Zuletzt aktualisiert am

Wolf

Wölfe auf Wanderschaft – treffen wir sie in Bayreuth?

Die Paarungszeit der Wölfe hat begonnen. Von Januar bis März verlassen Jungtiere ihre Rudel und gehen auf Wanderschaft. Dabei kann es zu unvorhersehbaren Begegnungen kommen. Vielleicht sogar im Studentenwald?!

Paarungszeit hat begonnen

Laut einer Mitteilung der Regierung von Oberfranken sind Wölfe im ersten Quartal des Jahres besonders aktiv. Während der Paarungszeit in diesen Monaten nutzen Elterntiere ihre Territorien flächendeckend, während die Jungtiere das Familienrudel verlassen um sich eigene Gebiete zu suchen. Obwohl Wölfe vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Tiere sind und den Menschen in der Regel meiden, kann es gegenwärtig zu vereinzelten Sichtungen kommen. Auch tagsüber.

Im Gegensatz zu Erwachsenen Tieren, können Jungtiere, die annähernd die gleiche Größe haben, neugierig sein und eine Situation genauer untersuchen wollen, bevor sie sich zurückziehen. Die Regierung von Oberfranken teilt in diesem Zusammenhang aber mit, dass dies kein Anlass zur Sorge ist. Seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland wurde kein einziger Angriff eines Wolfs auf einen Menschen registriert.

Verhalten bei einer Begegnung

Die Regierung von Oberfranken nennt Verhaltensregeln für die Begegnung mit einem Wolf:

Wölfe reagieren beim Anblick von Menschen vorsichtig, ergreifen aber nicht immer sofort die Flucht. Für den Fall einer Begegnung mit einem Wolf ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sich langsam zurückzuziehen. Bei lautem Sprechen, Klatschen und Gestikulieren weicht der Wolf erfahrungsgemäß zurück. Hunde sollten insbesondere während der Ranzzeit von Januar bis Ende März an der Leine geführt und bei Sichtung eines Wolfs eng beim Menschen gehalten werden.

Schon gelesen? Wolf gedeiht in Oberfranken: Monitoring, Herdenschutz und finanzielle Hilfe

Territorien und Wanderverhalten

Ein durchschnittliches Wolfsterritorium misst ungefähr 250 km². Zum Vergleich: der Landkreis Bayreuth hat eine Fläche von 1274 km². Innerhalb seines Reviers legt ein Wolf täglich 20 bis 30 Kilometer zurück. Bei der Suche nach einem neuen Territorium können Wölfe allerdings Distanzen von bis zu 80 km pro Tag zurücklegen. Diese können in direkter Nachbarschaft zum Elternterritorium liegen, aber auch weiter entfernt, in anderen Landkreise oder sogar anderen Ländern liegen.

Wölfe in Bayreuth?

Zum Vorkommen von Wölfen im Landkreis Bayreuth stellt die Regierung gesicherte Daten zur Verfügung:

Im Jahr 2024 lebten in Oberfranken an der Grenze zur Oberpfalz zwei Wolfsrudel in den Territorien „Kitschenrain“ und „Veldensteiner Forst“. Im selben Jahr wurden 32 gesicherte Wolfsnachweise, allesamt in den Landkreisen Bayreuth, Hof und Wunsiedel erfasst. Im Januar 2025 kamen zudem zwei Nachweise aus dem Landkreis Forchheim hinzu. Nachweise ergeben sich in der Regel aus genetischen Analysen, etwa von Speichel- oder Losungsproben, oder aus qualitativ hochwertigen Bildern.

Ergänzend gab es zahlreiche Wolfshinweise geringerer Datenqualität, teils auch in anderen Landkreisen Oberfrankens. Aufgrund der Datengrundlage kann derzeit nur bei den beiden Rudeln im Landkreis Bayreuth von sogenannten standorttreuen Wölfen gesprochen werden. Ein Wolf, Wolfspaar oder Wolfsrudel gelten entsprechend den deutschen Monitoringstandards als standorttreu, wenn sie über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachgewiesen werden oder wenn ein männlicher und weiblicher Wolf gemeinsam ihr Territorium markieren oder Nachwuchs belegt ist. Nichtsdestotrotz sind auch andernorts, insbesondere im Fichtelgebirge, seit Monaten Wölfe präsent.

Auf Gerüchte hin, dass in den umliegenden Wäldern, wie zum Beispiel im Studentenwald, bereits Wolfsspuren gesehen worden seien, hat unsere Redaktion bei der Regierung von Oberfranken nachgefragt. Bestätigt wurde diese Aussage von offizieller Seite nicht. Ferner weist die Regierung darauf hin, dass insbesondere in Bereichen, die stark von Hundehaltern frequentiert werden, Verwechslungen von Wolfs- und Hundespuren schnell geschehen können.

Lesen Sie auch: „Lotta und der Wolf“ – Ein Kinderbuch über das Zusammenleben mit der Natur

Schwer zu sagen

Auf Anfrage unserer Redaktion bezüglich des Aufkommens von wandernden Wölfen in Bayreuth, gab die Regierung von Oberfranken zur Antwort, dass Aussagen dazu extrem schwierig zu treffen seien. Wie viele Jungtiere in dieser Saison unterwegs sein werden, kann nicht genau beziffert werden, da das Wanderverhalten der Tiere nicht vorherzusagen ist. Darüber hinaus ist es möglich, dass auch Jungtiere aus Sachsen, Thüringen und der Tschechischen Republik ihre Wanderrouten durch oder nach Oberfranken wählen. Für diese Regionen liegen der Regierung von Oberfranken aber keine verlässlichen Zahlen zum Jungtierbestand vor.

Sichtungen von Wölfen im Landkreis Bayreuth sind also durchaus möglich.

Mit vermehrten Rissereignissen an landwirtschaftlichen Nutztieren sei aber auch in dieser Situation, nach Aussage der Regierung von Oberfranken, nicht zu rechnen. Landwirte und Viehhalter sind nach wie vor angehalten sich über die entsprechenden Fördermöglichkeiten für Herdenschutz zu informieren.