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Temu, Shein und AliExpress: Heimische Unternehmen schlagen Alarm!
Die Zahlen sind ein Schlag ins Gesicht für jeden ehrlichen Händler in Bayreuth und Kulmbach: Während hiesige Betriebe um jeden Kunden kämpfen, fluten Billig-Plattformen aus Fernost unsere Region mit Millionen von Paketen – oft am Zoll vorbei. Die IHK für Oberfranken Bayreuth fordert jetzt ein Ende der „Schummel-Importe“.
Es ist ein ungleicher Kampf: David gegen Goliath, nur dass Goliath diesmal aus Containerschiffen und Billig-Apps besteht. Was als „Shopping-Spaß“ auf dem Smartphone beginnt, landet als existenzielle Bedrohung in den Bilanzen unserer regionalen Wirtschaft. Laut der IHK für Oberfranken Bayreuth hat sich der Wert der China-Kleinsendungen innerhalb von nur zwei Jahren auf unfassbare 400 Millionen Euro (Stand 2025) gesteigert. Ein Plus von über 600 Prozent!
Das „System Fernost“: Zoll-Tricks auf Kosten der Region
Steffen Tropitzsch, Außenhandelsexperte der IHK, findet deutliche Worte. Das Problem ist nicht nur die schiere Masse, sondern die Methode. Rund zwei Drittel der Pakete sollen beim Warenwert bewusst falsch deklariert werden.
„Die amtlichen Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs“, warnt Tropitzsch.
Durch das Aufteilen von Bestellungen in viele kleine Pakete unter 150 Euro werden systematisch Zollgebühren umgangen. Für die heimischen Unternehmen, die jeden Cent an Steuern und Abgaben korrekt abführen, ist das ein Wettbewerbsnachteil, der kaum noch aufzufangen ist.
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Kulmbacher Erfolgsgeschichte „waschies“ im Visier der Fälscher
waschies-Geschäftsführerin Carolin Schuberth aus Kulmbach berichtet von einem massiven Angriff auf ihr Lebenswerk:
- Markenklau: Ihr geschützter Name und sogar Original-Produktbilder wurden für Anzeigen auf Plattformen wie Meta missbraucht.
- Gefährliche Plagiate: Kunden reklamierten minderwertige Fälschungen direkt bei ihr – im Glauben, es sei das Original.
- Imageschaden: Der Frust der Kunden landet beim Kulmbacher Unternehmen, während die Hintermänner in China unerreichbar bleiben.
„Unsere Innenstädte stehen auf dem Spiel“
Petra Dierck vom Handelsausschuss der IHK sieht eine düstere Zukunft für die Bayreuther Maximilianstraße und andere Einkaufsmeilen der Region. Wenn Textilien, Deko und Kleinartikel massenhaft zollfrei und unter Umgehung von Sicherheitsstandards importiert werden, kann der stationäre Handel nicht gewinnen.
Das droht uns in Oberfranken:
- Verödung: Leerstände in den Innenstädten durch Ladenschließungen.
- Qualitätsverlust: Billigschrott verdrängt Beratung und Langlebigkeit.
- Sicherheitsrisiko: Viele Produkte entsprechen laut Stiftung Warentest nicht den EU-Sicherheitsnormen – sie sind schlicht gefährlich.
Die Forderung: Schluss mit der 150-Euro-Freigrenze!
Die IHK Bayreuth macht Druck auf die Politik. Die geplante 3-Euro-Abgabe ab Juli 2026 sei nur ein „Pflaster auf eine klaffende Wunde“. Gefordert wird die vollständige Zollpflicht ab dem ersten Euro und ein automatisiertes System, das Betrug sofort erkennt.
„Wir brauchen gleiche Spielregeln für alle“, so Dr. Johanna Horzetzky von der IHK. Der oberfränkische Handel scheue den Wettbewerb nicht – aber er muss fair sein.












Symbolbild: Pixabay
Bäcker- und Konditormeisterin Anna-Lena Geyer steht hinter der selbst gebauten Theke ihres Cafés, der Geyerei Backmanufaktur. © Michael Christensen