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Coronavirus

Bayreuther Hotelbetreiberin in der Corona-Krise: „Manchmal hatten wir nur zwei Gäste“

Das Hotel Restaurant Lohmühle in Bayreuth wird an Pfingsten für Urlauber öffnen. Worauf die Hausherrin dabei achten muss, erklärt sie im Gespräch mit dem bt.

Seit 23 Jahren betreibt Martina Groh-Walter das Hotel Restaurant Lohmühle in Bayreuth. Als Unternehmerin im Bereich Gastronomie/Hotellerie hat sie einen entscheidenden Vorteil: Das Haus gehört ihr, sie muss somit keine Pacht bezahlen. Das bt hat mit ihr zu den Aussichten für ihren Betrieb in der Corona-Pandemie gesprochen. So gespalten sehen Hotelbetreiber aus der Region Bayreuth die aktuelle Situation und die Öffnungsmöglichkeiten in der Corona-Krise.

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„Wir sind Erfüllungsschergen“: Bayreuther Hotelbetreiberin über ihre Situation in der Pandemie

42 Zimmer plus eine Ferienwohnung, rund 60 Betten und ein Restaurant: Das bietet das Hotel Restaurant Lohmühle in Bayreuth. Der aktuelle Status dort: Es ist kompliziert. So erklärt die Chefin Martina Groh-Walter im Gespräch mit dem bt, dass sie eine Zertifizierung zur Corona-Testerin habe. Leider nur dürfe sie den Gästen in ihrem Hotel keine anderswo gültige Bestätigung  ausstellen.

„Anderswo ist das schon gang und gäbe, in Bayern nicht.“ Dafür habe sie kein Verständnis. Beispiel: Ein Urlaubsgast will in ein Museum. Dass er im Hotel Restaurant Lohmühle bereits einen Test gemacht hat, bringt ihm beim Eingang zum Museum nichts.

Tagesumsatz 160 Euro: Es wurde still und kalt im Hotel Restaurant Lohmühle in Bayreuth

Bei rund 60 Betten, die bis Pfingsten wegen des Lockdowns nur für Geschäftsreisende verfügbar waren, wurde es still im Haus und kalt. „Manchmal hatten wir nur zwei Gäste.“ Da habe sie die Heizung in den Stockwerken auf ein Minimum gedreht. „Es gab Tage, da haben wir nur 160 Euro umgesetzt“, erzählt Groh-Walter. Freilich sei das zu wenig.

„Mitte Januar 2021 wurden es mehr Gäste.“ Allerdings sei dann der Frühstücksraum zu klein geworden. Mehr als 25 würden hier aufgrund der Abstandsregeln nicht Platz nehmen können. „Wer frühstückt schon gerne im Stehen?“ Gerade in den Wintermonaten habe die Gastronomie im Haus sehr zu leiden gehabt.

Sicherheit hat oberstes Gebot: Wie das Hotel Restaurant Lohmühle in Bayreuth auch an Mitarbeiter denkt

Sicherheit in ihrem Hotel ist Martina Groh-Walters oberstes Gebot. Die zeigt sich vielschichtig und anders, als man es vielleicht erwarten würde. „Ich brauche meine Mitarbeiter“, sagt sie. Deswegen werden in der Pandemie beispielsweise die Zimmer erst nach Abreise eines Gastes gereinigt. Dann heißt es Fenster auf und lüften und danach reinigen und desinfizieren.

Schlechte Bewertungen im Internet wegen Corona

„Jeder muss Maske tragen“, mahnt Martina Groh-Walter und berichtet von uneinsichtigen Gästen, die sich auf die Situation in ihrem Bundesland, ihrer Region oder gar auf fragwürdige Bestätigungen eines Arztes auf Maskenbefreiung berufen haben. Sogar schlechte Bewertungen auf einschlägigen Hotelportalen habe es schon gegeben, weil sich Gäste anderswo angesteckt haben, diese Ansteckung aber auf das Haus geschoben hätten. Dem Rahmen-Hygieneplan sehe sie gelassen entgegen. „Unser Hygienekonzept hat bereits gezeigt, dass wir mehr tun, als eigentlich gefordert ist.“

Die Corona-Pandemie sei eine große Durststrecke, die viele Anstrengungen einfordere, keine Frage, aber sie sei froh, dass der Laden langsam wieder anläuft, auch wenn alles sehr kurzfristig sei. Zwei Jahre schon habe sie keinen Urlaub mehr gemacht, aber dieses Jahr würden sie und ihr Mann sich das nicht nehmen lassen. „Meine Mitarbeiter haben alles im Griff.“ Eine Tour mit dem Wohnmobil sei geplant, aber da würden die Probleme wieder anfangen von wegen „wo ist was erlaubt?“, aber das sei eine andere Geschichte.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß