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Echtes Feuer, echter Rauch: Hier trainieren Feuerwehrleute künftig den Ernstfall
In Bindlach entsteht eine neue Übungsanlage für die Feuerwehren im Landkreis Bayreuth. Die Firma Ludwig Feuerschutz baut sie neben ihrem neuen Standort an der St.-Georgen-Straße – dort können Einsatzkräfte künftig auch mit echtem Feuer und extremer Hitze trainieren.
Noch ist Baustelle am neuen Standort von Ludwig Feuerschutz an der St.-Georgen-Straße in Bindlach. Das Unternehmen – bisher mit Sitz im Esbachgraben in Bindlach – verkauft Feuerwehrausrüstung und Sicherheitstechnik.
Zum neuen Gebäude neben dem Möbelhaus Pilipp gehört auch ein Übungshaus und ein Heißbrandcontainer. Dort werden in Zukunft Feuerwehrkräfte aus dem Landkreis Bayreuth für Situationen trainieren, die sie im Einsatz jederzeit erwarten können: Feuer, dichter Rauch und extreme Hitze.
Dass die Firma Ludwig in Bindlach bleibt, freut Bürgermeister Christian Brunner. Er hat den Kontakt zum Nachbarn Pilipp an der St.-Georgen-Straße vermittelt und so ermöglicht, dass Ludwig Feuerschutz aus dem Sitz im Esbachgraben nicht wegzieht. Ludwig Feuerschutz konnte dem Möbelhaus 8.000 Quadratmeter abkaufen, auf dem nun ein 24 mal 56 Meter großes Gebäude, ein Übungshaus aus Containern und ein sogenannter Heißbrandcontainer gebaut werden. Im Hauptgebäude entstehen außerdem unter anderem Lager, Showroom, Umkleiden, Duschen und ein Schulungsraum.
Wenn Rauch plötzlich brennt
Auf der Übungsstrecke für Atemschutzgeräteträger lernen die Feuerwehrleute, sich in verrauchten Räumen zu orientieren und üben das taktische Vorgehen. Dafür wird zum Beispiel mit sogenanntem „Diskonebel“ künstlich Rauch erzeugt. Einmal im Jahr müssen die rund 1.000 Atemschutzgeräteträger im Landkreis ihr Wissen auffrischen.
Noch näher an den Ernstfall geht es im Heißbrandcontainer. Dort wird tatsächlich Feuer gemacht. Die Feuerwehrleute gehen in den Stahlcontainer, um sich an die enorme Hitze zu gewöhnen – die Temperaturen können bis zu 800 Grad erreichen.
Gleichzeitig können dort verschiedene Brandsituationen simuliert werden. Dazu gehören sogenannte „Flashover“, bei denen sich ein Feuer nach dem Öffnen einer Tür durch die plötzliche Sauerstoffzufuhr schlagartig ausbreiten kann. Oder es wird unter kontrollierten Bedingungen geübt was zu tun ist, wenn sich angesammelte Rauchgase entzünden.
„Man erfährt einfach als Feuerwehrkraft, wie man mit so einer Situation umgeht“, erklärt Thorsten Gradtke-Neukam, Geschäftsführer von Ludwig Feuerschutz. Gerade weil solche Situationen im echten Einsatz nicht dauernd vorkommen, sei praktische Erfahrung entscheidend.
Bisher wurde in Abbruchhäusern geübt
Für die Feuerwehren im Landkreis bietet die neue Anlage deutlich mehr Möglichkeiten als bisher. „Wenn wir Übungen abgehalten haben, haben wir bisher in alten Abbruchhäusern geübt“, sagt Kreisbrandmeister Marco Kießling.
Dort könne man zwar beispielsweise Räume verrauchen und darin die Orientierung üben. Vieles lasse sich aber nicht realistisch trainieren. Unter anderem kann bei solchen Übungen oft kein Wasser eingesetzt werden. Im neuen Heißbrandcontainer auf dem Gelände an der St.-Georgen-Straße soll das möglich sein.
Auch weitere Szenarien sollen im neuen Übungshaus trainiert werden. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz einer Drehleiter: Fenster öffnen, Menschen über das Dach zu retten oder Personen durch ein Fenster aus einem Gebäude zu holen.
„Irgendwann geht’s nachts um drei los“
Marco Kießling hält gerade die Erfahrung mit realitätsnahen Situationen für entscheidend. Ein Feuerwehrmann könne seine theoretische Ausbildung lange hinter sich haben, bevor er eine bestimmte gefährliche Situation zum ersten Mal tatsächlich erlebt.
Thorsten Gradtke-Neukam kennt das auch aus eigener Erfahrung. „Etwas theoretisch wissen und im Einsatz umsetzen, ist was völlig anderes“, sagt er. „Irgendwann geht’s nachts um drei los und man ist aufgeregt. Wenn man eine Situation vorher schon einmal unter kontrollierten Bedingungen erlebt und trainiert hat, hilft das einfach.“
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Landkreis mietet die Anlage für 20 Jahre
Die Firma Ludwig Feuerschutz investiert einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag in den Neubau. Im zweiten Quartal 2027 soll die Anlage fertig sein.
Für den Landkreis Bayreuth ist das Projekt eine Möglichkeit, die notwendige Ausbildung zu gewährleisten, ohne selbst bauen zu müssen. Ludwig Feuerschutz errichtet und betreibt das Ausbildungszentrum, der Landkreis mietet es für die Ausbildung seiner Feuerwehrkräfte. Der Vertrag soll über 20 Jahre laufen.
„Die Ausbildung gehört für uns zum Pflichtbereich. Man kann es klein machen und groß. Jetzt ist es sicherlich was Ordentliches“, sagt Landrat Florian Wiedemann. Für den Landkreis sei die Lösung „auf jeden Fall die beste.“
In Zukunft sollen die Feuerwehrleute im Landkreis also nicht erst im Ernstfall erleben, wie sich ein Feuer in einem Raum ausbreitet, Rauchgase entzünden oder extreme Hitze anfühlt. Sie können es vorher unter kontrollierten Bedingungen trainieren.












Symbolbild: Pixabay
Drohne. Symbolbild © Pixabay