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Studiobühne Bayreuth bringt sechs neue Stücke
Die neue Spielzeit der Studiobühne Bayreuth steht in den Startlöchern. Eine öffentliche Probe, ein Theatertag mit freiem Eintritt und am 23. Oktober die Premiere der Komödie „Jeeps“ stehen zum Auftakt auf dem Programm. Bis zum Frühjahr stehen sechs neue Stücke und eine Wiederaufnahme auf dem Plan.
Die Studiobühne Bayreuth startet die Spielzeit 2026/27 mit einem Pre-Opening am Tag der Deutschen Einheit. Die neue Saison bringt sechs neue Stücke auf die Bühne, dazu kommt eine Produktion aus dem Vorjahr zurück. Außerdem stehen drei Lesungen auf dem Programm. Eine davon soll zu einem Kinderbuch führen, die beiden anderen widmen sich Ödön von Horváth und Rainer Maria Rilke.
Der Sommer sei mit Rekordzahlen sehr erfolgreich verlaufen, teilt Birgit Franz mit. Die Studiobühne zählte im Jubiläumsjahr der 150. Bayreuther Festspiele erstaunliche 84 Aufführungen. „Aber das alles ist Geschichte. Wir blicken nach vorne, wir machen immer weiter“, sagt Intendant Jürgen Skambraks.
Die Spielzeit 2026/27 der Studiobühne Bayreuth im Überblick
Politisch geht es im Winter an vielen Stellen zu, wenn auch oft zwischen den Zeilen. „Für mich sind alle Stücke sehr politisch, aber eben unter der Oberfläche und das ist ganz gut so“, erklärte Skambraks. Selbst im Kinderstück tauche die Figur Donald Trump auf, allerdings nicht ausdrücklich.
Die sechs neuen Produktionen heißen „Jeeps“, „Hase und Igel“, „Tannöd – Ein Kriminalfall“, „Die Verwirrungen des Zöglings Törless“, „Don Tristano und Donna Isotta“ sowie „König Ubu“. Zurück auf die Bühne kommt „Event“ von John Clancy.
Oktober: Öffentliche Probe, Theatertag und die Premiere von „Jeeps“
Am 13. Oktober zeigt die Studiobühne eine öffentliche Probe von „Jeeps“. Fünf Tage später, am Sonntag, den 18. Oktober, öffnet das Haus beim Theatertag von 15 bis 20 Uhr seine Türen. Auf zwei Bühnen laufen immer wieder halbstündige Probenausschnitte. „Da kann man reingehen und es kostet alles überhaupt keinen Eintritt“, so Franz.
Außerdem gibt es Hausführungen, Kaffee und Kuchen sowie kleine warme Speisen im Theaterkeller. Die Kunstaktion für Kinder gestaltet der Bühnenbildner von „Hase und Igel“ gemeinsam mit der Künstlerin Sarah Martin. Dazu kommen eine Button-Maschine und voraussichtlich ein Studiobühnenquiz.
Am Freitag, den 23. Oktober, feiert „Jeeps“ um 20 Uhr im Studio Premiere. Die Komödie von Nora Abdel-Maksoud wurde 2021 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Stefan Schneller führt Regie, Jürgen Goldfuß gestaltet Bühnenbild und Musik.
Vier Figuren erleben in rund 90 Minuten eine fiktive Erbrechtsreform, die Vermögen neu verteilt. „Viel Humor, viel schwarzer Humor, durchaus ein ernster Hintergrund“, beschrieb Schneller das Stück. Der Titel „Jeeps“ spielt auf einen Mercedes G-Klasse an, den eine Figur als Statussymbol kauft und den die anderen in die Luft sprengen wollen. Schneller rechnet damit, dass einem manchmal „das Lachen im Hals stecken bleibt“.
November: Kinderstück und fantastische Geschichten
Am Sonntag, den 15. November, folgt um 15 Uhr auf der Hauptbühne die Premiere von „Hase und Igel“. Das Kinderstück von Peter Ensikat basiert auf dem Märchen der Brüder Grimm. Werner Hildenbrand inszeniert. Skambraks spielt die Musik live und tritt zugleich als Rabe auf.
