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Zuletzt aktualisiert am 23. Juni 2025 | 09:19

unter vier Augen

Unter vier Augen mit „Mr. Ochsenkopf“: Andreas Munder über Heimat und Investitionen mit Weitblick

von Katharina Müller-Sanke und Stefanie Schweinstetter

In unserer Reihe „Unter vier Augen“ treffen wir Menschen aus Bayreuth und der Umgebung, die uns oft nur durch ihre öffentliche Rolle bekannt sind. Diesmal erzählt Andreas Munder, der seit 17 Jahren die Tourismus- und Marketing GmbH Ochsenkopf leitet, von seiner unbeschwerten Kindheit und einem Fehler, den er so richtig bereut.

Andreas Munder im Gespräch mit der bt-Redaktion vor dem Fichtelberger Rathaus. @bt-Redaktion
Andreas Munder im Gespräch mit der bt-Redaktion vor dem Fichtelberger Rathaus. @bt-Redaktion

Manche nennen ihn „Mister Ochsenkopf“. Eigentlich ist ihm das ein bisschen zu viel, sagt Andreas Munder. Dabei verdient das, was er für den Ochsenkopf geleistet hat, großen Respekt. Fast 10 Jahre war er  – mit einer kurzen Unterbrechung – Geschäftsführer der Tourismus- und Marketing GmbH Ochsenkopf. Mit seiner Familie lebt er schon immer in Bischofsgrün. Ursprünglich kommt er aus der Hotellerie und war beruflich viel in ganz Deutschland und darüber hinaus unterwegs. 2007 aber zog es ihn beruflich zurück in die Heimat – direkt vor die eigene Haustür.

Herr Munder, wie kamen Sie zu Ihrem Job am Ochsenkopf?

Die Tourismuszahlen waren von 1995 bis 2005 um 300.000 zurückgegangen. Da hat man lange zugesehen, keiner hat etwas dagegen unternommen. Weder die Tourismuszentrale Fichtelgebirge, noch die einzelnen Orte. Man hatte keine Strategie. Und die Qualität unserer Gastgeber hat auch zu wünschen übrig gelassen. Man hat Heimatabende angeboten, zu denen keiner mehr hinging und auch die Werbebroschüren waren Jahrzehnte alt. Jeder hat gewusst, dass etwas gemacht werden muss, aber keiner hat eine Idee gehabt, wie man es angeht. Und dann hat man sich eben dazu entschieden einen Zweckverband Tourismus zu gründen.

Und Sie einzustellen – was waren Ihre ersten Schritte?

Wir haben Druckerzeugnisse überarbeitet, eine Homepage gemacht, versucht ein einheitliches elektronisches Meldesystem für die Gastgeber zu etablieren. Außerdem haben wir eine Gästekarte eingeführt. Dann haben wir die Panoramakameras angeschafft und haben jetzt hochwertige Fotos und Videos. Auch Zertifizierungen gehören dazu. Insgesamt ist der Dienstleistungsgedanke immer mehr in den  Vordergrund gerückt. Das ist uns wichtig.

Wenn Sie zurückschauen: Worauf sind Sie stolz?

Wir haben hier wirklich viel erreicht. Ich sage absichtlich „wir“, weil ich es natürlich anstoßen kann, aber mitentscheiden und auch mittragen müssen es die Kommunen und die Bürgermeister. Wir haben es geschafft den Rückgang der Gästezahlen zu stoppen. Klar, es gab da nochmal zwei Dämpfer: Den Brand der Therme 2012, da haben wir 25.000 Übernachtungen verloren. Das konnten wir nicht kompensieren. Und natürlich auch Corona. Wir haben uns jetzt aber gut gefangen und haben Übernachtungszahlen von 400.000. Im Jahr kommen über 100.000 Gäste zu uns an den Ochsenkopf. Das letzte Mal hatten wir 1995 so viele Gäste.

Sie sind ja hier zuhause. Was bedeutet Heimat für Sie?

