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Coronavirus

Corona-Impfungen im Raum Bayreuth: „Hausärzte sind am Rande der Belastbarkeit“

Seit letzter Woche gilt das Ende der Priorisierung beim Impfen für bayerische Hausärzte. Das bt hat bei Ärzten in Bayreuth Stadt und Land nachgefragt, was das für ihre Arbeit bedeutet.

Seit dem 20. Mai 2021 ist die Priorisierung beim Impfen gegen das Corona-Virus in bayerischen Arztpraxen aufgehoben. Welche Meinung haben Bayreuther Hausärzte dazu? Wollen jetzt noch mehr Patienten einen kurzfristigen Termin vereinbaren? Das bt hat bei zwei Ärztinnen nachgefragt. Bei der Corona-Impfung in Bayreuth hat es einen Fehler gegeben. Das hat das Bayreuther Landratsamt am Donnerstag (27.5.2021) mitgeteilt. Knapp 600 Geimpfte könnten betroffen sein.

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Impfpriorisierung in Arztpraxen aufgehoben – das sagen Hausärztinnen aus Bayreuth dazu

Das Ende der Impfpriorisierung habe die Situation „nochmals deutlich schwieriger“ gemacht. Das sagt Dr. Alexandra Finkenzeller aus Bayreuth. Sie hat Verständnis dafür, dass jeder Impfwillige so schnell wie möglich geimpft werden möchte – auch in ihrer Praxis. Dennoch schränkt sie ein: „Aufgrund der Lockerungen für Geimpfte wird die Warteliste in der Praxis immer länger und ist kaum zu bewältigen.“

Trotz Ende der Priorisierung: Unverständnis bei einigen Patienten

Finkenzeller stellt ein Ungleichgewicht zwischen verfügbarem und gewünschtem Impfstoff der Patienten fest. Seit dem Ende der Impfpriorisierung stünde ihrer Praxis zu wenig Biontech-Impfstoff für Erstimpfungen zur Verfügung. „Nur noch für Zweitimpfungen – wenn wir Glück haben. Den Impfstoff von Astra, der wohl verfügbar ist, will auf der anderen Seite kaum jemand haben.“ 

Der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, befürchtet, dass sich die Gesellschaft trotz des Impffortschritts noch lange mit Corona beschäftigen müsse.

Patienten hätten auch schon mit Unverständnis reagiert. Finkenzeller zufolge würde von den Medien der Eindruck vermittelt, dass es genug Impfstoff gebe und die Hausärzte entsprechend lange impfen könnten. „Die Meldungen der Politik sind absolut kontraproduktiv“, klagt Finkenzeller. Sie würden „die wahren Begebenheiten in den Praxen in keiner Weise abbilden.“

Ende der Priorisierung bringt Hausärzte an den „Rand ihrer Belastbarkeit“

Ob das Ende der Impfpriorisierung richtig ist, will Finkenzeller nicht pauschal beantworten. Sie sagt jedoch, das frei zugängliche Impfen sei zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem es nicht „genug Impfstoff gibt, um alle zu impfen, vor allem die jüngeren Gesunden.“

Impftermine bietet Finkenzeller in ihrer Praxis außerhalb der regulären Sprechzeiten an. Sie appelliert: „Dies lässt sich auf Dauer so nicht stemmen. Die Impfzentren scheinen ausgelastet und die Hausärzte sind am Rande ihrer Belastbarkeit.“ Bereits im April konnten sich Impfwillige aus Bayreuth Stadt und Landkreis im Rahmen einer Sonderimpfung unabhängig von der Priorisierung gegen Corona Impfen lassen.

Landkreis Bayreuth: Impftermine innerhalb von zehn Tagen für Stammpatienten

Dr. Petra Reis-Berkowicz schildert ein anderes Bild. Sie ist die stellvertretende Landesvorsitzende der Bayerischen Hausärzteverbandes. Sie führt eine Arztpraxis in Gefrees. Sie ist der Meinung, das Impfen gehöre hauptsächlich in die Hände der Hausärzte und weniger in die der Impfzentren. 

In den ersten Tagen nach Bekanntwerden des Priorisierungsstopps hätten sich zehn bis fünfzehn Personen täglich nach einem Impftermin erkundigt. Und nach den Pfingstfeiertagen hätte sich die Nachfrage wieder etwas gelegt. Dass man bis zum eigenen Impftermin länger warten müsse, verneint Reis-Berkowicz: „Wir konnten alle Interessenten innerhalb von zehn Tagen terminieren.“

Ärztin aus dem Landkreis: Ende der Priorisierung beim Impfen ist richtig

Reis-Berkowicz begrüßt das Ende der Priorisierung. Eine entsprechende Frage danach beantwortet sie eindeutig: „Ja, da die Praxen inzwischen in den unterschiedlichsten Priorisierungsstadien angekommen sind.“ In ihrer Praxis würden alle Altersgruppen geimpft. Die Erstimpfungen der ersten drei Prio-Gruppen seien abgeschlossen und die Zweitimpfungen seien in vollem Gange. „Somit können wir sehr flexibel reagieren und mussten bei inzwischen annähernd 1.000 Impfungen nicht eine Dosis wegschmeißen.“

Jürgen Lenkeit

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Jürgen Lenkeit