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Wirtshaustradition

Wolffenzacher in neuer Hand: Was Investor Andreas Thies in Bayreuth plant

Ein Stück gelebter Wirtshauskultur bekommt eine neue Chance: Der Wolffenzacher. Nach der für viele überraschenden Insolvenz hat die Institution in der Bayreuther Gastroszene einen neuen Betreiber. Der Unternehmer Andreas Thies übernimmt das geschichtsträchtige Gasthaus – mit einer klaren Vision, großer Wertschätzung für regionale Küche, aber auch mit Spannungen in der Nachbarschaft.

Der Wolffenzacher: Ein Traditionshaus mit Geschichte

Seit Jahrzehnten ist der Wolffenzacher fester Bestandteil der Bayreuther Wirtshauslandschaft. Besonders zur Zeit der Bayreuther Festspiele kehren hier viele Wagnerfreunde ein – auf der Suche nach ehrlicher fränkischer Küche und echter Atmosphäre. Direkt neben dem Hotel Goldener Anker gelegen, war der Wolffenzacher stets ein beliebter Treffpunkt – für Einheimische wie für Gäste aus aller Welt.

Die Spezialität des Hauses? Schäuferle, zubereitet von Frau Werner, der „guten Seele des Hauses“. Für viele Stammgäste gehört das zum Bayreuth-Erlebnis wie der Walkürenritt zur „Walküre“.

Neuer Eigentümer: Andreas Thies wagt den Schritt

Andreas Thies, ein renommierter Auktionshausbetreiber mit Sitz in Schwaben, ist seit Jahrzehnten treuer Festspielbesucher. Eine schmerzliche Lücke wäre für Thies entstanden, hätte der Wolffenzacher seine Türen endgültig geschlossen. Schon die Schließung des Restaurants Weihenstephan in der Bahnhofstraße 2019 konnte er kaum nachvollziehen. Als er hörte, dass anstelle des Wolffenzachers ein asiatischer Imbiss einziehen könnte, wurde er aktiv: „Das hat sicher alles seine Berechtigung“, sagt Thies, „aber wenn so ein Traditionswirtshaus mal weg ist, ist es nicht wieder zurückzuholen.“ Als Thies von der Insolvenz hörte, handelte er schnell: „Ich liebe diesen Ort, besonders das Schäuferle von Frau Werner. Da musste ich nicht lange überlegen.“

Thies möchte Tradition bewahren

Für ihn – wie für viele Stammgäste – macht vor allem das traditionelle Ambiente den Reiz des Wolffenzachers aus: Fotos von Künstlern und Dirigenten zieren die Wände. Thies möchte diese Sammlung gern erweitern und hofft, dass zukünftige Künstler, die das Gasthaus besuchen, ihre Bilder signieren. Ein Künstlerstammtisch, wie er früher im Weihenstephan existierte, soll wieder entstehen. Zwar gibt es im Wolffenzacher keinen eigenen Raum dafür, aber einen eher unauffälligen Tisch könnte er sich gut vorstellen. „Ich würde mich sehr freuen, wenn hier ein Treffpunkt für Festspielbesucher und Künstler entsteht“, so Thies.

Renovierungen nach der Hauptsaison

Wie genau die Renovierungen aussehen werden, ist für Thies noch nicht ganz klar. Er habe sich bisher kaum einen Überblick verschaffen können. Allerdings habe Frau Werner ihm schon mitgeteilt, dass insbesondere die Küche modernisiert werden müsse. Aktuell sei der Zustand aber so, dass der Betrieb während der Festspielzeit reibungslos laufen könne. „Nach der Festspielzeit und den Barockfestspielen machen wir eine genaue Bestandsaufnahme und entscheiden dann über Renovierungen“, so Thies.

Für Thies‘ Vorgänger war der Personalmangel ein Grund gewesen, die Gaststätte nicht mehr weiter zu betreiben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir hier gar kein Personal finden“, so Thies. Auch hier will er Frau Werner freie Hand lassen.