Meine Heimat ist das wichtigste für mich. Ich hab mich auch unterwegs immer wohl gefühlt, aber ich hab immer gewusst, dass ich ohne meine Heimat und mein Zuhause gar nicht klarkomme. Meine Familie lebt seit 1653 in Bischofsgrün. Meine Vorfahren waren markgräfliche Wildmeister und das will ich gerne bewahren. Meine Familie ist hier und viele Menschen, mit denen ich auch in den letzten 17 Jahren wieder engere Bande geknüpft habe.

Sie gehen ja bald endgültig in den Ruhestand. Können Sie gut loslassen?

Ich hatte ja schon losgelassen und mir gefiel das auch gut. Nach den 17 Jahren hatte ich mich schon gut im Rentendasein eingelebt. Und ich bin ja auch sonst noch aktiv, zum Beispiel im Fichtelgebirgsverein, im Sportverein und dann haben wir ja auch noch den Förderverein fürs Bischofsgrüner Freibad gegründet. Langweilig ist es mir wirklich nicht geworden. Auch Zuhause ist viel zu tun. Da freu ich mich schon, wenn jetzt bald ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin kommt.

Warum Andreas Munder im September 2024 wieder aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist, lesen Sie hier.

Hatten Sie denn in den vergangenen Jahren Zeit, selber zu reisen? Haben Sie und Ihre Frau geplant das jetzt nachzuholen? 

Wir verreisen zwar nicht so oft, aber wenn wir verreisen, dann richtig und gut. Wer so lange in der Hotellerie gearbeitet hat wie ich, weiß, was er an einem guten Hotel hat. Ich bin kein Camping-Typ. Wir werden sicherlich verreisen.

Was haben Sie denn aus Ihrer Karriere in der Hotellerie mitgenommen?

Ich war ja 20 Jahre bei Steigenberger. Das hat meinen Horizont schon sehr erweitert. Ich war im Bayerischen Wald und dann auch in München im Marketing und Vertrieb. Dann kam Wien. Dann musste ich da immer hinpendeln und es gab noch ein paar weitere Stationen. Ich war oft in den USA und in Steigenberger-Hotels auf der ganzen Welt. Ich hatte viele spannende Aufgaben.

Meine Familie blieb in Bischofsgrün. Wir haben drei Kinder und mittlerweile auch Enkel. Ich muss zugeben, von den Enkeln krieg ich mehr mit als damals von meinen Kindern. Deswegen bin ich sehr froh, wenn ich jetzt mehr da bin.

Was machen Sie, wenn Sie mal schlechte Laune haben?

Dann muss man mich erstmal eine Weile in Ruhe lassen, weil ich darüber nachdenken will, was der Grund ist. Es entspricht nicht meinem Naturell schlechte Laune zu haben. Da bin ich dann auch innerlich aufgewühlt und will den Zustand schnell wieder verlassen.

Der Job, aber auch die Familie mit den Kindern und Enkeln, verschiedene Aktivitäten – das gibt mir wieder Kraft und hilft mir. Man muss immer schauen, dass die positiven Dinge überwiegen.

Was ist denn Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Ich hatte generell eine wunderbare Kindheit. So viel Betreuung wie die Kinder heute haben gab es damals aber nicht. Es gab ja kaum Kindergärten. Ich bin ein halbes Jahr in den Kindergarten gegangen, der wurde damals neu gebaut. Und später in der Schulzeit bin ich von der Schule gekommen, habe Hausaufgaben gemacht und bin dann raus. Das war das ganze Jahr über so. Da hat man uns viel Freiraum gegeben. Im Winter waren wir den ganzen Tag, bis es dunkel wurde, am Skilift und haben da irgendwelche Schanzen gebaut. Es war ein schönes Aufwachsen. Kinder heute würden ein hochrangiges Verbot für sowas bekommen. Was wir alles erlebt haben, das kann ich keinem erzählen. Da gab es ja Heustadel, da haben wir Heuspringen gemacht aus ziemlicher Höhe. Dann gab es so Gassen, da konnte man sich reinschwingen über ein Seil am Baum. Da hat sich auch mal jemand verletzt – mal einen Knochenbruch oder Schnittwunden. Aber das wurde halt verarztet und dann ging es weiter. Unbeschwert.

