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Politik

Söder über Corona-Maßnahmen: „Halbe Sachen führen nicht zu einer Lösung“

Lockdown verlängert: Am Mittwoch (6.1.2021) hat Markus Söder die neuen verschärften Corona-Regeln für Bayern verkündet. Am Freitag (8.1.2021) erklärte er diese vor dem Bayerischen Landtag. 

Bereits am Dienstagabend (5.1.2021) verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Dabei waren sich Bund und Länder wohl in einer Sache einig: Der Lockdown wird verlängert und die Regeln verschärft. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erklärte einen Tag später die Regeln für Bayern. Am Freitag (8.1.2021) gab er eine Regierungserklärung ab.

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1.2000 Corona-Tote in Deutschland – Söder: „Wir müssen noch mehr tun“

„Corona dominiert auch das Jahr 2021 genauso wie das letzte. Jeder der meint, die Corona-Zeit sei bald vorbei, der irrt leider. Ich fürchte, es geht noch länger.“ Die beschlossenen Maßnahmen würden Wirkung zeigen. Die Inzidenz und Infektionen seien gesunken. In einigen Hotspots, wie z.B. Hof und Regen, habe es Entlastung gegeben. Noch 17 Regionen liegen über der Inzidenz von 200. „Ja, es gibt Hoffnung. Das, was wir tun, ist nicht umsonst.“, sagte Söder, es gebe aber auch keine Garantie dafür. „Wir müssen noch mehr tun.“ Heute habe es fast 1.200 Tote in Deutschland gegeben. „Wir sind nicht bereit, das achselzuckend hinzunehmen“, erklärte der Ministerpräsident.

Söder: „Halbe Sachen führen uns nicht zur Lösung“

Jeder Tod sei ein Schicksal und jede Meldung ein kleiner Stich ins Herz für uns alle, sagte Söder. Schutzmaßnahmen seien keine Gängelung, sagte Söder. „Halbe Sachen führen uns nicht zur Lösung.“ Die Situation in den Krankenhäusern sei nach wie vor besorgniserregend. „Ich kann keine einfache Entwarnung geben. Ich bin skeptisch, ob die gegenwärtigen Zahlen das tatsächliche Infektionsgeschehen wirklich genau wiedergeben.“ Über die Feiertage sei weniger getestet worden. Gleichzeitig gehe die Positivrate der Getesteten hoch. Erst Mitte/Ende nächster Woche seien verlässliche Aussagen möglich.

Das mutierte Virus besorge Virologen. Das müsse auch uns besorgen. Das mutierte Coronavirus würde sich schneller verbreiten und sei dominanter. Es könne auch eine große Gefahr für uns alle sein. „Es wirkt sich aus – besonders bei jüngeren Menschen und an Schulen“, so Söder. Das habe man in anderen Ländern wie Großbritannien gesehen. Jeder, der Corona leugnet und die Gefahren unterschätzt, wird der Verantwortung nicht gerecht. „Wir wollen die Herausforderung gemeinsam bestehen.“

Darum muss der Lockdown verlängert und vertieft werden

„Wir brauchen diesen langen Atem. Es gibt nirgendwo anders niemanden, der ernsthaft ein anderes Konzept vertritt.“ Das Beispiel Schweden zeige, dass deren Ansatz der falsche Weg gewesen sei. „Der Lockdown wird verlängert und vertieft.“ Das schnelle Lockern in anderen Ländern habe immer wieder dazu geführt, dass zurückgerudert werden musste. Schwerere Maßnahmen helfen eher, so Söder. Es komme auf die Themen Kontakte und Mobilität an. Hier müsse reduziert werden. Das eigentliche Ziel sei es, daheim zu bleiben. So könnte man Infektionen verhindern.

Söder verstehe die Beschwerden der Tourismusregionen. Die Bedenken seien jedoch ernstgenommen worden. Landkreise, deren Inzidenz über 200 beträgt, können fortan auch selbst einen Touristen- Stopp verhängen.

Überall auf der Welt: „Alten- und Pflegeheime bleiben eine Achillesferse“

Das Thema Schulen sei sensibel und wichtig. Auch hier sei die Pandemie tätig. „Nirgendwo gibt es so viele Kontakte in kürzester Zeit wie dort“, sagte Söder. Insbesondere auch wegen des mutierten Virus sei es klug und umsichtig, auch hier auf Sicherheit zu setzen und keine Experimente zu machen. „Wir setzen das um, was in Berlin beschlossen wird.“ Mehr Infos zur Regelung an Schulen hatte Söder bereits am Mittwoch erklärt. Eltern können bis zu 10 zusätzliche Krankheitstage einreichen, Alleinerziehende sogar 20.

„Vorhin wurde gesagt es gäbe Impf-Chaos in Bayern, ich kann das nicht nachvollziehen“, sagte Söder. Jedes Impfzentrum entscheide selbst, was der beste Weg ist. „Es wird geimpft was geht und was erlaubt ist“, sagte der Ministerpräsident. Auch in Krankenhäusern sei alles gut angelaufen. „Alten- und Pflegeheime bleiben eine Achillesferse“, sagte Söder. Dies sei nicht nur in Bayern so, sondern überall auf der Welt. „Wir wollen die ältere Zielgruppe schützen, nicht isolieren.“

„Sektenähnliche Zustände“ bringen echtes Unheil über unser Land

Es sei unfassbar, dass Leute immer noch Fake-News und Hetze verbreiten würden. „Das bringt echtes Unheil über unser Land.“ Söder sprach dabei unter anderem die Querdenker und Teile der AfD an. „Das Beispiel USA zeigt, wohin Hetze und Unwahrheit führen.“ Daraus könne immer Gewalt entstehen. Menschen würden in einer parallelen Wirklichkeit unter „sektenähnlichen“ Zuständen leben. Kritik sei gut, das sei Teil einer Demokratie. Aber wenn Menschen nicht mehr zuhören wollen, dann sei dies anders. Es sei fast so, als wie wenn Menschen einer Gehirnwäsche unterzogen worden seien.

„Wir haben die Aufgabe Corona zu bekämpfen und dabei auch unsere Demokratie zu schützen. Das werden wir tun: zu hundert Prozent.“

(Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident)

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt