Einstimmig: Andreas Zippel soll Oberbürgermeister werden

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Andreas Zippel soll es machen. Er soll sich 14 Jahre nach Dieter Mronz auf den Chef-Sessel im Bayreuther Rathaus setzen. Er soll die glorreiche aber schwer angeschlagene Sozialdemokratie in eine bessere Zukunft führen. Er soll das Oberbürgermeisteramt wieder in die Hände der SPD überführen, es “nach Hause” bringen sozusagen. Einstimmig haben die Delegierten am Sonntagvormittag den erst 27 Jahre alten Wirtschaftsjuristen nominiert.

Foto: Thorsten Gütling

Halil Tasdelen spricht von einem besonderen Tag für die Bayreuther SPD. Mit ihm hätten die Sozialdemokraten jemanden gefunden, mit dem “die Erneuerung der SPD in Bayreuth durchsetzen” ließe, sagt der Stadtverbandsvorsitzende. Zippel sei einer, der hinter den sehr alten Werten der Genossen stehe und der in der Lage sei, sie in die Zukunft zu transportieren.

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Seit sechs Jahren erst ist Zippel in der Partei. Den meisten Genossen ist der Doktorand und Dozent an der Uni Bayreuth gar erst seit zwei Jahren ein Begriff. Gemeinsam mit Michaela Schmidt-Franke organisierte Zippel 2017 den Landtagswahlkampf von Halil Tasdelen. Hinter den Kulissen ist Zippel schon etwas länger bekannt. Unter anderem dafür, dass er den Arbeitskreis “SPD erneuern” ins Leben gerufen hat.

Foto: Thorsten Gütling

Tasdelen bezeichnet Zippel als “Mister 110 Prozent”. Der gebürtige Nürnberger sei strukturiert, diszipliniert und empathisch. Er habe Visionen und arbeite lösungsorientiert. ‘Bayreuth hat einen solchen Oberbürgermeister verdient”, sagt Tasdelen.

Andreas Zippel wird die Stadt, wie sein Name schon sagt, von A bis Z umkrempeln.

(Halil Tasdelen, Stadtverbandsvorsitzender der SPD)

Foto: Thorsten Gütling

Laut Uli Grötsch, dem Generalsekretär der Bayern SPD, arbeite Zippel intensiv am Umbau der Bayern-SPD. Die Neuausrichtung der Partei auf Landesebene bestimme er federführend mit. Grötsch sagt, er kenne Zippel seit etwa einem Jahr. Gemessen an der kurzen Zeitspanne verlasse er sich bereits “ziemlich blind” auf ihn. Grötsch sagt, beim ersten Kennenlernen habe er gedacht: “Wow, was haben denn die für Leute hier in Bayreuth.”

bt-Umfrage auf Facebook:

Es ist uns ein Fest, dass bei der Kommunalwahl Leute wie du an den Start gehen. Solange das so ist, lasst euch nicht einreden, dass die SPD kurz vor dem Exodus steht. Wir haben den Schuss schon gehört und sind schwer am Arbeiten.

(Uli Grötsch, Generalsekretär der Bayern SPD)

Bayreuths Dritte Bürgermeisterin, Beate Kuhn, nennt Zippel einen klugen jungen Mann, einen ausgezeichneten Redner und einen überzeugten Sozialdemokraten. Zippel sei ein temperamentvoller aber ausgleichender Diskutant. Der 27-Jährige sei einer, der etwas könne und sich etwas traue.

Ja, er ist sehr jung, aber das ist ein Makel, der von Tag zu Tag von selbst kleiner wird.

(Beate Kuhn, Dritte Bürgermeisterin)

Foto: Thorsten Gütling

Die Vorsitzende des Unterbezirks und Staatssekretärin, Anette Kramme, sagt, sie stehe mit tiefster Überzeugung hinter dem Vorschlag, Andreas Zippel zu nominieren. Zippels Alter werde die SPD im Wahlkampf von den Mitbewerbern abgrenzen. Über die Kandidatur sei sie “begeistert”.

Wir haben hier jemanden, der mit höchstem Sachverstand und höchster Intelligenz ans Werk gehen wird.

(Anette Kramme, Staatssekretärin)

Der so Gelobte zeigt sich beeindruckt und bittet die Genossen darum, ihn zu unterstützen. Der leidenschaftliche Läufer wünscht sich Mitläufer, die ihn auf die richtige Bahn zurückführen, so er sich verlaufen sollte.

Helft mir, wenn ich strauchele. Und wenn ihr merkt, ich gehe einen falschen Weg, dann sagt mir das.

(Andreas Zippel, Oberbürgermeisterkandidat der SPD)

Zur Feier des Tages bekommt Andreas Zippel eine rote Torte mit einem Abbild des Bayreuther Rathauses überreicht. Von links: Uli Grötsch, Halil Tasdelen, Christoph Rabenstein, Thomas Bauske und Beate Kuhn. Foto: Thorsten Gütling

Das Amt des Oberbürgermeisters wolle er mit Visionen und Ideen bekleiden. In die Probleme und Konflikte der Stadt wolle er sich mit frischem Blick und über viele Gespräche mit den Bürgern einarbeiten. Digitalisierung, Umweltschutz und Mobilität seien unter vielen wichtigen Themen die vielleicht wichtigsten, sagt Zippel.

Ich kenne nicht jede Straße dieser Stadt auswendig. Ich kenne nicht jede Person, die in dieser Stadt unterwegs ist. Ich kenne nicht jeden Streit, den diese Stadt schon ausgefochten hat und ich kann nicht mit dem Finger schnipsen und einen Gefallen einfordern oder eine volle Wahlkampfkasse besorgen. Ich bin nicht perfekt, ich weiß nicht alles. Ich habe die Konsequenz daraus gezogen, dass ich reden muss.

(Andreas Zippel, Oberbürgermeisterkandidat der SPD)

Zippel sagt, er wolle auf seiner Homepage ein Ideenportal einrichten. “Ich will von jedem einzelnen wissen, welche Ideen er hat.” Die Aufgabe eines Oberbürgermeisters sei es schließlich, Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Einer von ihnen: Die Jusos nehmen den frisch gebackenen Oberbürgermeisterkandidaten in ihre Mitte. Foto: Thorsten Gütling

Der Grund, warum ich diesen Job sehr ernst nehmen werde, ist ein ganz einfacher: Ich werde nämlich die Folgen meines Handelns noch miterleben.

(Andreas Zippel, Oberbürgermeisterkandidat der SPD)

Er habe keine Angst zu scheitern und sich der Herausforderung stellen. Zippel sagt: “Ich habe Respekt vor dieser großen Aufgabe.”