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Frau stirbt bei Unfall in der Fußgängerzone WM-Public Viewing in und um Bayreuth Jean Paul Platz soll aufgehübscht werden

Zuletzt aktualisiert am 12. November 2025 | 08:54

Wohnraum

Solar trifft Infrarotheizung: Die GBW plant innovative Wohngebäude in Bayreuth

von Michael Christensen

Im Stadtteil Kreuz werden rund 200 Wohnungen abgerissen, und etwa 220 neue Wohnungen entstehen. Die Gemeinnützige Bayreuther Wohnungsbaugenossenschaft (GBW) entwickelt das Projekt gemeinsam mit Professor Timo Leukefeld. Ziel ist es, ein neuartiges, energieautarkes Wohnkonzept zu realisieren.

Auf der rechten Seite sind Beispiele der neuen, viergeschossigen Wohnhäuser zu sehen – mit schwarzen Solarpaneelen auf dem Dach sowie an der Ost-, West- und Südseite. Von links nach rechts: Roland Pensel, Vorstand der GBW, Uwe Langhammer, Technischer Leiter der GBW, Markus-Patrick Keil, Vorstand der GBW, und Professor Timo Leukefeld, Energieexperte und Konzeptentwickler des neuen Wohngebiets. © Michael Christensen
Auf der rechten Seite sind Beispiele der neuen, viergeschossigen Wohnhäuser zu sehen – mit schwarzen Solarpaneelen auf dem Dach sowie an der Ost-, West- und Südseite. Von links nach rechts: Roland Pensel, Vorstand der GBW, Uwe Langhammer, Technischer Leiter der GBW, Markus-Patrick Keil, Vorstand der GBW, und Professor Timo Leukefeld, Energieexperte und Konzeptentwickler des neuen Wohngebiets. © Michael Christensen

Die GBW wagt etwas, das es in Nordbayern – vielleicht sogar bayernweit – bisher nicht gibt. Das Quartier in Bayreuth-Kreuz soll seine eigene Energie erzeugen und innovative, dezentrale Heizmethoden nutzen – und dabei ein neues Mietmodell einführen. Damit will die Genossenschaft zeigen, dass nachhaltiges und bezahlbares Wohnen kein Widerspruch sein muss.

GBW-Vorstand Markus-Patrick Keil zeigt sich zuversichtlich, dass das Bauplanverfahren im Frühjahr 2026 abgeschlossen ist. Noch im gleichen Jahr könnte der Bau beginnen.

Lage und Energieautarkie

Das neue Quartier soll im Westen Bayreuths, zwischen Dr.-Würzburger-Straße, Fröbelstraße und Pestalozzistraße entstehen. Die Gebäude sollen zu 50 bis 60 Prozent energieautark sein. Damit werden Mieterinnen und Mieter langfristig unabhängig von steigenden Energiekosten.

Warum strebt das Projekt keine vollständige Energieautarkie an? Timo Leukefeld, der für die Konzeption des Quartiers verantwortlich ist, erklärt:

„Vollständige Unabhängigkeit wäre wirtschaftlich unsinnig. Der zusätzliche technische Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen.“

Das optimale Gleichgewicht liege bei 50 bis 60 Prozent Eigenversorgung, so Leukefeld. So bleiben die Mieten bezahlbar, und das System bleibt stabil und robust.

Zu sehen sind Beispiele der elf viergeschossigen Wohnhäuser (Stand November 2025) mit schwarzen Solarpaneelen auf den Dächern sowie an der Ost-, West- und Südseite – mit Blick aus Südosten. Die rot markierten Gebäude sind noch nicht vollständig konzipiert. Sie sollen später Reihenhäuser im Südosten und größere Wohngebäude im Nordosten werden. © Autarkie-Team | Architekturstudio Klaus Hennecke
Zu sehen sind Beispiele der elf viergeschossigen Wohnhäuser mit schwarzen Solarpaneelen auf den Dächern sowie an der Ost-, West- und Südseite – mit Blick aus Südosten. Die rot markierten Gebäude sind noch nicht vollständig konzipiert. Sie sollen später Reihenhäuser im Südosten und größere Wohngebäude im Nordosten werden. © Autarkie-Team | Architekturstudio Klaus Hennecke

Architektur im Dienst der Sonne

Die Pultdächer und drei Fassadenseiten der viergeschossigen Mehrfamilienhäuser – nach Osten, Westen und Süden – sind vollständig mit Photovoltaikmodulen ausgestattet. Dadurch wird der Sonnenlauf über den gesamten Tag optimal genutzt, und die Gebäude können zu jeder Tageszeit Energie erzeugen. Die dunklen, gleichmäßig angeordneten Solarpaneele verleihen den Häusern zudem eine moderne, klare Ästhetik – ein Anblick, der in der Kreuzer Nachbarschaft sicherlich auffallen wird.

Schon gelesen? Bau von 31 neuen Wohnungen im Bayreuther Nordwesten.

