An der Hüfte gepackt: Sexueller Übergriff in Bayreuth?

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In Bayreuth soll am 1. August 2019 ein 51-jähriger Mann eine 20-jährige Frau in der Waschküche an der Hüfte gepackt und auf eine Waschmaschine gedrückt haben. Dabei soll er versucht haben den Gürtel seiner Hose zu öffnen. Die Anklage vor dem Amtsgericht in Bayreuth lautete deshalb: Versuchter sexueller Übergriff.

“Angeklagter wollte Frau nicht vergewaltigen”

Der Anwalt des angeklagten Bayreuthers schilderte im Namen seines Mandanten den Vorfall. “Mein Mandant entschuldigt sich, wenn er der Zeugin zu nahe getreten ist.” Der Angeklagte habe die Frau nicht vergewaltigen wollen. Denn er sei sofort zurückgetreten, als die 20-Jährige ihn von sich gestoßen hatte.

Außerdem habe er keine Jeanshose mit einem Gürtel angehabt, sondern eine Jogginghose. Er habe deshalb gar keinen Gürtel öffnen können.

Verhalten falsch interpretiert

Der Anwalt erklärte, dass sein Mandant die Blickkontakte und das Verhalten der jungen Frau falsch interpretiert hatte. “Er hat das als Flirt mit ihr gesehen.”

Dazu kamen Sprachbarrieren. Denn die 20-Jährige spreche nur Englisch und der Angeklagte nur Deutsch. Das sei auch ein Grund für das missverstandene Verhalten. Er habe sich aber nicht die Hose runtergezogen. Er habe der Frau auch nicht den Rock hochgezogen, was diese später bestätigte.

Der 51-Jährige gab zu, die Frau an der Hüfte gepackt zu haben. Doch als sie ihn weggestoßen habe, sei er sofort in seine Wohnung gegangen.

Zwei Vorfälle vor der Anzeige

Bereits vor dem Vorfall am 1. August soll es Annäherungsversuche des Angeklagten gegeben haben, berichtet die 20-Jährige vor Gericht. Beim ersten Mal habe sie der Angeklagte auf die Waschmaschine gestoßen, als sie gerade die Wäsche herausnehmen wollte. So sei es auch bei einem zweiten Vorfall in der Waschküche geschehen, schilderte die 20-Jährige. Dabei habe sie ihm gesagt, dass sie das nicht wolle.

Beim dritten Vorfall habe sie den Angeklagten von sich weggestoßen und “No” geschrien. Sie habe gesehen, wie sich der 51-Jährige an seiner Hose gezogen hat. Er habe sie aber nicht nach unten gezogen. Ob er einen Gürtel geöffnet oder gar getragen habe, konnte sie nicht beantworten.

Der 51-Jährige habe die 20-Jährige nicht an Brüsten oder Schenkeln berührt, sagte sie. Er habe sie an der Hüfte gepackt und nach vorne gedrückt, schilderte sie den Vorfall erneut. Dabei habe er auch seinen Körper nicht an ihren gedrückt, erinnerte sich die Zeugin.

Richter stelle Verfahren vorläufig ein

Nach der Aussage des Geschädigten stellte der Richter die Frage an Anwalt und Staatsanwältin, welche Strafbarkeit hier vorliege. “Der Angeklagte hat sich völlig falsch verhalten”, sagte der Richter. Doch die Anklage habe sich nicht in diesem Ausmaß bestätigt.

Nach Zustimmung von Staatsanwältin und Anwalt des Mandanten stellte der Richter das Verfahren vorläufig ein. Allerdings mit einer Geldauflage für den Angeklagten, “die er auch spüren soll”, fügte der Richter an. 200 Euro muss der Angeklagte an einen Verein zahlen.