Am Sendelbach: Ärger um die Stromtankstelle

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Gerade eben hat Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe die neue Schnellladesäule für Elektroautos am Sendelbach-Parkplatz in Betrieb. Und gerade eben haben sich die Stadtwerke über die schnellste Stromtankstelle der Stadt gefreut. Da gießt der grüne Stadtrat Stefan Schlags Wasser in den Wein.

Für sein Elektroauto, das noch dazu das in Deutschland meistverkaufte Modell sei, passt der Anschluss der neuen Super-Stromtankstelle nämlich nicht. Schlags fährt einen Nissan Leaf. Mit über 40.000 verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr ist das tatsächlich das meistverkaufte Elektroauto Europas.

Schlags sagt:

Üblicherweise sind an Schnellladesäulen, so auch an Autobahnen, immer beide Anschlüsse vorhanden.

(Stefan Schlags, Grüne)

Beide, das heißt: der CHAdeMO-Anschluss, den Schlags’ Nissan und viele weitere asiatische Modelle brauchen, und ein CCS-Anschluss, wie ihn viele europäische Fabrikate benötigen. CHAdeMO steht übrigens für “Charge de Move”, was sinngemäß soviel bedeutet wie Bewegung durch Ladung. CCS hingegen ist die Abkürzung für “combined charging system”. Schlags fordert, dass sich Energieversorger wie die Stadtwerke aus der Frage, welcher Anschluss sich durchsetzen wird, heraushalten und beide Varianten anbieten.

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Die Stadtwerke erklären auf Nachfrage des Tagblatts, dass es an der Ladesäule am Sendelbach-Parkplatz ja zwei Ladepunkte gebe. Einen für schnelles Laden (höchstens 50 Kilowatt Ladeleistung) und einen für normales Laden (bis zu 22 Kilowatt Ladeleistung). An letzterem könne Schlags sein Auto zweifelsfrei laden, nur dauere das eben länger. Der Punkt für schnelles Laden sei dagegen ausschließlich mit dem CCS-Anschluss versehen. Warum? Weil den vorzuhalten eine gesetzliche Vorschrift sei.

Tatsächlich müssen laut einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2014 Schnellladepunkte, an denen Gleichstromladen möglich ist, mindestens mit diesem Anschluss ausgestattet werden. Weil die Stadtwerke beim Bau der Ladesäule nicht auf 40 Prozent Förderung verzichten wollten, mussten sie sich also für diesen Anschluss entscheiden, sagt Jan Koch, der Sprecher der Stadtwerke. Allerdings gibt Koch zu, dass ein weiterer Anschluss durchaus möglich gewesen wäre. Er hätte nur “wesentlich” mehr Geld gekostet.

Schlags sagt dazu:

Das ist ein klares Statement. Beide Anschlüsse auch bei Schnellladestationen vorzuhalten, ist mittlerweile absoluter Standard. Wer das nicht tut, braucht aus der Einweihung einer solchen Ladesäule aber auch kein Medienspektakel machen.

(Stefan Schlags, Grüne)