Warum es auf der Lanzendorfer Brücke ist, wie es ist

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1093 Meter lang und 32 Meter hoch führt die Lanzendorfer Brücke die Autobahn A9 bei Himmelkron über das Tal des Weißen Mains. Allerdings ist die Zeit nicht spurlos an dem 22 Jahre alten Betonbauwerk vorüber gegangen. Seit Februar und noch bis November diesen Jahres wird die Brücke für 20 Millionen Euro saniert – bei vollem Betrieb. Die A9 ist dort seitdem zum vielleicht gefährlichsten und am meisten diskutierten Stück Straße in ganz Oberfranken geworden.

Lanzendorfer Brücke: In Richtung Nürnberg wird der Verkehr kurz hinter Himmelkron wieder geteilt. Foto: Thorsten Gütling

 

Himmelkron klagt

Seit einem Monat wird die A9 zwischen Bad Berneck und dem Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach saniert. Seitdem hat es in der Gegend mehrmals gekracht, einmal davon schwer: Am Dienstag kam wenige Kilometer vor der Brücke ein Mann zu Tode, der mit seinem Lastwagen ungebremst in ein Stauende raste. Um die Staugefahr zu reduzieren wurde daraufhin am Donnerstag die Auffahrt Himmelkron in Richtung Süden gesperrt, was viele ärgert. Der Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) spricht gar von einer “Beeinträchtigung des Wirtschaftsstandorts” und einer “nicht kalkulierbaren Gefahr für alle Gewerbetreibenden”. Auch die Kulmbacher Bundestagsabgeordnete der CSU, Emmi Zeulner, fordert die Aufhebung des Auffahrverbots bei Himmelkron und die Verringerung der Fahrspuren von fünf auf vier.

Lanzendorfer Brücke: Im Gewerbegebiet Himmelkron ärgert man sich über die gesperrte Auffahrt in Richtung Nürnberg. Foto: Thorsten Gütling

 

Fünf Spuren auf halb soviel Platz

Aber warum hat sich die Autobahndirektion Nordbayern überhaupt für die Beibehaltung von fünf Spuren entschieden, während die halbe Breite der Brücke zur Sanierung gesperrt ist? Im Gespräch mit dem Tagblatt erklärt der Bayreuther Dienststellenleiter der Autobahndirektion Nordbayern, Thomas Pfeifer, seine Beweggründe.

Lanzendorfer Brücke: Dem Unterbau der Straße geht es an den Kragen. Foto: Thorsten Gütling

70.000 Fahrzeuge an einem Tag

Pfeifer sagt, weil bei Himmelkron nicht nur alles vorbei müsse, was sich aus Richtung  München und Berlin auf der Autobahn bewege, sondern kurz vor der Brücke auch noch die A70 auf die A9 treffe, handle es sich bei der Lanzendorfer Brücke um den “höchstbelasteten Autobahnabschnitt in ganz Oberfranken”. 70.000 Fahrzeuge würden die Brücke im Durchschnitt an einem Tag passieren. In Spitzenzeiten sogar deutlich mehr. Um Staus und Auffahrunfälle zu verhindern, habe man sich für die Beibehaltung der fünf Fahrspuren entschieden.

Wir nutzen da alles aus, was geht.

(Thomas Pfeifer, Dienststellenleiter Bayreuth, Autobahndirektion Nordbayern)

Im Sommer wechselt die Baustelle die Seite

Statt drei Spuren in Richtung Berlin hätte man allerdings genauso gut drei in Richtung Nürnberg ausweisen können. Denn während zum Wochenende mehr Lastwagen in Richtung Berlin unterwegs seien, strömten die Lastwagen zum Wochenanfang in Richtung München. Und: Die Anzahl der Spuren könne sich jederzeit ändern. Dann zum Beispiel, wenn sich die Baustelle im Sommer von der Fahrbahn in Richtung Süden auf die Fahrbahn in Richtung Norden verlagere.

Lanzendorfer Brücke: Asphaltreste türmen sich auf der gesperrten Fahrbahn in Richtung Norden. Foto: Thorsten Gütling

 

Aus alten Fehlern lernen

Einfach habe man sich die Entscheidung nicht gemacht, sagt Pfeifer. Die Autobahndirektion habe Erfahrungswerte von Baustellen der vergangenen fünf Jahre zugrunde gelegt. Unter anderem, als im vergangenen Jahr bei Marktschorgast und bei Bayreuth die Autobahn saniert wurde, sei dem Verkehr mit nur vier Fahrspuren kaum beizukommen gewesen.

Lanzendorfer Brücke: eingerüstet auf über 1000 Meter Länge.. Foto: Thorsten Gütling

 

Genügend Platz für fünf

Dass die Spuren im Baustellenbereich zu schmal sind und auf der Brücke derzeit nur Platz für vier sei, bestreitet Pfeifer. In Richtung Nürnberg sei die linke Spur 2,60 Meter breit und damit für Fahrzeuge bis 2,10 Meter zugelassen. In Richtung Berlin ist die linke Spur zehn Zentimeter schmaler und für Fahrzeuge bis zwei Meter zugelassen. Die Maße seien so erlaubt, schmaler dürften sie aber auch nicht sein.

Umweg? Verkraftbar!

Zu guter Letzt hält der Dienststellenleiter die Befürchtungen aus Himmelkron für Übertrieben.

Wir müssen auch mal die Kirche im Dorf lassen.

(Thomas Pfeifer, Dienststellenleiter Bayreuth, Autobahndirektion Nordbayern)

Abfahren könne jeder, gesperrt nur eine der Auffahrten, nämlich die in Richtung Nürnberg, und die Umleitung zur Anschlussstelle Bindlacher Berg sei mit sechs Kilometern Länge über eine Bundesstraße absolut “verkraftbar”. Die Brücke sei mit der Sperrung der Auffahrt auf jeden Fall sicherer geworden. Der Beschleunigungsstreifen endet nämlich direkt dort, wo die Baustelle beginnt.

Lanzendorfer Brücke: Kameras nehmen den Verkehr auf und zählen die Fahrzeuge. Foto: Thorsten Gütling

 

Bis nächste Woche wird gefilmt

Und dennoch kündigt Pfeifer an, nächste Woche vielleicht nachbessern zu wollen. Derzeit werde der Verkehr mit Videokameras aufgezeichnet und Fahrzeuge würden gezählt. Einschränkende Maßnahmen, wie die Sperrung einer Auffahrt, werde man nur solange aufrecht erhalten, wie unbedingt nötig.

Nächste Woche Dienstag hat die Autobahndirektion den Verkehrsfluss dann für jeden Tag der Woche einmal aufgezeichnet. Dann will sie das weitere Vorgehen beraten. Denn: “Zufrieden sind wir auch nicht”, sagt Pfeifer.