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Frau stirbt bei Unfall in der Fußgängerzone WM-Public Viewing in und um Bayreuth Jean Paul Platz soll aufgehübscht werden

Zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2025 | 13:27

Historisches

Unterm Stein liegt das Geheimnis: Bayreuth feiert ein besonderes Jubiläum

von Stefanie Schweinstetter

Seit Jahrhunderten wachen sie über Bayreuths Grenzen – und tragen ein Geheimnis mit sich, das mit ins Grab geht. Feldgeschworene üben eines der ältesten kommunalen Ehrenämter aus. Nun wurde an eine ganz besondere Grenzsteinsetzung erinnert.

Um den ersten Grenzstein versammelt (v. links): Landrat Florian Wiedemann, Frank Wirthmann vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, Heinersreuths Dritte Bürgermeisterin Karin Vogel-Knopf und Ehrenfeldgeschworener Reiner Hübsch. © Stefanie Schweinstetter
Um den ersten Grenzstein versammelt (v. links): Landrat Florian Wiedemann, Frank Wirthmann vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, Heinersreuths Dritte Bürgermeisterin Karin Vogel-Knopf und Ehrenfeldgeschworener Reiner Hübsch. © Stefanie Schweinstetter

Am Schlüpfersgraben zwischen Bayreuth und Heinersreuth wurde am Donnerstag, 12. Juni, ein besonderes Jubiläum begangen: Vor genau 250 Jahren wurde hier der erste von insgesamt 214 Grenzsteinen gesetzt, die in nur drei Tagen rund um Bayreuth verlegt wurden. Zu diesem Anlass versammelten sich Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, Landrat Florian Wiedemann, Heinersreuths dritte Bürgermeisterin Karin Vogel-Knopf und zahlreiche Feldgeschworene am Originalstandort.

Ein historischer Kraftakt

„Der Grenzstein ist der erste von 214, die innerhalb von drei Tagen in über 50 Arbeitsstunden rund um Bayreuth gesetzt wurden“, erinnerte Oberbürgermeister Ebersberger. „Hätten wir lieber noch einen Tag drangehängt, dann wär Bayreuth etwas größer.“ Auch so war die Grenzsteinlegung ein Kraftakt: Am 14. Juni 1775 zogen frühmorgens um 5 Uhr insgesamt 61 Männer vom Bayreuther Rathaus los. Ihr Ziel: die Markierung der Stadtgrenzen.

Die Aktion dauerte drei Tage. Am ersten Tag kamen die Männer gegen 20 Uhr bis nach Meyernberg. Der zweite Tag begann noch früher, gegen 4:30 Uhr, und führte sie zum 170. Grenzpunkt. Am dritten Tag – Startzeit: 1:30 Uhr – war man schließlich um 21 Uhr wieder am Startpunkt angelangt. „Man hätte der ganzen Gruppe bei ihrer Ankunft Brot und Bier reichen können, wenn man vorher nachgedacht hätte“, zitierte Ebersberger aus dem Protokoll der Grenzsteinlegung.

Von der Geschichte in die Gegenwart

In den Aufzeichnungen zur historischen Grenzsteinlegung findet sich auch ein prominenter Name: Webermeister Christoph Adam Kolb, einer der damaligen Teilnehmer, wurde später Bürgermeister. Sein Enkel gründete die erste Spinnerei Oberfrankens, eine seiner Urenkelinnen heiratete Friedrich Feustel, eine weitere Wilhelm Ebersberger. „Damit sind die Gene des Grundsteinlegers auch noch 250 Jahre später hier vertreten“, so der heutige Oberbürgermeister. „Auch deswegen gibt es jetzt, mit etwas Verzögerung von sieben Generationen, endlich das Brot und Bier!“

Der erste Grenzstein zwischen Bayreuth und Heinersreuth. © Stefanie Schweinstetter
Der erste Grenzstein zwischen Bayreuth und Heinersreuth. © Stefanie Schweinstetter

Hüter der Grenzen: Ein uraltes Ehrenamt

Im Mittelpunkt der kleinen Feierstunde standen auch die Feldgeschworenen. Das Feldgeschworenenamt gilt als ältestes kommunales Ehrenamt. „Wir sind die Hüter der Grenzen“, sagte Heinersreuther Feldgeschworenen-Obmann Udo Knaus. Sie werden auf Lebenszeit berufen, schwören einen Eid und bewahren ein wichtiges Geheimnis: Unter jedem Grenzstein befindet sich das sogenannte „Siebenergeheimnis“ – ein geheimes Kennzeichen wie ein bestimmter Ton- oder Ziegelstein, das nur die Feldgeschworenen kennen. „Das Geheimnis geht mit uns ins Grab“, so Knaus.

Warum ist das eigentlich so? „Früher haben Leute die Grenzsteine über Nacht versetzt. Durch das Zeichen unter dem Stein kann man beweisen, dass der Stein versetzt worden ist.“ Hätte jeder gewusst, was das Zeichen ist, hätte er es übernehmen können und der Betrug wäre nicht mehr nachweisbar gewesen.

„Eine Goldmünze war’s nicht“

Der Stein war bisher rein grafisch in der Karte hinterlegt. Die Feldgeschworenen haben ihn nun ausgegraben, untersucht und schließlich in gerader Lage aufgemessen. Nun ist er zentimetergenau in den amtlichen Daten gesichert. „Beim Ausgraben haben wir das alte Zeichen gefunden und ein neues Zeichen dazugelegt,“ so Udo Knaus. Was das war, sagt er selbstverständlich nicht. Nur so viel verraten die Feldgeschworenen: „Eine Goldmünze war’s nicht.“

Noch heute sind bei Vermessungen immer zwei Feldgeschworene dabei, um die Rechtmäßigkeit der Grenzverläufe zu garantieren. Sie kontrollieren, ob Grenzsteine unversehrt und korrekt platziert sind – eine Aufgabe, die früher auch bei Streitigkeiten zwischen Grundstücksbesitzern entscheidend war.

Lesen Sie auch: In der Wilhelminenaue erzählt eine Infotafel, wie das Brennholz über’s Wasser in die Stadt kam.

Stadt und Landkreis, damals getrennt – heute vereint

Landrat Florian Wiedemann nutzte den historischen Anlass für einen Blick in die Gegenwart: „Auch wenn wir heute an die Grenzsteinsetzung erinnern, steht zwischen Oberbürgermeister und mir kein Grenzstein.“ Stadt und Landkreis hätten am Vortag einen „Letter of Intent“ unterschrieben, der die Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis beim RIZ regelt. Dritte Bürgermeisterin Karin Vogel-Knopf schloss sich dem Gedanken an. Als Beispiel für die Verbundenheit von Heinersreuth und Bayreuth nannte sie die gemeinsame Sanierung eines Wirtschaftsweges zwischen Bayreuth und Heinersreuth durch die kommunalen Bauhöfe.

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