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Warnstreik bei Bayernland Bayreuth: Beschäftigte legen Arbeit nieder
Zum wiederholten Mal steht die Käserei in der Bindlacher Straße still. Was diesmal auf dem Spiel steht, bevor sich die Tarifparteien am Dienstag in München wiedersehen.
Die Beschäftigten der Bayernland-Käserei in Bayreuth sind sauer – saurer als schlechte Milch, wie es in der Streikaufforderung der Gewerkschaft heißt. Montagmorgen ab 4:30 Uhr stand die Frühschicht am Standort in der Bindlacher Straße still: Rund acht Stunden lang haben die Beschäftigten die Arbeit niedergelegt, einen Tag bevor sich Gewerkschaft und Arbeitgeber in München zur dritten Tarifverhandlung treffen.
Der Warnstreik ist die bislang deutlichste Eskalationsstufe in einer Tarifrunde, die seit Anfang Juni festgefahren ist. Auch nach der zweiten Verhandlungsrunde am 29. Juni gab es keine Annäherung zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und den Arbeitgebern der bayerischen Milchwirtschaft.
Was die Beschäftigten fordern
Im Zentrum der Tarifrunde steht eine Entgelterhöhung um 4,1 Prozent. Dazu kommt eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 80 Euro sowie eine neue Komponente: eine Sonderzahlung im Wert von fünf Arbeitstagen pro Jahr. Diese Sonderzahlung soll wahlweise ausgezahlt oder flexibel in Freizeit umgewandelt werden können – ein Wahlrecht, das laut Gewerkschaft direkt auf eine eigene Beschäftigtenbefragung zurückgeht, die vor der Tarifrunde einen klaren Wunsch nach Entlastung gezeigt hatte.
Das Angebot der Arbeitgeberseite
Die Arbeitgeber boten in der Verhandlung den Gegenwert von zwei Arbeitstagen an – allerdings nur unter einer Bedingung: Im Gegenzug soll künftig eine Auszahlung von Mehrarbeit nach freiem Ermessen des Arbeitgebers möglich werden. Aus Sicht der Gewerkschaft dreht das die eigentliche Forderung ins Gegenteil um, statt mehr Selbstbestimmung für die Beschäftigten drohe so mehr Fremdbestimmung.
„Die Beschäftigten in der Milchwirtschaft sind maximal flexibel, die Stundenkonten hoch. Eine Befragung unter tausenden Kolleginnen und Kollegen in der Milchwirtschaft in ganz Bayern hat gezeigt, dass dringender Handlungsbedarf hinsichtlich einer Entlastung besteht. Was die Arbeitgeber bisher auf den Tisch gelegt haben, ist ein absolutes No-Go, selbst die angebotene Entgelterhöhung eine Mogelpackung. 1,9 Prozent auf 12 Monate bedeutet bei der derzeitigen Inflation einen erheblichen Reallohnverlust und ist für unsere Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben schlicht nicht darstellbar.“
— Marcel Adelhardt, Geschäftsführer der NGG Oberfranken
Besonders deutlich wird Adelhardt bei der Forderung nach mehr Geld für Auszubildende, die in den bisherigen beiden Verhandlungsrunden bislang gar nicht aufgegriffen wurde: „Die jungen Menschen sind die Zukunft der Unternehmen, auch bei Bayernland. Eine berechtigte und keineswegs überzogene Forderung einfach konsequent zu ignorieren, zeigt wenig Wertschätzung gegenüber den Auszubildenden.“
Auch der Bayreuther Betriebsrat lässt keinen Zweifel an der Stimmung in der Belegschaft aufkommen:
„Wir erwarten von den Arbeitgebern endlich ein verhandelbares Angebot. Ein Angebot, das die Beschäftigten entlastet – nicht nur finanziell. Wenn sie uns am Verhandlungstisch nicht ernst nehmen, sind wir durchaus bereit, erneut auf die Straße zu gehen.“
— Miroslaw Schramek, Betriebsratsvorsitzender bei Bayernland in Bayreuth
Warum der Dienstag in München zur Weichenstellung wird
Die dritte Verhandlungsrunde findet an diesem Dienstag, den 14. Juli, in München statt – für die Gewerkschaft ein möglicher Wendepunkt. Bleibt eine Einigung erneut aus, rechnet die NGG mit einer Verschärfung des Tarifkonflikts in der zweiten Julihälfte, wie innpuls.me berichtet. Betroffen wären dann potenziell weitere Standorte in ganz Bayern, denn der Warnstreik in Bayreuth ist nur einer von mehreren: Auch in Kempten, Altusried und Dietmannsried hatten Beschäftigte der Milchwirtschaft zuletzt die Arbeit niedergelegt, wie die AllgäuHIT meldete.
