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Stadtwerke sollen weitere zehn Jahre fahren – wachsende finanzielle und strukturelle Herausforderungen
Wer den Stadtbusverkehr in Bayreuth ab 2027 betreibt, ist weitgehend entschieden: Der Auftrag soll erneut an die Stadtwerke Bayreuth Verkehr und Bäder GmbH vergeben werden. Gleichzeitig weist die Stadtverwaltung auf wachsende Defizite hin, die die Stadt zunehmend finanziell belasten und langfristige Lösungen erfordern.
Eine europaweite Ausschreibung für den ÖPNV in Bayreuth ist nicht vorgesehen, berichtet die Stadtverwaltung. Stattdessen soll eine sogenannte Direktvergabe an die Stadtwerke Bayreuth Verkehr und Bäder GmbH erfolgen. Begründet wird dies damit, dass innerhalb der Frist kein anderes Verkehrsunternehmen Interesse an einem eigenwirtschaftlichen Betrieb des Stadtverkehrs signalisiert habe.
Für die Fahrgäste würde sich zunächst wenig ändern. Die Entscheidung betrifft vor allem Struktur, Finanzierung und Zukunftsplanung des öffentlichen Nahverkehrs – eine große Aufgabe für die Stadt in der nächsten Phase.
EY-Beratung: Verfahren weitgehend abgeschlossen
Ein externer Fachberater von Ernst & Young Law, Erik Pelizäus, bestätigte im Ausschuss, dass das Verfahren formal nahezu abgeschlossen sei. Es habe keine vergaberechtlichen Einwände oder Rechtsbehelfe gegeben.
Die Direktvergabe sei damit der letzte formale Schritt zur Beauftragung der Stadtwerke.
Zehn Jahre Planungssicherheit für den ÖPNV
Der aktuelle Verkehrsvertrag endet Ende 2026. Mit der geplanten Direktvergabe soll frühzeitig Klarheit geschaffen werden, wie es mit der ÖPNV für die nächste 10 Jahren weiter geht. „Wir wollen einen sauberen Vertrag zum 01.01.2027“, berichtet Oberbürgermeister Andreas Zippel.
Die Stadt verfolgt damit das Ziel, den Betrieb langfristig zu sichern und gleichzeitig steuerliche und organisatorische Rahmenbedingungen stabil zu halten.
Service bleibt stabil – Betrieb weitgehend unverändert
Das Angebot soll für Fahrgäste zunächst unverändert bleiben.
Geplant ist: Der Fahrplan bleibt bestehen, Fahrkartenkontrollen und Kundencenter verbleiben bei den Stadtwerken, das Kundencenter an der Zentralen Omnibushaltestelle (ZOH) wird weitergeführt, und Stadtwerke-Busse sollen weiterhin mit Bayern-WLAN ausgestattet sein.
Auch eine mögliche Angebotskürzung um fünf bis zehn Prozent wurde geprüft, aber vorerst verworfen.
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Finanzdruck im ÖPNV: Querverbund stößt an Grenzen
Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Finanzierung des Stadtbusverkehrs.
Bislang wurde der ÖPNV in Bayreuth maßgeblich über den sogenannten Querverbund der Stadtwerke mitfinanziert – also durch Gewinne aus dem Energie- und Wasserbereich. Dieses Modell gerät jedoch zunehmend unter Druck.
Die Verwaltung stellt klar: Der öffentliche Nahverkehr lasse sich dauerhaft nicht mehr allein über diese interne Quersubventionierung tragen. Steigende Personal-, Energie- und Investitionskosten verschärfen die Lage zusätzlich.
Zugleich weist die Stadt darauf hin, dass auch externe Faktoren eine Rolle spielen, etwa das Deutschlandticket. Dessen Finanzierung basiert auf früheren Vergleichswerten und bildet aktuelle Kostensteigerungen nur begrenzt ab.
Im Ausschuss wird daher offen über zusätzliche städtische Mittel gesprochen. Erwartet werden künftig sechs- bis siebenstellige Summen pro Jahr, um den Betrieb abzusichern.
Zentrale Herausforderung: langfristige Finanzierung
Die Verwaltung arbeitet bereits an einem neuen Modell, das die Finanzierung innerhalb des Stadtwerke-Konzerns stabilisieren soll. Ziel ist eine Lösung, die flexibler auf Haushaltslage und Kostenentwicklung reagiert.
Der Oberbürgermeister macht deutlich, dass der politische Wille zum ÖPNV grundsätzlich vorhanden sei, gleichzeitig aber die finanziellen Grenzen stärker berücksichtigt werden müssten. Künftig werde die Stadt stärker entscheiden müssen, in welchem Umfang sie sich den öffentlichen Nahverkehr leisten kann.
Technische Entwicklung: E-Busse und Klimaziele
Neben der Finanzierung spielt die Dekarbonisierung eine zentrale Rolle.
Die Stadtwerke sollen ihre Busflotte schrittweise auf emissionsarme und emissionsfreie Fahrzeuge umstellen. Grundlage sind gesetzliche Vorgaben der EU zur sauberen Fahrzeugbeschaffung.
Der Umstieg hängt jedoch eng an Fördermitteln von Bund und Freistaat. Ohne diese Unterstützung sind größere Investitionen kaum darstellbar.
Im Beschluss bleibt offen, wie schnell die Umstellung erfolgt. Die Umsetzung soll jeweils gesondert entschieden werden, abhängig von der finanziellen Lage.
Stadtrat: Zwischen Sparzwang und Ausbauplänen
Georg Kämpf (BG) plädiert für eine langfristige Weiterentwicklung des ÖPNV bis hin zu kostenfreien Angeboten. Auch Modelle wie ein Stadtticket werden diskutiert.
Karsten Schieseck (BG) verweist auf die Kostenentwicklung, sieht aber gleichzeitig Potenzial in strukturellen Maßnahmen wie Busspuren, Taktverdichtungen und einer stärkeren Steuerung des Individualverkehrs.
Halil Tasdelen (SPD) betont die Daseinsvorsorge. Der ÖPNV sei eine Pflichtaufgabe, die dauerhaft finanziert werden müsse, auch wenn die Haushaltslage schwieriger werde.
Ein zentraler Punkt bleibt: Die Stadt muss künftig entscheiden, in welchem Umfang sie den ÖPNV über andere Bereiche der Stadtwerke querfinanzieren kann oder will.
Ergebnis: einstimmige Entscheidung
Der Stadtentwicklungsausschuss empfiehlt die Direktvergabe an die Stadtwerke Bayreuth einstimmig. Der Stadtrat soll dem folgen.
Damit würden die Stadtwerke ab 2027 für weitere zehn Jahre fahren – unter deutlich verschärften infrastrukturellen Rahmenbedingungen und mit offenem Reformbedarf im Finanzierungssystem.












Symbolbild: Dîner en Blanc, Dinner in Weiß ©Erstellt mit Canva
Heilquellenschutzgebiet in Laineck: Die blaue Grenze markiert Bereiche mit Verboten oder strengen Auflagen zum Schutz vor Schadstoffen im Boden und Grundwasser. Die rote Grenze schützt den tiefen Untergrund; Bohrungen sind dort stark eingeschränkt oder verboten, um die Heilwasserquellen nicht zu gefährden. Karte mit KI erstellt © OpenStreetMap.org/copyright