit Lockerungen für Menschen ohne Symptome, sondern auch an den grundsätzlichen Quarantäne-Vorschriften soll gefeilt werden.

Das steckt hinter der geplanten Lockerung

Der geplanten Anpassung liegt die Entwicklung von Covid-19 als Krankheit zugrunde: „Ich glaube, dass wir inzwischen in einer endemischen Phase sind durch das hohe Maß an Impfungen.“ Aus Söders Sicht sei die Pandemiephase somit überwunden. Das Nachrichtenportal inFranken meldet derweil, dass auch der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, diese Meinung teilt. Corona ähnele mittlerweile eher einer Grippe. Lesen Sie auch: Der Stiko-Chef sieht keinen Anlass für eine zweite Booster-Impfung.

Aktuell sei „Wegsperren und Zusperren“ kein Angebot mehr, sagt Söder. „Wir bleiben immer vorsichtig, wir appellieren zum Impfen, aber wir werden die Quarantäneregeln zusammen mit den Kollegen aus Baden-Württemberg anpassen.“ Die Politik müsse der Lage nach angemessen entscheiden.




Kritik von Lauterbach

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht die Planungen des bayerischen Ministerpräsidenten indes eher kritisch: „Der Arbeitsplatz muss sicher bleiben. Keiner darf mit Covid zur Arbeit gedrängt werden“, sagte er der Bild-Zeitung auf Anfrage. Mehr tun, als Empfehlungen auszusprechen könnten Lauterbach und das Robert-Koch-Institut allerdings nicht tun. Die Bundesländer entscheiden letztlich selbstständig.

Noch ist nicht sicher, wie schnell die Corona-Lockerungen vorgenommen. Am 15. November tagt das Kabinett zum nächsten Mal. inFranken merkt jedoch an, dass die Quarantäne-Regeln auch erst später Thema werden könnten, da auch Absprachen mit Baden-Württemberg getätigt werden müssen.