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Bayreuth

Walküre-Areal: Stadtrat beschäftigt sich mit dem Abriss zweier Gebäude

Auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Walküre sollen Wohnungen entstehen. Das Landesamt für Denkmalpflege befindet fünf Bauwerke auf dem Gelände für denkmalwürdig, zwei davon möchte die Vorhabensträgerin abreißen. Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Steininger kritisiert die Vorgehensweise der Stadtverwaltung und warnt vor einem Verlust historischer Identität.

Auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Walküre sollen Wohnungen entstehen. Im März dieses Jahres hat der Stadtrat den Weg dafür freigemacht. Sabine Steininger verfolgt das Bebauungsplanverfahren „mit wachsamem Auge“. Im November hat die Fraktionsvorsitzende der Grünen eine Anfrage zum aktuellen Stand des Verfahrens gestellt. Rechtsreferentin Ruth Fichtner gab in der letzten Sitzung des Stadtrates Auskunft.

Wohnbauprojekt am Fuß des Grünen Hügels

Am Anfang des Projekts stand ein Antrag von CSU, SPD, BG, FDP/DU/FL und JB, ein Bebauungsplanverfahren auf dem Walküre-Gelände einzuleiten. Ziel ist es, dort etwa 180 Wohnungen und möglicherweise auch ein Hotel zu bauen. Ein Entwurf des Architekturbüros Hauck sollte die Basis für das Projekt bilden. Stadtentwicklungsausschuss und Stadtrat haben dem Verfahren im März zugestimmt. Dann wurde es still um das Verfahren. Zumindest öffentlich.

Fünf Gebäude denkmalwürdig

Das Landesamt für Denkmalpflege hat inzwischen fünf Bauwerke auf dem Walküre-Gelände für denkmalwürdig befunden. Im September hat Baureferentin Urte Kelm den Haupt- und Finanzausschuss darüber informiert – allerdings im nichtöffentlichen Teil der Sitzung. „Das hat mich irritiert, weil diese Informationen eigentlich öffentlich sind“, sagt Sabine Steininger. Der Eintrag im BayernAtlas ist frei für alle zugänglich.

Stellungnahme der Stadt lässt auf sich warten

„Benehmen nicht hergestellt“, steht dort. Die Stadt Bayreuth hat also bislang keine Stellungnahme zur Einschätzung des Landesamts abgegeben. Die Aufforderung dazu erfolgte bereits am 26. August. Ursprünglich lief die Frist am 1. Dezember ab, die Stadt hat jedoch um Verlängerung bis zum 31. März 2026 gebeten – also bis nach den Kommunalwahlen. „Dass die Fristverlängerung im Ausschuss im September verschwiegen wurde, lässt aufhorchen“, sagt Sabine Steininger.

Vorhabenträger will zwei Gebäude abreißen

Aus den Antworten der Stadt geht hervor, dass die Vorhabensträgerin, ein bislang öffentlich nicht namentlich genanntes Bauunternehmen, zwei vom Landesamt als denkmalwürdig eingestufte Gebäude abreißen will: das Malereigebäude und das hoch aufragende Ofenhaus. Der Stadtentwicklungsausschuss soll sich am 9. Dezember damit beschäftigen, der Stadtrat am 17. Dezember.

Erhalten bleiben sollen dagegen einige Bauelemente, die ein Tor zum Areal bilden: Laut Stadtverwaltung ist die Vorhabensträgerin bereit, das Verwaltungsgebäude an der Gravenreuther Straße, die Einfriedung und die Sandsteinpfosten mit Lattenzaun als Tor zu erhalten. Und: die Fabrikantenvilla an der Gravenreutherstraße ist nicht Teil des beplanten Gebiets. Auch sie bleibt also erhalten.

Sabine Steininger: So wird Bayreuth verwechselbar

Sabine Steininger äußert deutliche Bedenken: „Ich befürchte, dass die Mehrheit im Ausschuss und Stadtrat dem Abbruch des Malereigebäudes und des Ofenhauses zustimmen wird, um dem Investor entgegenzukommen.“

Mit dieser Art von Stadtentwicklung werde Bayreuth immer verwechselbarer. „Besonders das Rundofenhaus ist für mich stadtteilprägend“, sagt Steininger. „Für mich ist das ein Teil Bayreuther Industriegeschichte. Wenn ein Investor überall seine weißen Quader hinstellt, verliert Bayreuth seine Identität.“ Ein weiterer Kritikpunkt: Es hat keinen städtebaulichen Wettbewerb für die Beplanung des Gebietes gegeben. Das sei ursprünglich vorgesehen gewesen, dann aber verworfen worden.

Auch das Verhalten der anderen Fraktionen sieht Steininger kritisch: Sie hätten ohne Rücksicht auf den Denkmalschutz die Umsetzung des Architekten-Planes beantragt. „Die Mehrheit des Stadtrats lässt sich gerne ködern mit 20 Prozent gefördertem Wohnraum – der fällt aber nach 20 Jahren aus der Förderung. Wohnungen in prominenter Lage am Fuß des Grünen Hügels können gut verkauft werden. Das führt dazu, dass private Unternehmer die Fördermittel abgreifen und unsere Bauvereine dann leer ausgehen.“

Wie es weitergeht

Zum weiteren Vorgehen sagt die Stadt: Das Bebauungsplanverfahren kann erst fortgesetzt werden, wenn die Beseitigungsanzeige in den Gremien behandelt ist, wenn alle erforderlichen Gutachten zu Lärmschutz, Artenschutz und Boden da sind und die geänderte Planung mit der Stadt abgestimmt ist. Auf die Gutachten wartete die Stadtverwaltung Ende November noch, auch einen Antrag auf Baugenehmigung soll es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben haben.