Haben Sie diese Unbeschwertheit auch in Ihr weiteres Leben mitgenommen?

Ich glaube schon. Wir waren eben früh auf uns gestellt und mussten selbst Entscheidungen treffen. Einige davon waren sicher nicht ideal. Das ging in der Realschule los: Da bin ich einfach mit den besten Kumpels in den technischen Zweig, obwohl der kaufmännische Zweig im Nachhinein besser für mich gewesen wäre. So musste ich mir später alles neu erarbeiten, für die Fachoberschule und für’s Studium. Aber am Ende hat alles immer auch etwas Gutes an sich.

Gibt es auch Entscheidungen, die Sie so richtig bereuen?

Ja – ich hab eine Wohnung verkauft in München, 2007. Die Wohnung wäre jetzt eine viertel Million wert. Ich hab sie für 100.000 Euro verkauft. Das regt mich heute noch auf. Das ist eine Entscheidung, der ich nichts Gutes abgewinnen kann.

Lesen Sie auch: Kulturpolitikerin und Jean-Paul-Kennerin Karla Fohrbeck hat mit uns über ihren kreativen Prozess, ihren Glauben und über das laufende Jean Paul-Jahr gesprochen.

Wie beschreiben andere Menschen Sie?

Die meisten nehmen mich bestimmt als einen ausgeglichenen Menschen wahr. Schlecht drauf trifft man mich eigentlich selten. Da muss schon was besonders Spektakuläres passieren. Und verbindlich bestimmt. Ich bringe Dinge gerne zum Abschluss und schiebe es nicht auf die lange Bank. Wenn ich was anstoße, dann will ich es auch zügig zum Ergebnis führen. Und ich bin sehr offen für neue Ideen.

Im Fichtelgebirge tut sich ja viel. Viele sehen die Investitionen in Freizeit und Tourismus aber auch kritisch. 

Es geht um viel Geld und unsere Kommunen stehen alle nicht rosig da. Verständlich, dass da freiwillige Leistungen auf dem Prüfstand stehen. Ich sehe unsere Investitionen aber auch als Wirtschaftsförderung an. Man sollte das Augenmerk mehr darauf legen, dass die Einrichtungen, die man baut, wirtschaftlich betrieben werden können. Dass ein Lift eine halbe Million Defizit im Jahr hat, da muss man gegensteuern. Wenn die Seilbahn, der Coaster und so weiter positive Zahlen schreiben – was denkbar ist – dann ist das Thema durch und keiner wird sich mehr über Investitionen echauffieren.

Ist das denn realistisch?

Ich denke schon. Die Seilbahnen nehmen auch durch die Parkplätze Geld ein. Der Coaster wird gut angenommen, die Mountaincarts auch. Natürlich gibt es noch Sachen nachzubessern. Zum Beispiel hat jemand auf Social Media kommentiert, dass die Preise für den Bikepark mit 45 Euro zu hoch wären. Also hab ich mir das genau angeschaut und Preise vergleichen. Und ja: Der Mann hat recht. Man darf da nicht überziehen. Ich werde das mit dem Zweckverband mal zur Sprache bringen. (Anmerkung: Aktuell kostet ein Tagesticket für den Bikepark 20,50 Euro).  Und auch bei den Personalkosten sehe ich noch Entwicklungsbedarf. Das stellen auch die Gutachter fest.

Insgesamt glaube ich aber: Ja, das kann mit einem positiven wirtschaftlichen Ergebnis ausgehen.

Spannende Aussichten für die Nachfolgerin oder den Nachfolger des „Mr. Ochsenkopf“. Wir wünschen Andreas Munder alles erdenklich Gute. 

Andreas Munder beim Entweder-Oder-Video für "unter vier Augen"
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