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Wohnen im Getreidelager? Eigentümer plant neues Wohnprojekt
Einer der drei markanten Getreidespeicher an der Karl-von-Linde-Straße steht seit Jahren leer. Nun gibt es konkrete Pläne: Wo früher Tonnen von Korn lagerten, soll bald „Flexi-Wohnen“ einziehen. Doch für das Projekt muss die Stadt eine entscheidende Hürde aus dem Weg räumen. Und diese Hürde ist durchaus beachtlich.
Der Bayreuther Eigentümer Oliver Funsch möchte eines der drei Gebäude, das ihm gehört, in Wohnraum verwandeln. Zwei weitere ehemaligen Getreidespeicher stehen baugleich daneben an der Karl-von-Linde-Straße 2. Trotz intensiver Bemühungen, das Gebäude als Gewerbefläche zu vermieten, herrscht in dem massiven Betonbau seit Jahren Stillstand. Nun hat Funsch seine Pläne in einem Schreiben an die Stadtverwaltung und mehrere Stadträte vorgestellt.
Unvermietbar trotz zentraler Lage
Das Problem des Gebäudes liegt in seiner Bauweise: Der Speicher im Bereich der Justus-Liebig-Straße verteilt seine Flächen auf sechs Etagen plus Keller und Spitzboden. Für moderne gewerbliche Nutzer ist dieses Raumkonzept unpraktisch.
Ein Abriss kommt für Funsch jedoch nicht infrage: zu teuer, aufwendig und ökologisch nicht nachhaltig. Die massive Stahlbetonkonstruktion stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und diente damals dazu, die Getreidereserven vor Luftangriffen zu schützen. Heute gilt der Bau als stadtbildprägendes Zeugnis der Industriegeschichte.
Wohnen statt Gewerbe: Das Konzept „Flexi-Wohnen“
Die Lösung sieht der Eigentümer in einer Umnutzung. Gemeinsam mit dem Bayreuther Projektentwickler Ellmer & Ellmer soll im Gebäude ein Quartier für „Flexi-Wohnen“ entstehen. Geplant ist ein modernes, integratives Wohnkonzept mit rund 2.100 Quadratmetern Wohnfläche, verteilt auf 43 Einheiten zwischen 40 und 99 Quadratmetern.
„Es soll kein Luxusprojekt entstehen, sondern sozial verträglicher Wohnraum“, betont Funsch. Das Konzept „Flexi-Wohnen“ zielt dabei auf eine flexible Nutzung ab, die den Anforderungen des modernen Wohnungsmarktes gerecht werden soll.
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Die Hürde: Der Bebauungsplan
Damit aus der Vision Realität wird, ist eine Befreiung vom Bebauungsplan Nr. 1/18 erforderlich. Dieser weist das Areal derzeit als reines Gewerbe- und Einzelhandelsgebiet aus.
Hier liegt auch die größte Herausforderung für das Projekt: Wohnen in einem Gewerbegebiet ist rechtlich aufgrund strenger Lärmschutzauflagen und der Priorisierung von Gewerbebetrieben schwierig umzusetzen. Die Stadt muss nun abwägen, ob sie für das innovative Projekt eine Ausnahme zulässt und den Bebauungsplan ändert, um den jahrelangen Leerstand zu beenden.
Nachhaltig sanieren statt abreißen
Funsch setzt voll auf den Faktor Nachhaltigkeit. Eine Umnutzung verhindere weitere Flächenversiegelung und schone die „graue Energie“, die bereits im Beton des Altbaus steckt. Das charakteristische Erscheinungsbild des Speichers bliebe so für das Viertel erhalten.
Interessantes Detail am Rande: Auch der Eigentümer eines baugleichen Nachbarspeichers hat bereits Interesse signalisiert, ein ähnliches Projekt anzugehen. Sollte die Stadt zustimmen, könnte dies der Startschuss für eine umfassende Aufwertung des gesamten Quartiers sein.
Ein Impuls gegen den Wohnraummangel?
Ob der Stadtrat dem Antrag zustimmt, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Das Projekt könnte in der hitzigen Debatte um bezahlbaren Wohnraum in Bayreuth für neuen Zündstoff und vielleicht bald für neues Leben in alten Mauern sorgen.











Polizist Symbolbild © Pixabay
Symbolbild © Pixabay