Zuletzt aktualisiert am
Streit um Bayreuths Klimabeirat: Reicht ein Update der Satzung?
Der Bayreuther Klimabeirat soll moderner und flexibler werden – doch genau das sorgt für Diskussionen. Während die Stadt nur an Stellschrauben dreht, fordern Klimaschützer deutlich mehr.
Die Stadt Bayreuth will die Satzung ihres „Beirats für nachhaltige und stadtklimagerechte Planung und Stadtentwicklung“ anpassen. Künftig soll das Gremium schlanker organisiert sein und unter dem kürzeren Namen „Beirat für klimagerechte Stadtentwicklung“ auftreten.
Inhaltlich bleibt jedoch vieles beim Alten: Der Beirat soll weiterhin vor allem bei städtischen Planungsfragen beraten – etwa bei Bauprojekten, Mobilität oder Energiefragen mit Raumbezug.
Mehr Flexibilität, weniger Bürokratie
Ein zentraler Punkt der Änderung betrifft die Zusammensetzung des Gremiums. Statt einzelner Personen sollen künftig Funktionen oder Fachbereiche benannt werden. Das soll Vertretungen erleichtern und die Arbeitsfähigkeit verbessern.
Auch neu: Vertreter aus dem Bereich Gesundheit sollen stärker eingebunden werden.
Der Beirat: Was er bisher leistet
Seit seiner Gründung 2020 hat sich das Gremium etabliert. Es tagt etwa zweimal pro Jahr und liefert fachliche Einschätzungen zu wichtigen Projekten der Stadtentwicklung.
Dabei stehen vor allem vier Themen im Fokus:
- Stadtklima
- Mobilität (Rad, Fußverkehr, ÖPNV)
- Wasser und Flächen
- Energieplanung
Die Empfehlungen des Beirats fließen direkt in politische Entscheidungen ein. Schon gelesen? Eine neue Wohnbaustrategie soll das Bauen in Bayreuth ankurbeln
Kritik aus der Zivilgesellschaft
Doch genau hier setzt die Kritik an. Das Bündnis für Klima und Artenschutz, vertreten durch Cornelia Huth im Gespräch mit der Redaktion, hält die geplante Änderung für nicht ausreichend.
Der Vorwurf: Der Beirat kümmere sich vor allem um Flächennutzung und Stadtplanung – nicht aber um das große Ganze der Klimakrise, etwa die Gesamtheit der Treibhausgasemissionen.
„Das ist kein echter Klimabeirat“
Aus Sicht der Kritiker ist der umgangssprache Name „Klimabeirat“ irreführend. Der Beirat sei eher ein Fachgremium für Stadtplanung als ein echtes Klimagremium.
Gefordert wird deshalb ein deutlich breiteres Aufgabenfeld. Beispiele für klimarelevante Themen, die bisher noch nicht vom Klimabeirat abgedeckt werden, sind:
- Monitoring von Treibhausgasen
- Begleitung der Wärmeplanung
- Impulse für nachhaltige Ernährung
- Diskussion über Werbung für fossile Produkte
Kurz gesagt: Ein Beirat, der die Stadt umfassend in Klimafragen berät.
Stadt setzt bewusst Grenzen
Die Verwaltung sieht das anders. Sie betont, dass der Beirat bewusst ein sektorales Fachgremium bleibt; mit Fokus auf Stadtentwicklung.
Ein breiteres Mandat würde laut Vorlage zwei Probleme schaffen:
- Das Gremium müsste deutlich häufiger tagen
- Die ehrenamtlichen Mitglieder würden überlastet
Deshalb soll das Aufgabenspektrum klar begrenzt bleiben.
Ein Schritt Richtung Klimaneutralität
Immerhin: Ein neuer Passus soll festschreiben, dass der Beirat die Stadt dabei unterstützt, bis 2040 klimaneutral zu werden.
Auch mehr Transparenz ist geplant – zumindest teilweise. Künftig entscheidet der Beirat selbst, welche Inhalte nach den Sitzungen veröffentlicht werden.
Mehr Öffentlichkeit gefordert
Für viele Engagierte reicht das nicht. Sie fordern:
- öffentliche Sitzungen
- stärkere Einbindung der Zivilgesellschaft
- mehr Beteiligung von Ehrenamtlichen
Die Idee: Klimapolitik soll nicht nur im Expertengremium stattfinden, sondern stärker in die Stadtgesellschaft getragen werden.
Wie es jetzt weitergeht
In der Ausschusssitzung am 21. April entscheidet der Stadtrat über die Satzungsänderung. Die Verwaltung empfiehlt die Annahme des Entwurfs.
Ob das reicht, um Bayreuth fit für die Klimazukunft zu machen, bleibt offen. Die Debatte darüber hat jedenfalls gerade erst begonnen.
FAQ
Was macht der Klimabeirat in Bayreuth?
Er berät Stadtrat und Verwaltung bei Projekten der klimagerechten Stadtentwicklung, etwa bei Bauvorhaben, Mobilität oder Energieplanung.
Was soll sich durch die Satzungsänderung ändern?
Vor allem organisatorische Punkte: mehr Flexibilität bei der Besetzung, ein neuer Name und kleinere Anpassungen in der Arbeitsweise.
Warum gibt es Kritik an der Änderung?
Kritiker bemängeln, dass der Beirat weiterhin kein umfassendes Klimagremium ist und zentrale Themen wie Treibhausgasemissionen zu wenig berücksichtigt.
Bleiben die Sitzungen nicht öffentlich?
Grundsätzlich ja – sie sind weiterhin nicht öffentlich. Allerdings sollen Ergebnisse teilweise veröffentlicht werden.
Wann fällt die Entscheidung?
Der Bayreuther Stadtrat entscheidet voraussichtlich Ende April 2026 über die neue Satzung.
Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD), seine Stellvertreter Stefan Schuh (CSU) und Thomas Bauske (SPD) und die Stadträte, die Bayreuth bis 2032 mitgestalten werden. Foto: Stefanie Schweinstetter Neuer Stadtrat: Stefan Schuh und Thomas Bauske werden Zweiter und Dritter Bürgermeister
Artikel lesen
Im Bild die neugegründete Fraktionsgemeinschaft von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. V.l.n.r.: stehend: Florian André Unterburger, Sabine Steininger, Johanna Schmidtmann, Klaus Wührl-Struller, Eckhard Sabarth. sitzend: Ulf Boderius, Jannick Metz, Gabi Hemmer Foto: Fraktionsgemeinschaft 











Symbolbild © stock.adobe | benjaminnolte
Drogen Symbolbild: Pixabay