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Zuletzt aktualisiert am 28. Juni 2024 | 08:22

Stadtrat

Vorschlag nach Kritik angepasst: Planung zum NS-Dokuzentrum geht weiter

von Stefanie Schweinstetter

Nachdem der Kulturausschuss das Planungsverfahren zum NS-Dokuzentrum gebremst hatte, geht die Planung nun mit einer großen Änderung weiter.

Wahnfriedstraße 1: das Chamberlain-Haus, Sitz des Jean-Paul-Museums und des Kulturamts Bayreuth. Archivfoto: bt-Redaktion
Wahnfriedstraße 1: das Chamberlain-Haus, Sitz des Jean-Paul-Museums und des Kulturamts Bayreuth. Archivfoto: bt-Redaktion

In der Stadtratssitzung am 26. Juni haben die Fraktionen der Fortsetzung der Planung für das NS-Dokumentationszentrum zugestimmt.

Der Kulturausschuss hatte sich Ende April gegen einen Vorschlag ausgesprochen, der sich auf Sanierungspläne für Gebäude mit NS-Geschichte konzentrierte. Dabei ging es vor allem um das ehemalige Chamberlain-Haus, sowie das frühere Schemm-Haus. Im April reagierte der Kulturausschuss mit einem 8:8 Stimmen-Patt auf den von Kulturreferent Benedikt Stegmayer vorgetragenen Vorschlag.

Abgeänderter Vorschlag nach Kritik im Kulturausschuss

Inhaltlich sei man sich auch damals einig gewesen, sagte Stegmayer nun in der Stadtratssitzung am 26. Juni. Nach dem Kulturausschuss habe er sich die Argumente angeschaut, die bei der Hälfte der Mitglieder zur Ablehnung des Vorschlags geführt hätten. “Überzeugend war für mich die Kritik, dass zunächst eine inhaltliche Konzeption geschaffen werden muss, bevor über Infrastruktur gesprochen werden kann”, sagte Stegmayer. Er halte die Verbindung zwischen Inhalten und Orten in Bayreuth, die mit der NS-Zeit in Verbindung stehen, aber nach wie vor für schlüssig.

Der neue Vorschlag konzentriert sich nun auf die Herangehensweise an eine inhaltliche Konzeption des Dokumentationszentrums und stellt die Frage nach den Räumlichkeiten hinten an. Im Kulturamt solle eine Stelle für eine Person mit entsprechender Expertise geschaffen werden, sagte Stegmayer. Außerdem sei ein Kuratorium geplant, das aus Expertinnen und Experten bestehen und die Konzeption des NS-Dokumentationszentrums kritisch begleiten soll. Professor Dr. Jörg Skriebeleit, der die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg leitet, habe sich schon bereit erklärt, im Kuratorium mitzuwirken. Dem Kuratorium solle außerdem eine Person angehören, die didaktische Erfahrung habe, also in der Lage sei, die Vermittlung an eine breite Zielgruppe zu konzipieren. Der angepasste Beschlussvorschlag trifft nun keine Aussagen mehr zur Infrastruktur des NS-Dokuzentrums. Zunächst soll es um die inhaltliche Konzeption gehen, dann wolle man über bauliche Entscheidungen sprechen.

Lern-Ort NS-Dokuzentrum: Betonung auf das Lernen, nicht den Ort

Das NS-Dokuzentrum soll ein Lern-Ort werden, darin waren sich die Fraktionen im Stadtrat einig. Man müsse zunächst ein geeignetes Konzept schaffen, um die Inhalte an die Menschen heranzutragen. Dann könne man über Örtlichkeiten nachdenken. Sonst bestehe die Gefahr, dass man ein Museum plane, für das das Interesse gering bleibe, hieß es aus der Fraktion der Grünen.

Laut dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Specht habe das bisher vorgelegte Konzept mit seiner Verortung im Chamberlain-Wohnhaus einen Bogen zwischen dessen Rassentheorie und deren schrecklicher Umsetzung geschlagen. Die Fraktion befürworte aber auch den neuen Vorschlag. Für die CSU sei außerdem wichtig, dass das Thema Widerstand in Bayreuth in der Dokumentation berücksichtigt werde.

Thomas Bauske, Fraktionsvorsitzender der SPD dankte Kulturreferent Stegmayer für seine geänderte Sichtweise. Es müsse weiter geklärt werden, was unter “NS-Dokumentationszentrum” zu verstehen sei. Solle der Schwerpunkt auf Forschung oder Museum liegen? Die SPD-Fraktion freue sich über die Abkehr vom Sanierungsprogramm städtischer Gebäude und eine Hinwendung zu inhaltlichen Fragen. Die Auseinandersetzung mit Bayreuths NS-Vergangenheit sei auch ohne Museum möglich. Als Beispiel dafür nannte er die Ringvorlesung “Wie erinnern? Nationalsozialismus und Rassismus im Lokalen.” der Uni Bayreuth.

Sabine Steininger, die Fraktionsvorsitzende des Bündnis 90/die Grünen sagte zum Vorschlag aus dem April: “Wir waren der Meinung: der zweite Schritt wurde vor dem ersten getan. Man hat sich zuerst um das Gebäude, und dann um den Inhalt gekümmert.” Sie lobte Benedikt Stegmayer für seine Offenheit und den produktiven Umgang mit der Kritik aus dem Kulturausschuss. Ob das ehemalige Chamberlain-Haus als Ort für das NS-Dokumentationszentrum angemessen sei, bezweifelte sie. Rechtsextremismus und Antisemitismus könne man nur mit zügigem Handeln begegnen. Bevor in eine Räumlichkeit investiert werden könne, müsse also geklärt werden, wie die Inhalte an die Menschen herangetragen werden könnten.

Luisa Funke-Barjak (FDP) und Stephan Müller (BG) schlossen sich ihren Vorrednerinnen und Vorrednern an. Müller merkte außerdem an, dass man sich die Diskussion im Kulturausschuss hätte ersparen können, wenn dort sofort der aktuelle Vorschlag eingebracht worden wäre.

Karsten Schieseck (BG) fand es ärgerlich, dass durch die Diskussion im Kulturausschuss der Eindruck entstanden sei, die Stadt Bayreuth wolle sich ihrer Vergangenheit nicht stellen. Dass der Stadtrat sich der symbolischen Wirkung seiner Abstimmung bewusst war, zeigte auch der Redebeitrag von Christoph Rabenstein (SPD): “Wir setzen heute ein Zeichen, dass wir auch an unangenehme Passagen in unserer Stadtgeschichte offensiv herangehen.” DU-Stadtrat Wolfgang Gruber merkte an, dass die Entscheidung zur Aufarbeitung von Bayreuths NS-Vergangenheit seit Jahrzehnten überfällig sei. Bayreuth habe das Thema noch bis in die 80er Jahre umgangen. Außerdem sei der Bezug zur Wagner-Familie ein Teilaspekt, der berücksichtigt werden müsse.

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