Obwohl Thies kein Gastronom ist, bringt er unternehmerische Erfahrung mit – und offenbar ein gutes Gespür für wertvolle Investitionen. Sein Auktionshaus ist international bekannt, zuletzt machte es Schlagzeilen durch die Versteigerung des Nachlasses von Erich Honecker. Auf kritische Nachfragen zu umstrittenen Objekten aus der NS-Zeit, unter anderem sollen darunter auch Hitler-Devotionalien sein, winkt er ab: „Natürlich versteigern wir auch Stücke aus dieser Zeit – das ist Geschichte.“

Spannungen in der Nachbarschaft

Während der Festspielzeit war Thies traditionell Gast im Haus „Goldener Anker“ – und hat so Kontakt zu Eva Graf, der Betreiberin des Hauses, geknüpft. Laut Thies war es unter anderem Graf, die ihn auf den drohenden Leerstand des Wolffenzachers aufmerksam machte. Frau Graf hingegen behauptet, er habe ausschließlich durch sie davon erfahren.

Für Eva Graf lag es nahe, neben dem Goldenen Anker auch das traditionsreiche Wirtshaus Wolffenzacher zu übernehmen und zu bewirtschaften. In den vergangenen Wochen habe es dazu durchaus Gespräche gegeben, bestätigen sowohl sie als auch Andreas Thies im bt-Gespräch.

Geplant war unter anderem, den Wolffenzacher aus der Küche des „Goldenen Ankers“ mitzuversorgen, denn das Kücheninventar des Wolffenzachers selbst sei „marode“, betont Graf. Ihr Ziel sei es gewesen, das Traditionshaus in bewährter Qualität und mit fränkischer Küche weiterzuführen.

Graf erklärt, dass sie selbst die volle Verantwortung für den Betrieb übernehmen wollte: „Denn Frau Werner wollte erklärtermaßen nicht in der Verantwortung als Geschäftsführerin oder Pächterin stehen, sondern nur im Angestelltenverhältnis ohne direkte Verantwortung für das Geschäft.“

Doch am Ende kam es anders. Die Gespräche zwischen Graf und Thies scheiterten – warum genau, darüber haben beide ihre eigene Version. Klar ist: Eva Graf sieht darin Wortbrüchigkeit seitens Thies.

Thies versteht Grafs Unmut durchaus, verteidigt aber seine Entscheidung: „Wir haben uns immer geschätzt. Aber das war eine wirtschaftlich-strategische Entscheidung.“ Ob die beiden je wieder auf einen grünen Zweig kommen, bleibt offen.

Zukunft des Wolffenzachers: Zwischen Risiko und Chance

Die Übernahme durch Thies ist ein Wagnis – das weiß auch er selbst. Als Geschäftsmann würde er nicht investieren, wenn er nicht mit dem Erfolg rechnen würde, sagt er. Aber er räumt auch ein, dass viel Liebhaberei im Projekt steckt. „Ich will den Wolffenzacher so bewahren, wie ich ihn seit Jahren kenne“, sagt er. Und mit der treuen Küchenkraft Frau Werner an Bord stehen die Chancen vielleicht sogar gut, dass der Wolffenzacher wieder aufblüht.

Als Geschäftsführer wird Thies nicht immer vor Ort sein – aber er will versuchen so oft wie möglich zu kommen, betont er im bt-Interview. Als Gastwirt muss er sich erst noch finden. Geplant hat er allerdings durchaus zu bleiben. Verpachten will er nicht.

Der Wolffenzacher bleibt 

Mit Andreas Thies beginnt ein neues Kapitel für den Wolffenzacher. Die Erwartungen sind hoch, die Herausforderung groß. Aber die Liebe zum Haus – und zum Schäuferle – ist da. Und vielleicht ist das ja der wichtigste Anfang. Ob das auf Dauer reicht um ein Wirtshaus erfolgreich zu führen, wird die Zeit zeigen.