Die Arbeitgeberseite, vertreten durch den Arbeitgeberverband der Bayrischen Ernährungswirtschaft (abe), argumentiert dagegen mit schrumpfenden Margen: Ein Überangebot an Milch drücke die Erlöse der Betriebe branchenweit, teils um bis zu 20 Cent pro Kilogramm im Vergleich zum Vorjahr, wie aus einer Stellungnahme des Verbands hervorgeht. Zudem verweisen die Arbeitgeber auf vergangene Tarifabschlüsse, mit denen Reallohnverluste bereits überkompensiert worden seien.
Kein Einzelfall: Bei Bayernland wird nicht zum ersten Mal gestreikt
Für die Bayreuther Käserei ist ein Warnstreik im Rahmen einer Tarifrunde kein neues Bild. Bereits während der Tarifrunde 2024 hatten die rund 300 Beschäftigten am Standort für einen fixen Lohnzuschlag und einen eigenen Tarifvertrag für Azubis gestreikt, wie das Bayreuther Tagblatt berichtete. Damals blieb es nicht beim Warnstreik: Erst eine Schlichtung unter Vorsitz des Präsidenten des Landesarbeitsgerichts München brachte nach mehr als 830 Streikstunden bayernweit eine Einigung. Ob es in diesem Jahr erneut so weit kommt, entscheidet sich frühestens am Dienstag in München.
Häufige Fragen
Wann und wo fand der Warnstreik bei Bayernland in Bayreuth statt?
Der Warnstreik begann am Montag, 13. Juli 2026, um 4:30 Uhr und dauerte rund acht Stunden. Betroffen war der Standort in der Bindlacher Straße in Bayreuth.
Was fordert die Gewerkschaft NGG in der aktuellen Tarifrunde?
Die NGG fordert 4,1 Prozent mehr Entgelt, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 80 Euro sowie eine wählbare Sonderzahlung im Wert von fünf Arbeitstagen pro Jahr.
Was bietet die Arbeitgeberseite bisher an?
Die Arbeitgeber bieten den Gegenwert von zwei Arbeitstagen, verknüpfen dies aber mit der Bedingung, Mehrarbeit künftig nach eigenem Ermessen auszahlen zu können.
Wann ist die nächste Verhandlungsrunde?
Die dritte Tarifverhandlung findet am Dienstag, 14. Juli 2026, in München statt.
Was passiert, wenn es am Dienstag keine Einigung gibt?
Die Gewerkschaft rechnet in diesem Fall mit einer Verschärfung des Tarifkonflikts und weiteren Warnstreiks an mehreren Standorten in Bayern in der zweiten Julihälfte.
Ursprünglicher Artikel vom 12. Juli 2026:
Warnstreik legt Betrieb in Bayreuth lahm
Der Warnstreik bei Bayernland Bayreuth startet am Montag, den 13. Juli 2026, ab 4:30 Uhr. Betroffen ist der Standort in der Bindlacher Straße 12. Damit reagieren die Beschäftigten auf eine festgefahrene Tarifrunde in der bayerischen Milchwirtschaft.
Laut NGG Oberfranken brachte auch die zweite Verhandlungsrunde am 29. Juni keine Einigung. Die Gewerkschaft beschreibt die Stimmung unter den Beschäftigten:
Sie seien „saurer als schlechte Milch“.
Mit der Arbeitsniederlegung wollen sie unmittelbar vor der dritten Verhandlungsrunde Druck aufbauen.
Diese Forderungen stellt die Gewerkschaft NGG
Im Zentrum der Tarifrunde steht eine Entgelterhöhung um 4,1 Prozent. Zusätzlich fordert die NGG eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 80 Euro. Hinzu kommt eine neue Komponente: eine Sonderzahlung im Wert von fünf Arbeitstagen pro Jahr.
Diese Sonderzahlung soll wahlweise ausgezahlt oder flexibel in Freizeit umgewandelt werden können. Damit reagiert die Gewerkschaft auf ein Ergebnis ihrer eigenen Beschäftigtenbefragung. Diese hatte im Vorfeld der Tarifrunde einen klaren Wunsch nach Entlastung unter den Kolleginnen und Kollegen gezeigt.
Arbeitgeberseite bietet weniger Entlastung als gefordert
Die Arbeitgeberseite legte in der Verhandlung ein Gegenangebot vor. Es umfasst den Gegenwert von zwei Arbeitstagen, allerdings an eine Bedingung geknüpft. Demnach soll künftig eine Auszahlung von Mehrarbeit möglich sein, und zwar nach dem Wunsch des Arbeitgebers.
Aus Sicht der NGG kehrt dieses Angebot die eigentliche Forderung um. Statt mehr Selbstbestimmtheit für die Beschäftigten drohe so mehr Fremdbestimmtheit. Auch bei der Höhe des Entgelts und bei der Laufzeit eines neuen Tarifvertrags liegen beide Seiten noch weit auseinander. Deshalb kommt es nun zur Arbeitsniederlegung bei Bayernland.












Symbolbild erstellt mit KI.
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