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Zuletzt aktualisiert am 18. Mai 2026 | 17:13

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Nach Restaurierung wieder in Wahnfried: Wagners Flügel klingt wieder wie damals

von Stefanie Schweinstetter

Franz Liszt, Richard Wagner und Cosima Wagner sind längst nicht mehr da. Ihr Flügel im Haus Wahnfried aber ist geblieben – und klingt nach aufwendiger Restaurierung wieder wie zu ihren Lebzeiten.

Wer Richard Wagners restaurierten Flügel heute hört, erlebt eine Zeitreise. Es ist derselbe Steinway, auf dem einst Franz Liszt spielte und der zu den ersten Bayreuther Festspielen ins Haus Wahnfried kam.

Pünktlich zum 150-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele und zum 50. Geburtstag des Richard Wagner Museums kehrt das historische Instrument nach monatelanger Restaurierung zurück ins Haus Wahnfried.

Ein Geschenk an Richard Wagner

Sven Friedrich, Museumsdirektor im Richard Wagner Museum, zeichnet die Geschichte des Flügels nach: Das Instrument stammt aus dem Jahr 1876 und war einst ein Geschenk der Firma Steinway aus New York an Richard Wagner im Jahr der ersten Bayreuther Festspiele. Geliefert wurde das Instrument damals per Dampfschiff, das kurioserweise den Namen „Wieland“ trug.

Von Weihrauch und Mumien

Richard Wagner selbst saß wohl nur selten am Flügel. Deutlich häufiger spielte sein Schwiegervater Franz Liszt darauf. Nicht immer zur Freude Wagners, wie Sven Friedrich erzählt:

„Immer wenn Liszt auf dem Flügel spielte, soll Richard Wagner etwas knurrig zu seiner Frau Cosima gesagt haben, sie möchte bitte ihrem Vater ausrichten, er solle aufhören, seinen katholischen Weihrauch auf seinem Flügel zu spielen.“

Nach Wagners Tod fielen Flügel und Saal in einen tiefen Schlaf. „Dieser Raum wurde fast mumifiziert, der Flügel wurde verschlossen, nichts durfte angefasst werden“, erzählt Friedrich. Erst 1917 soll Cosima Wagner zur Geburt ihres Enkels Wieland wieder auf dem Instrument gespielt haben.

Vom historischen Flügel zum „Hybridinstrument“

Das Kriegsende überstand das Instrument weitgehend unbeschadet. Denn es stand nicht wie heute im Saal, der von einer Bombe zerstört wurde, sondern in der Halle davor. Auch danach war der Flügel stets in gutem Zustand, denn die Bayreuther Klaviermanufaktur Steingraeber kümmerte sich über Jahrzehnte um das Instrument. Doch Sonne und Trockenheit setzten dem Instrument zu. Besonders der Resonanzboden war beschädigt, so Sven Friedrich.

Zudem haben Restaurierungen aus den 1970er und 1980er Jahren ihre Spuren hinterlassen. Damals wurden zahlreiche Originalteile durch moderne Steinway-Komponenten ersetzt. Das Ergebnis: Der historische Flügel verlor einen Teil seines ursprünglichen Klangcharakters und wurde zu einer Art „Hybridinstrument“.

Seit 1999 kam das Instrument regelmäßig bei Konzerten im Museum zum Einsatz. Nach 27 Jahren war es nun Zeit für eine erneute Restaurierung. Mit dem Ziel, den ursprünglichen Klang des Flügels möglichst authentisch zurückzubringen, ohne aus ihm ein reines Museumsstück zu machen.

„Operation am offenen Herzen“

Die neueste Restaurierung übernahm das belgische Atelier Chris Maene, das auf historische Instrumente spezialisiert ist. Dort gibt es ein Zwillingsinstrument, das als Vorbild für die Restaurierung diente. Die modernen Hammerköpfe aus den 80er Jahren wurden durch historische Exemplare ersetzt, hunderte Bleigewichte aus den Tasten entfernt und durch Fichtenholzdübel ersetzt.

Besonders aufwendig war die Arbeit am Resonanzboden. Dieser wurde vollständig ausgebaut, unter Dampf neu gebogen und restauriert. Eine „Operation am offenen Herzen“, wie Sven Friedrich sagte.

Ein weicherer, historischer Klang

Das Ergebnis kann sich hören lassen. Pianist Michael Wessel spielte Liszt und Wagner.

Sein Fazit:

„Dieser historische Flügel klingt weicher, ein bisschen silbriger als ein moderner Flügel. Die dünneren Saiten lassen sich nicht absolut stimmen. Das finde ich sehr schön, weil dadurch der Klang eine gewisse Patina bekommt.“

Auch Sven Friedrich ist zufrieden: „Genehmigt! Ein voller Erfolg. Er klingt glockiger als vorher, schwebender.“

Lesen Sie auch: Am 23. Mai 2026 findet das RiWa Straßenfest statt. Dort soll Richard Wagners Lebensweg nachgezeichnet werden.

Anonyme Spende macht Restaurierung möglich

Rund 41.000 Euro kostete die Restaurierung des Wagner-Flügels. Finanziert wurde das Projekt durch eine anonyme Spende.

Im Jubiläumssommer 2026 soll der Flügel nun wieder regelmäßig im Haus Wahnfried zu hören sein.

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