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Pleite

Traditionsbrauerei Leikeim nach 139 Jahren insolvent

Die wirtschaftlichen Probleme der deutschen Braubranche treffen nun auch eine der bekanntesten Marken Oberfrankens: Die Traditionsbrauerei Leikeim aus Altenkunstadt (Landkreis Lichtenfels) hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Ziel des Verfahrens ist nicht die Zerschlagung, sondern eine Sanierung des Unternehmens unter laufendem Betrieb.

Rückläufiger Bierkonsum und steigende Kosten setzen Brauereien unter Druck

Die Lage auf dem deutschen Biermarkt gilt seit Jahren als angespannt. Der Bierkonsum sinkt kontinuierlich, während gleichzeitig Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten deutlich gestiegen sind. Hinzu kommen die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, die Gastronomie und Veranstaltungsbranche nachhaltig geschwächt haben – zwei zentrale Absatzkanäle für regionale Brauereien.

Gerade mittelständische Familienbetriebe geraten dadurch zunehmend unter Druck.

Rettungsversuche blieben erfolglos

Leikeim hatte in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um der negativen Entwicklung entgegenzuwirken. Dazu zählten unter anderem:

  • der Ausbau des Exportgeschäfts,
  • Investitionen in alkoholfreie Produkte,
  • sowie interne Kostensenkungsprogramme.

Diese Schritte konnten die strukturellen Belastungen jedoch nicht dauerhaft kompensieren. Am Ende reichte die wirtschaftliche Substanz nicht mehr aus, um den Betrieb ohne gerichtliche Schutzmaßnahmen fortzuführen.

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung für Leikeim?

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist eine besondere Form des Insolvenzverfahrens. Anders als bei einer Regelinsolvenz bleibt die bisherige Unternehmensleitung im Amt. Sie arbeitet eng mit einem gerichtlich bestellten Sachwalter zusammen, der die Interessen der Gläubiger überwacht.

Ziel ist es, das Unternehmen neu aufzustellen – etwa durch:

  • Anpassungen der Kostenstruktur
  • strategische Neuausrichtung
  • Gespräche mit Finanzpartnern oder Investoren

Ob und welche Maßnahmen umgesetzt werden, ist derzeit noch offen.

Familienbrauerei mit langer Geschichte

Das Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim GmbH & Co. KG wird seit 1887 als unabhängige Familienbrauerei geführt. Über Generationen hinweg hat sich Leikeim einen Namen weit über Oberfranken hinaus gemacht – sowohl im klassischen Biersegment als auch mit innovativen Produkten.

Gerade diese lange Tradition macht die Insolvenz für die Region besonders einschneidend.

Signalwirkung für Oberfranken und die Region Bayreuth

Erst gestern sind mit Rofu und dem Bayreuther Unternehmen Communicall zwei für die Region wichtige Pleiten bekannt geworden. Die Insolvenzen zeigen: Auch traditionsreiche, etablierte Marken sind nicht immun gegen strukturelle Marktveränderungen.

Ausblick: Sanierung mit offenem Ausgang

In den kommenden Wochen sollen im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens verschiedene Sanierungsoptionen geprüft werden. Der Fortbestand der Brauerei ist ausdrücklich das erklärte Ziel – eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.

Für Mitarbeiter, Handelspartner und Bierliebhaber bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass Leikeim einen Weg findet, seine über hundertjährige Geschichte fortzuschreiben.