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„Wir haben Geschichte von A nach B gebracht“ – das neue Stadtarchiv ist eröffnet
Ein neues Haus für 600 Jahre Stadtgeschichte: Das Stadtarchiv ist in die Seestraße 1 umgezogen. Mit besten Bedingungen für das Archivmaterial, modernem Lesesaal und dem Anspruch, die Vergangenheit für die Zukunft zu sichern.
Im neuen Stadtarchiv in der Seestraße 1 lagert künftig Stadtgeschichte – und damit auch das, was Verwaltung und Politik über Jahrzehnte hinweg dokumentiert haben.
„Wenn wir Demokratie und Rechtsstaat bewahren wollen, dann brauchen wir Archive“, sagte Regierungspräsident Florian Luderschmid bei der Einweihung des neuen Stadtarchivs. Archive seien nicht nur Orte für Historiker und Ahnenforscher, sondern machten staatliches Handeln langfristig nachvollziehbar. Genau diese Aufgabe soll das neue Stadtarchiv in St. Georgen erfüllen.
Umzug mit Lkw und Außen-Aufzug
Für Carolin Baumann, Leiterin des Stadtarchivs, beginnt diese Verantwortung bereits bei den Grundlagen. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass die Bestände aus dem bisherigen Archiv hinter der Spitalkirche sicher an ihren neuen Standort gelangen.
Eine Arbeit, die weit aufwendiger war, als es zunächst klingt. Rund 1,5 laufende Kilometer Akten mussten umziehen. Fast 3.800 Umzugskartons wurden gepackt, dokumentiert und in 25 Lkw-Ladungen transportiert. Dabei durfte nichts verloren gehen und nichts durcheinandergeraten.
„Wir haben Geschichte von A nach B gebracht“, sagt Baumann. Viele Bestände mussten zunächst zusammengeführt werden. Weil es im alten Gebäude in der Maximilianstraße 64 zu eng war, kam ein Außenaufzug zum Einsatz. Fünf bis sechs Mitarbeitende waren über Wochen mit Packen, Kontrollieren und Einräumen beschäftigt.
„So sehr wir den Auszug aus dem alten Archiv im Spitalgebäude auch herbeigesehnt haben, so versetzt es einen als Archivarin doch in Schockstarre, wenn man die einem anvertrauten Unterlagen aus dem Fenster des zweiten Stocks an einem Außenaufzug über das Mühlltürlein schweben sieht“, sagt Carolin Baumann.
Der Aufwand hat sich gelohnt. „Kein Archivgut ist aktuell unauffindbar, alles ist unbeschadet hier angekommen“, berichtet Baumann.
Mehr als ein Keller voller Akten
Für die Archivarin zeigt der Umzug auch, warum Archive mehr sind als bloße Lagerräume. Immer wieder fehlten heute Informationen, weil Dokumente in früheren Zeiten verloren gegangen seien – etwa durch Kriege oder ungeeignete Lagerbedingungen. Manche Lücken in der Stadtgeschichte ließen sich deshalb nicht mehr schließen. So fehlen beispielsweise Meldedaten aus der Zeit vor 1945.
Der Umzug war für das Team auch deshalb ein Befreiungsschlag, weil das bisherige Stadtarchiv längst an seine Grenzen gestoßen war. Das historische Gebäude war nie für die dauerhafte Lagerung von Archivgut ausgelegt. Hinter der Spitalkirche kämpften die Mitarbeiter mit Platzmangel, Temperaturschwankungen und baulichen Einschränkungen. Schwierige Bedingungen für empfindliche Akten und Fotografien. Zudem musste das Archivgut über eine steile Treppe transportiert werden.
Ein Ort für Bürger, Schulen und Forscher
Im neuen Stadtarchiv dagegen werden die Bestände unter Bedingungen gelagert, die auf ihre langfristige Erhaltung ausgelegt sind. Gleichzeitig darf sich das Archivteam über bessere Arbeitsmöglichkeiten freuen. Die Büroräume sind nun in der sanierten Leers’schen Villa zu finden.
Für die Öffentlichkeit verfügt das Archiv über einen modernen Lesesaal, in dem Bürgerinnen und Bürger direkt mit historischen Quellen arbeiten können.
Carolin Baumann freut sich auf neue Kooperationen mit Schulen, der Universität, Vereinen und anderen Bildungseinrichtungen. Das Archiv soll nicht nur Unterlagen verwahren, sondern Geschichte vermitteln und Menschen mit der Vergangenheit ihrer Stadt in Kontakt bringen.
Oberbürgermeister Andreas Zippel bezeichnete das Archiv als „Gedächtnis unserer Stadt“. Das älteste Dokument in den Beständen stammt aus dem Jahr 1391.
Ein Haus für St. Georgen
Für Andreas Zippel ist das Projekt zugleich ein Baustein der Stadtentwicklung. Dass das Archiv in St. Georgen und nicht im Stadtzentrum entstanden ist, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. Der Neubau soll ein offenes Haus für den Stadtteil werden.
Die Verbindung aus historischem Villengebäude und modernem Neubau versteht der Oberbürgermeister dabei als Symbol: Vergangenheit und Zukunft treffen hier unmittelbar aufeinander.
Die Kosten für den Neubau und die Sanierung der Leers’schen Villa liegen bei rund 21,5 Millionen Euro, gefördert unter anderem durch Mittel des Kulturfonds, der Oberfrankenstiftung und der Städtebauförderung.
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Öffentliche Führungen am 13. Juni
Wer sich selbst ein Bild vom neuen Stadtarchiv machen möchte, hat dazu am Samstag, den 13. Juni, Gelegenheit. Dann öffnet das Haus von 11 bis 15 Uhr seine Türen und bietet ein Programm für alle Interessierten: Neben einer Ausstellung zur Geschichte des alten und neuen Stadtarchivs stehen auch die Archivarinnen für Gespräche über ihre Arbeit bereit. Ergänzend werden regelmäßig Führungen durch die Magazinräume angeboten – Bereiche, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind.
Jetzt, wo der Umzug geschafft ist, geht die Arbeit im neuen Archiv erst richtig los. Einige Regale sind noch leer. Denn das neue Stadtarchiv ist nicht nur für die Geschichte da, die bereits vorhanden ist, sondern auch für die, die Bayreuth künftig noch schreiben wird.











Ab 22 Uhr gilt in Bayreuth – auch während der WM – die Nachtruhe. Erstellt durch KI.
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