Technisch einfach, aber hochmodern

Die technische Ausstattung folgt dem Prinzip „Einfach, aber intelligent“. Jede Wohnung erhält einen dezentralen Warmwasser-Boiler, der überwiegend mit überschüssigem Solarstrom betrieben wird. Dadurch lassen sich bis zu 80 Prozent Energie im Vergleich zu herkömmlichen Systemen einsparen, erklärt Leukefeld.

Die Einfachheit der Systeme ist bewusst gewählt. „Wir kehren zurück zu einem Prinzip, das früher selbstverständlich war – dezentrale Wärmeversorgung“, erklärt Uwe Langhammer, technischer Leiter der GBW. „Nur ist sie heute intelligenter, komfortabler und nachhaltiger.“

Alle Gebäude sind vollständig strombasiert, verfügen über Batteriespeicher und ein digitales Monitoring-System. Damit kann der Energieverbrauch jederzeit eingesehen werden.

Strahlungswärme statt klassische Heizkörper

Die Infrarotplatten befinden sich an den Decken und erwärmen die Oberflächen im Raum. Dadurch entstehe eine gleichmäßige Wärme, ähnlich wie Sonnenstrahlen an einem Wintertag, so Leukefeld.

„Eine Infrarotheizung hält rund 30 Jahre. Das ist ökologisch und ökonomisch kaum zu toppen.“

Einfache Technik, geringe Instandhaltungskosten

Auch bei der Wartung setzt das Konzept auf Schlichtheit und Wirtschaftlichkeit. Die Photovoltaikanlagen müssen nicht regelmäßig gereinigt werden, da Regen und Wind den Großteil der Pflege übernehmen.

Die gesamte Haustechnik sei so konzipiert, dass sie leicht zugänglich und wartungsarm bleibe, erklärt Leukefeld. Viele Komponenten können bei Bedarf sogar von einem Hausmeister oder örtlichen Handwerksbetrieb ausgetauscht werden – ohne teure Spezialfirmen. Diese einfache Struktur soll die Betriebskosten reduzieren und sorge dafür, dass die Mieten langfristig stabil und bezahlbar bleiben.

Pauschalmiete mit Energieflat

Das neue Mietmodell ist ein weiterer Kernpunkt. Statt Kaltmiete plus Nebenkosten gibt es eine Pauschalmiete, die Strom, Wärme und sogar das Laden von Elektroautos einschließt.

„Unsere Gebäude sind so sparsam, dass Vermieter eine Energieflat für fünf Jahre anbieten können“, erklärt Leukefeld.

„Egal, wie hoch zukünftige CO₂-Abgaben steigen – unsere Mieter sind davon befreit“, betont Leukefeld. Die Gebäude sind so konzipiert, dass sie über Jahrzehnte keine CO₂-Steuerbelastung verursachen. Das schafft Planungssicherheit und dauerhaft bezahlbare Energiekosten.

Das macht die Miete transparent und planbar – ohne Nachzahlungen oder böse Überraschungen.

Einen genauen Preis gibt es noch nicht, doch die GBW peilt eine „Warmmiete“ zwischen 12 und 16 Euro pro Quadratmeter an. Die Wohnungen sind als Zwei-Zimmer-Einheiten mit rund 50 Quadratmetern oder Drei-Zimmer-Wohnungen mit etwa 70 Quadratmetern geplant. Im Dachgeschoss ist zusätzlich ein Abstellraum vorgesehen. Reihenhäuser für Familien sind ebenfalls vorgesehen.

Zukunftsfähige Vernetzung und Mobilität

Das gesamte Quartier wird digital vernetzt. So können die Gebäude ihre Energie austauschen und die Autarkiequote weiter steigern. Energieüberschüsse können mit Nachbarinnen und Nachbarn geteilt werden – etwa, wenn ein Haushalt gerade weniger Strom benötigt.

Abhängig davon, wie sich die gesetzlichen Regelungen zur Stromverteilung in Deutschland entwickeln, könnte künftig auch ein Verkauf von überschüssiger Energie ins öffentliche Netz möglich werden.

Im Gespräch sind zudem Carsharing-Fahrzeuge, die in die Miete integriert werden könnten. So hätten Bewohnerinnen und Bewohner bei Bedarf Zugriff auf ein Auto – ganz ohne eigenes Fahrzeug. Die Buchung soll dabei ganz bequem online erfolgen – so zumindest die ersten Vorstellungen.

Bau in vier Abschnitten über acht Jahre

Der Bau der Wohnhäuser soll in vier Bauabschnitten über einen Zeitraum von rund acht Jahren erfolgen. In der ersten Etappe entstehen 55 Wohnungen, danach folgen die weiteren Gebäude schrittweise, so Keil. Am Ende sollen rund 220 Wohnungen zur Verfügung stehen.

„Die Stadt hat das Vorhaben schnell unterstützt, weil auch sie energieautark werden will“, sagt Markus-Patrick Keil. Das Bebauungsplanverfahren läuft bereits – schon im nächsten Jahr könnten die ersten Schritte folgen.

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