Hildenbrand sieht in der Geschichte eine Parabel über Überheblichkeit und Ausgrenzung. Der Hase macht sich über die kleinen, krummbeinigen Igel lustig. „Ich verzeihe dir, dass es dich gibt“, sagt er. Der Rabe kommentiert das Geschehen in Liedern und treibt den Hasen zugleich an. In einem Lied des Igels geht es darum, dass die Dummheit sich selbst für klug hält.
„Die Kinder werden Hase, Igel, Rabe sehen, die Erwachsenen werden Trump und seine Bande erkennen“, sagte Hildenbrand. Das Stück eignet sich für Kinder ab vier Jahren.
Am Sonntag, den 22. November, liest Werner Hildenbrand um 17 Uhr im Saal „Von Engeln, Clowns und Enten“. Der Abend versammelt fantastische Geschichten aus unveröffentlichten Texten von Silvia Guhr. Skambraks steuert die Musik bei, Matthias Ose die Zeichnungen. Aus diesem Material entsteht ein Kinderbuch.
Dezember: Krimi, Horváth, Uraufführung und Rilke
Am Samstag, den 5. Dezember, hat „Tannöd – Ein Kriminalfall“ um 20 Uhr auf der Hauptbühne Premiere. Die öffentliche Probe läuft am 24. November. Die Bühnenfassung nach dem Bestseller von Andrea Maria Schenkel stammt von Maya Fanke und Doris Happl. Birgit Franz führt Regie.
Die Inszenierung verlangt den Schauspielern einiges ab. Sie erzählen als Erzähler und spielen im nächsten Moment mit den anderen Figuren Dialoge, teils innerhalb derselben Szene. Franz nennt das „sehr herausfordernd“, aber es mache auch viel Spaß, falsche Spuren zu legen. So läuft jemand mit einer Axt über die Bühne, ein Fahrrad rollt aus dem Dunkeln, und eine Figur sitzt drei Szenen lang auf einer Leiter. Verdächtig sei „eigentlich jeder“, sagte Franz, „bis auf die Kinder“.
Für die Ausstattung kehrt Karlheinz Beer zurück. Er gestaltet Bühne und Kostüme. Zuletzt stattete er mit Katharina Wagner die „Walküre“ in Shanghai aus. Franz beschreibt ihn als Ausstatter mit „Kunst der Reduktion“. Die Musik liefert Siggi Michl. Sie soll die Sprache als Klangatmosphäre untermalen.
Am Mittwoch, den 9. Dezember, folgt um 20 Uhr im Theaterkeller die Lesung „Alles Gute, Herr Horváth!“ zum 125. Geburtstag von Ödön von Horváth. Klaus Meile leitet den Abend. Franz kündigte Ausschnitte aus Stücken und kurze Prosa an.
Eine Uraufführung steht am Freitag, den 18. Dezember, um 20 Uhr im Saal an. Uwe Hoppe schreibt die Theaterfassung von Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törless“ und führt Regie. Die öffentliche Probe findet am 8. Dezember statt.
Im Mittelpunkt stehen vier Schüler eines Internats. Sie verhandeln Machtstrukturen, die auf der Unterdrückung eines Mitschülers beruhen. Törless ist der Vierte im Bunde. Skambraks beschreibt ihn als Mitläufer, der sich das Geschehen ansieht und manchmal sogar dagegen ist. „Er unternimmt einfach nichts dagegen und deswegen ist er genauso gefährlich wie die anderen.“ Die Frage nach dem eigenen Verhalten wird aufgeworfen: Wer schweigt, wenn andere ausgegrenzt werden, trägt die Strukturen mit.
Die Studiobühne plant Gastspiele an Schulen. Michaela Beuschel begleitet das Stück theaterpädagogisch.
Das Jahr endet am Dienstag, den 29. Dezember, um 20 Uhr im Saal mit „So wunderweiße Nächte“. Marieluise Müller leitet den Abend zum 100. Todestag von Rilke. Acht Mitwirkende und ein Musiker gestalten die Lesung in einem ungewöhnlichen Format. „In Bayreuth gibt es eine ganze Fangemeinde von Rilke“, sagte Franz. Deshalb soll der Abend im neuen Jahr voraussichtlich zweimal wiederkehren.
Im neuen Jahr: „Event“, „Don Tristano“ und „König Ubu“
Im Frühjahr kehrt „Event“ von John Clancy zurück. Stefan Schneller hat es inszeniert und spielte es bereits im vergangenen Winter. Die Themen reichen für ihn weit. „Es geht letztendlich um alles“, sagte Schneller. Das Stück frage nach der Rolle und dem Wert des Theaters in der Gesellschaft. Dabei gehe es auch um das Theater als analoges Medium und darum, wie es in einer immer stärker digitalisierten und kommerzialisierten Welt fortbestehen kann.
