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Wirtschaft

Verzweifelter Bayreuther Friseur startet wegen Corona makabere Aktion – erhängte Köpfe im Schaufenster

Makaber aber notwendig: Ein Bayreuther Friseurmeister macht auf den Notstand in seiner Branche aufmerksam und hat Köpfe ins Schaufenster gehängt. 

Unter der Corona-Krise und den damit einhergehenden strengen Einschränkungen haben viele Geschäfte im Einzelhandel, der Gastronomie sowie die gesamte Kunst- und Kulturszene zu leiden. Auch Friseure haben seit Wochen geschlossen. Vor Kurzem hat das bt mit dem Betreiber eines Fitnessstudios über die prekäre Lage gesprochen.

Bayreuther Friseur hängt Köpfe ins Schaufenster

Deswegen hat bereits im Januar eine bayerische Friseurmeisterin zu einer bayernweiten Aktion aufgerufen. Bei dieser sollten Friseursalons das Licht brennen lassen. Der Bayreuther Friseurmeister Andreas Nuissl geht noch einen Schritt weiter und will drastischer auf den Notstand seiner Branche aufmerksam machen.

Nuissl hat zwei Geschäfte: das „Cutting Crew Hair Design“ in der Badstraße und das „Hair-Force One“ in der Richard-Wagner-Straße. In beiden Läden hat er Modell-Köpfe aufgehängt und die Schaufenster mit den Schriftzügen „Lasst uns nicht hängen“, „Wir hängen in der Luft“ und „Wir machen aufmerksam“ beklebt.

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Mittlerweile 50 Tage Arbeitsverbot

„Wir haben mittlerweile den 50. Tag geschlossen“, sagt der Geschäftsinhaber. Immer noch rufen seine Kunden an und bombardieren ihn mit Anfragen, wann denn endlich wieder ein Termin möglich sei. Doch Friseure haben momentan ein Arbeitsverbot. „Es ist eigentlich schon ein Berufsverbot, weil wir unseren Beruf momentan nicht ausüben dürfen“, sagt der Friseurmeister.

Und das, obwohl die Kontaktverfolgung in Friseursalons problemlos möglich sei. Nuissl könne sich gut vorstellen, dass mancher derzeit quasi in die Schwarzarbeit getrieben werde. Die Betonung liegt hier aber eindeutig auf dem Wort „quasi“. Denn Nuissl lasse sich keinesfalls zu Schwarzarbeit hinreißen. Ganz im Gegenteil: Mit seinem Aufruf will er erreichen, dass Friseure endlich wieder arbeiten dürfen.

Tattoostudios haben bereits deutlich länger zu. Deswegen hat ein Bayreuther Tätowierer sich nackt ausgezogen, um auf die Not aufmerksam zu machen.

Verhindern von Haarunfällen mit Drogeriefarbe

Wenn Kunden es allerdings gar nicht mehr mit ihrem wachsenden Ansatz aushalten, fährt er in seinen Laden und mischt die entsprechende Farbe speziell für den jeweiligen Kunden zusammen.

„Bevor derjenige dann auf Farbe aus der Drogerie zurückgreift und wir dann ein Haardesaster reparieren müssen, wenn der Lockdown vorbei ist“, erklärt er. Die fertig gemischte Farbe kann sich der Kunde dann im Laden abholen. „Aber das klassische Click & Collect rentiert sich für uns einfach nicht.“

Ein Bayreuther Baumarkt bietet Click & Collect an. Doch trotzdem sei dies „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“.

Noch keine Corona-Hilfen vom Staat

Andreas Nuissl findet es unerklärlich, warum die Überbrückungshilfen vom Staat immer noch nicht da sind. „Die Hilfen wurden großspurig versprochen und sind bis jetzt noch nicht da.“ Die Dezemberhilfe könne er jedoch nicht beantragen, da der Umsatz zu gut war. Denn als bekannt wurde, dass ab dem 16. Dezember ein harter Lockdown gilt, hat er sich ans Telefon gehangen und versucht seine Kunden zu erreichen.

„Wir haben Termine vorgezogen und verschoben. Wir haben sogar am Sonntag vor dem Lockdown bis abends um halb zehn gearbeitet“, erzählt Nuissl. Der Umsatz war dadurch so gut, dass der über einem gewissen Prozentsatz war, sodass er keine Unterstützung mehr beantragen konnte. Für den Januar gibt es eigentlich die Überbrückungshilfen III.

Allerdings können diese noch gar nicht beantragt werden und das, obwohl der Januar mittlerweile vorbei ist. „Die Überbrückungshilfen können nur vom Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater beantragt werden“, erklärt Nuissl. Aber auch die können noch nicht tätig werden, weil es noch keine entsprechenden Formblätter gibt. Der Friseurmeister hofft nun, dass bei seiner Aktion noch viele andere Friseure mitmachen und so die Regierung auf den Notstand der Branche aufmerksam wird.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler