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Straßenbauarbeiten in Thurnau werden auf Druck des Denkmalnetz verschoben
Der Ausbau der Staatsstraße am Ortseingang von Thurnau nimmt die nächste Etappe: Das Staatliche Bauamt Bayreuth lässt vom 14. bis 17. September 2026 zwei Gebäude in der Kulmbacher Straße abreißen. Das Denkmalnetzbayern hät das für „höchst problematisch“.
Update, 2. September 2026: Der für den 14. bis 17. September angekündigte Abriss von Scheune und Holzlager in dere Kulmbacher Straße in Thurnau findet doch nicht statt. Auch die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt entfällt damit. Alle Details dazu weiter unten im Artikel.
Eigentlich sollte die Straße längst gebaut sein, doch nun sind notwendige Abrissarbeiten erneut verschoben worden. Das Staatliche Bauamt Bayreuth hatte angekündigt, vom 14. bis 17. September 2026 zwei Gebäude in der Kulmbacher Straße abzureißen – eine Scheune (Hausnummer 5) und ein Holzlager (Hausnummer 7). Für die vier Tage sollte die Ortsdurchfahrt komplett gesperrt werden.
Die Häuser stehen direkt an der Staatsstraße 2689 und sollten weichen, damit die geplante Verbreiterung der Straße überhaupt möglich wird. Beide Gebäude hatte das Bauamt bereits aufgekauft, ihr Bauzustand gilt als schlecht.
Warum der Abriss abgesagt wurde
Das Staatliche Bauamt Bayreuth sieht in Absprache mit dem Markt Thurnau bis auf Weiteres von dem Rückbau ab. Grund ist der laufende Rechtsstreit um das benachbarte Gebäude Kulmbacher Straße 2, den ehemaligen Gasthof „Zum Weißen Schwanen“: Solange das Verwaltungsgericht Bayreuth nicht über die Klage des Denkmalnetz Bayern gegen die denkmalrechtliche Abrisserlaubnis der Regierung von Oberfranken entschieden hat, bleiben auch Scheune und Holzlager stehen. Mehr zu diesem Rechtsstreit weiter unten im Artikel.
Was ursprünglich geplant war: die abgesagte Vollsperrung
Für den Abriss hätte das Bauamt die Ortsdurchfahrt Thurnau vom 14. bis zum 17. September 2026 vollständig für den Durchgangsverkehr gesperrt. Der Verkehr wäre großräumig umgeleitet worden: von Thurnau über die St 2189 nach Kasendorf und von dort über die St 2190 weiter Richtung Kulmbach – Gegenverkehr entsprechend umgekehrt. Diese Route ist bereits von früheren Bauphasen an der St 2689 bekannt und für alle Fahrzeugarten geeignet. Mit der Absage des Abrisses entfällt diese Sperrung nun.
Für die ursprünglich geplanten Arbeiten vorgesehen war die Firma Kornburger aus Weidensees, ein auf Abbruch- und Erdbauarbeiten spezialisierter Betrieb aus dem Landkreis Bayreuth.
Der zweite Anlauf: Warum es nicht die ersten Abrissarbeiten in der Kulmbacher Straße sind
Eigentlich sollte schon im November 2025 in der Kulmbacher Straße abgerissen werden. Damals ging es um gleich drei Gebäude: neben der Scheune und dem Holzlager auch um ein altes Wohn- und Geschäftshaus, das älteren Thurnauerinnen und Thurnauern noch als Schreibwarengeschäft der Firma Waldhier bekannt war. Der Start musste damals kurzfristig verschoben werden, weil erst noch denkmalschützerische Dokumentationsarbeiten an dem Anwesen nötig waren, wie das Bayreuther Tagblatt berichtete.
Mit dem jetzt abgesagten Termin im September 2026 sollte es um die Scheune und das Holzlager gehen. Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus stand schon vorher nicht zur Debatte – und genau darum, um dieses dritte Gebäude, ist inzwischen ein Rechtsstreit entbrannt, der jetzt auch für die anderen beiden Gebäude entscheidend wurde.
Streit um den „Weißen Schwanen“: Warum das dritte Gebäude weiter steht
Das alte Wohn- und Geschäftshaus in der Kulmbacher Straße 2 ist in Wahrheit der ehemalige Gasthof „Zum Weißen Schwanen“ aus dem 17. Jahrhundert, zuletzt bekannt als Druckerei Waldhier. Das Gebäude ist Teil des Denkmalensembles Ortskern Thurnau und zusätzlich als Einzeldenkmal geschützt.
Das Denkmalnetz Bayern hat deshalb mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Dezember 2025 Verbandsklage gegen die Abrisserlaubnis für das Gebäude eingereicht, wie das Bayreuther Tagblatt berichtete. Ziel der Klage: den Abriss verhindern und Zeit gewinnen, um das nach Einschätzung des Vereins außerordentlich wertvolle Baudenkmal zu retten. Der Rechtsstreit ist bis heute nicht entschieden.
