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Zuletzt aktualisiert am 04. Juli 2020 | 14:09

Meinung

Und wer klatscht jetzt? Der heuchlerische 5-Minuten-Ruhm für Pflegekräfte – ein Kommentar

Pflegekräfte in den verschiedensten Einrichtungen und unterschiedlichen Ausbildungen wurden zu Beginn der Corona-Krise als Helden bezeichnet. Lange gehalten hat dieser Ruhm allerdings nicht. Ein Kommentar von Redakteur Christoph Wiedemann.

Krankenpfleger und -schwestern sind in der Corona-Pandemie besonders im Fokus. Verbessert hat sich seitdem nichts - ein Kommentar von Christoph Wiedemann. Symbolfoto: pixabay
Krankenpfleger und -schwestern sind in der Corona-Pandemie besonders im Fokus. Verbessert hat sich seitdem nichts - ein Kommentar von Christoph Wiedemann. Symbolfoto: pixabay

Lobeshymnen, Fernsehspots, Hunderte „Dankes-Schreiben“ in den Zeitungen, Talkshows oder Plakate. Der Einfallsreichtum „unseren Helden“ zu danken, war enorm. Was davon übrig geblieben ist, ist eine Schande. Ob Sie es glauben oder nicht, Pflegekräfte retten noch immer Leben – nur jetzt ist es den meisten wieder komplett egal.

Die Helden fallen schneller als Corona-Fallzahlen

Ich wünschte, ich hätte mich mit meinem Kommentar zu Beginn der Corona-Krise geirrt, in dem ich Pflegekräfte nicht als „unsere Helden“, sondern als „Idioten der Nation“ deklariert habe. In der Essenz ging es nicht darum, Pflegekräfte zu beleidigen, sondern die Scheinheiligkeit der Applaudierer in den Vordergrund zu stellen: Lieber Handeln statt Klatschen wäre angebracht gewesen.

Leider ist genau das passiert: Die Corona-Fallzahlen sind nicht so schnell gesunken wie die Heorisierung von Krankenschwestern, Altenpflegern, Ärzten oder Sanitätern. Nun schert sich kaum einer um viele Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Helden als Trend und ohne Sinn

Niemand spricht mehr von Helden. Keiner klatscht. Niemand malt Plakate. Kein Promi dankt auf Social Media. Kein Fernsehsender strahlt „Danke-Werbespots“ aus. Niemand spricht mehr über Pflegekräfte.

Und dabei hat sich an der Situation dieser Menschen nichts geändert. Noch immer retten sie täglich Leben – auch von Corona-Patienten. Noch immer sind sie der möglichen Gefahr ausgesetzt, sich zu infizieren – auch mit dem Coronavirus. Noch immer fehlen tausende Pflegekräfte in den verschiedensten Einrichtungen. 

Das Heldentum dieser Berufsgruppe war nur ein kurzer Ruhm – ein ziemlich erbärmlich und maximal heuchlerischer. Welcher Y-Promi konnte sein Grinsen nicht aus der Kamera halten und „Danke“ sagen oder stand klatschend auf einem Balkon?

Aus der Intention wirklich „Danke“ zu sagen wurde ein inhaltsleerer Trend, der in der Heorisierung gipfelte. Inhalt hatte schon damals gefehlt, richtige Debatten wurden nicht geführt. Fernsehsender produzierten lieber Werbespots für „unsere Helden“.

Fehlendes Handeln für Pflegekräfte

Im Nachhinein sind beinahe alle Aktionen nicht mehr als Heuchelei und eigene Inszenierung gewesen. Es war eben ein Trend. Nur wenige haben sich wirklich für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Pflegediensten eingesetzt.

Auch in der Politik fehlt das Handeln. Denn mehr als Gesten kamen auch hier nicht zum Vorschein. Der Bayerische Pflegebonus oder das kostenlose Mittagessen sind eben nicht mehr als Gesten – verbessern wird sich dadurch langfristig auch weiterhin nichts.

Verarscht von Demonstrationen

Wenn Menschenmassen lieber auf die Straße gehen, um gegen einen Mundschutz zu protestieren, den sie selbst beim Einkaufen für ein paar Minuten tragen müssen, müssen sich Mitarbeitende in Pflege- und Krankeneinrichtungen verarscht vorkommen.

Warum wird nicht für die Menschen demonstriert, die täglich mehrere Stunden eine Maske tragen müssen? Wieso sich nicht für andere Menschen einsetzen, die eben nicht streiken können, weil damit das Leben anderer Menschen gefährdet wird? Allein das wäre ein wirkliches Zeichen, eine Anerkennung, ein Anstoß diese Berufe aufzuwerten und für Menschen attraktiver zu gestalten.

Bayreuther Tagblatt - Christoph Wiedemann

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Christoph Wiedemann

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