Die Form ist radikal einfach. „Es ist die Theatersituation auf das Allermindeste reduziert“, so Schneller. Ein Mann spricht 75 Minuten lang mit dem Publikum und hält es dabei auf Trab. Er macht Theater und diskutiert zugleich seine eigene Rolle im Theaterereignis. Letztlich geht es auch um die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft. „Das Stück hat alles“, so Schneller.
Danach steht „Don Tristano und Donna Isotta oder: Zwei Stunden sind oft mehr wert als vier“ auf dem Plan. Gordian Beck inszeniert es. „Der Titel ist ein bisschen sperrig“, räumte Beck ein. In jener Zeit habe man mit Titeln gern experimentiert, und Rosendorfer stehe in dieser Tradition. Ironisch ist der lange Titel zugleich, denn das Stück selbst ist eine verkürzte Form von Wagners „Tristan und Isolde“.
Die Handlung beginnt damit, dass dem Komödiendichter Carlo Goldoni eine Wagner-Partitur in die Hände fällt. Er ist entsetzt, denn „so kann man ja nie nimmer Theater machen“. Also spielt er mit seiner Commedia-dell’Arte-Truppe „Tristan und Isolde“ auf Italienisch nach. „Und es ist urkomisch“, sagte Beck.
Später kommt Gotthold Ephraim Lessing hinzu. Er und Goldoni streiten über das Theater. Lessing verteidigt seine „Hamburgische Dramaturgie“, Goldoni hält die Commedia dagegen. Beide wollen herausfinden, wo die Komödie endet, wo die Tragödie beginnt und wo das Komische tragisch wird. Außerdem mischt sich ein Wanderer ein, der Vorsitzende des hiesigen Richard-Wagner-Verbands. Goldoni und Lessing bügeln ihn laut Beck „nach allen Regeln der Kunst“ ab.
„Je mehr man von diesen Hintergründen weiß, desto lustiger wird es“, sagte Beck. Alle anderen dürfen sich jedoch einfach über eine komische Sache auf der Bühne freuen.
Die letzte Premiere der Winterspielzeit ist „König Ubu“ von Alfred Jarry. Das Stück entstand vor rund 130 Jahren und ist damit das älteste im Spielplan. Birgit Franz bezeichnet es als „weder angestaubt noch brav“, sondern als „Meilenstein des absurden Theaters“.
Jarry schrieb eine anarchische, groteske Satire. Auf Drängen seiner Frau tötet Ubu den König von Polen und reißt die Krone an sich. Danach herrscht das Paar mit brutaler Willkür. Es unterdrückt das Volk, lässt adlige Richter und Finanzbeamte töten und führt wahnwitzige Steuern ein. Als Ubu Russland angreift, erweist er sich als feige. Er wird gestürzt und setzt mit Mutter Ubu in Frankreich sein Unwesen im Kleinbürgertum fort.
Regie führt Michal Sykora, ein tschechischer Regisseur, der seit Längerem mit dem Haus arbeitet. Im vergangenen Jahr inszenierte er Brechts „Die Kleinbürgerhochzeit“ unter dem Titel „Die Hochzeit“. Franz schätzt seine „ganz eigene Ästhetik“. Er habe ein Faible für absurdes Theater, für Humor und für expressive Ausdruckskraft.
Gespielt wird im Studio. „Wir haben uns nicht getraut, es auf die Hauptbühne zu setzen“, sagte Franz. Sykora solle nicht denken, er müsse unterhaltsames Theater machen. Stattdessen dürfe er die anarchischen Stärken des Stücks herausarbeiten. Franz rechnet damit, dass die Grenzen zwischen Publikum und Bühne aufbrechen. Das wisse sie schon von ihm. Der ganze Raum werde bespielt. Für sie ist das „ein toller Abschluss unseres Winterspielplanes“.












Im neuen Parklet: Von links: Markus Göhl (Dostler), Ulf Boderius (Amt für Umsetzung), und Michael Albert (Vorstand der Sparkasse) und die Wilden Demokratiehühner. © Stefanie Schweinstetter
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