Kritik vom Denkmalnetz Bayern – und die Reaktion des Bauamts
Als der Abriss noch bevorstand, hatte das Denkmalnetz Bayern das Vorgehen scharf kritisiert. Der Verein warf dem Freistaat vor, mit den Abbrucharbeiten an Scheune und Holzlager unumkehrbare Tatsachen zu schaffen, obwohl über die Zulässigkeit der gesamten Straßenplanung juristisch noch nicht entschieden war:
„Während vor Gericht noch nicht abschließend geklärt ist, ob der geplante Eingriff in das historische Ortsbild und insbesondere der Abriss des ehemaligen Gasthofs ‚Zum Weißen Schwanen‘ rechtmäßig ist, wird die Umsetzung der umstrittenen Straßenplanung weiter vorangetrieben. Mit weiteren Abbrüchen werden dabei Fakten geschaffen, die später nicht mehr rückgängig zu machen sind.“ — Denkmalnetz Bayern, in einer Pressemitteilung vom 1. September 2026
Der Verein hatte das Staatliche Bauamt Bayreuth und den Freistaat Bayern aufgefordert, die Abbrucharbeiten an Scheune und Holzlager zurückzustellen und die gesamte Verkehrsplanung noch einmal ergebnisoffen zu prüfen. Auch mit Blick auf die Kosten hatte das Denkmalnetz gemahnt:
„Bevor für den Abriss weiterer Gebäude öffentliche Mittel eingesetzt werden, sollte feststehen, dass diese Maßnahmen für die künftige Straßenplanung tatsächlich erforderlich sind. Andernfalls drohen Kosten für Arbeiten, die sich später als unnötig erweisen.“ — Denkmalnetz Bayern, in einer Pressemitteilung vom 1. September 2026
Nur einen Tag später kam die Kehrtwende: Das Bauamt sagte den Abriss ab, wie oben im Artikel beschrieben. Wer sich weiter zum Fall des „Weißen Schwanen“ und zur Verkehrsplanung in Thurnau informieren will, findet Hintergründe auf der Initiativenseite „Mein lieber Schwan“.
Was mit dem Abriss eigentlich erreicht werden soll
Hinter den Abbrucharbeiten steckt ein größeres Straßenbauprojekt: der Ausbau der Staatsstraße 2689 durch die Ortsdurchfahrt Thurnau, um dort die Verkehrssicherheit zu verbessern. Die Straße ist an dieser Stelle für die Verkehrsmenge bislang sehr schmal. Erst wenn die Grundstücke an der Kulmbacher Straße frei sind, kann die eigentliche Verbreiterung beginnen.
Der Thurnauer Abschnitt ist Teil eines größeren Pakets: Erst im November 2025 hatte das Bauamt die neue Ortsumgehung Döllnitz für den Verkehr freigegeben und damit auch die anschließenden Streckenabschnitte der St 2689 und St 2190 zwischen Krumme Fohre und Rother Hügel grundlegend erneuert. Als nächster Schritt war dabei bereits der Ausbau in Thurnau selbst angekündigt – mit dem jetzigen Abriss geht dieser nun einen weiteren Schritt voran.
Häufige Fragen
Wird die Ortsdurchfahrt Thurnau im September 2026 gesperrt?
Nein. Die für den 14. bis 17. September 2026 angekündigte Vollsperrung entfällt, weil der zugrunde liegende Abriss abgesagt wurde.
Werden Scheune und Holzlager jetzt doch nicht abgerissen?
Richtig, der für September 2026 geplante Abriss findet nicht statt. Das Staatliche Bauamt Bayreuth wartet in Absprache mit dem Markt Thurnau die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Bayreuth über die Klage des Denkmalnetz Bayern ab.
Warum wurde der Abriss abgesagt?
Weil das Verwaltungsgericht Bayreuth noch nicht über die Klage des Denkmalnetz Bayern gegen die Abrisserlaubnis für das benachbarte Gebäude Kulmbacher Straße 2 entschieden hat. Bis zu dieser Entscheidung sieht das Bauamt vom Rückbau der Scheune und des Holzlagers ab.
Was ist mit dem „Weißen Schwanen“ in der Kulmbacher Straße 2?
Das Gebäude ist der historische Gasthof „Zum Weißen Schwanen“ aus dem 17. Jahrhundert, zuletzt als Druckerei Waldhier bekannt. Es ist denkmalgeschützt, für seinen Abriss läuft seit Dezember 2025 eine Verbandsklage des Denkmalnetz Bayern vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth.
Warum sollten die Gebäude ursprünglich abgerissen werden?
Sie stehen direkt neben der Staatsstraße 2689 und sollten dem geplanten Ausbau der Ortsdurchfahrt weichen, der die Verkehrssicherheit in Thurnau verbessern soll.












Ein Taxi ist auf einem Pendlerparkplatz in Münchberg in Flammen aufgegangen ©Stephan Fricke/News5
Dominic Schmidt ist neu bei der Oldschdod ©SpVgg Bayreuth