Darum zieht die Verbraucherzentrale gegen Viagogo vor Gericht

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Wie die Verbraucherzentrale Bayern meldet, hat sie Viagogo, den schweizer Zwischenhändler für Veranstaltungs-Tickets, verklagt. Viagogo vermittelt Kunden zu privaten Verkäufern von Konzert- und Fußballtickets.

Verklagt hat die Verbraucherzentrale den Zwischenhändler vor dem Landgericht München aus gleich mehreren Gründen:

Irreführendes Geschäftsmodell

Erstens heißt es, Viagogo trete wie ein offizieller Ticketverkäufer auf und gebe irreführende Garantien, die das Unternehmen nicht halten könne. Während des gesamten Kaufvorgangs werde nicht deutlich, dass Viagogo nicht Verkäufer der Tickets ist, sondern zwischen privaten Verkäufern und Käufern vermittelt, meldet die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage. Da die Schweizer Ticketbörse nicht den jeweiligen Verkäufer angebe, vermittele sie Käufern den Eindruck, sich auf einer offiziellen Kartenverkaufsseite zu befinden. Allerdings weißt Viagogo auf die Vermittlung in den AGB hin.

„Für Verbraucher ist beim Kauf von Tickets auf Viagogo jedoch kaum zu erkennen, dass es sich um keine offizielle Vorverkaufsstelle handelt.“ (Susanne Baumer, Teamleiterin Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern)

Unklare Geschäftspartner

Zweitens heißt es, die Käufer würden auf Mehrkosten auch deshalb sitzen bleiben, weil die eigentlichen Verkäufer der Tickets oft unbekannt blieben. Auch wenn die Tickets gar nicht geliefert würden, bleibe der Käufer auf dem Schaden sitzen. Der Anwalt von Viagogo argumentiert laut Bayerischem Rundfunk dagegen, dass die Verkäufer von Karten gesetzlich sogar anonym bleiben müssten.

Zwar sichere das Unternehmen den Erhalt der Tickets zu, schränke in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen diese Garantie jedoch erheblich ein. Konkret heißt es, mit seiner Garantie erwecke das Unternehmen zusätzlich den Eindruck bei den Kunden, es mit einem direkten Ticketverkäufer zu tun zu haben. Die Verbraucherzentrale schreibt:

Tatsächlich beinhaltet diese Garantie jedoch nicht mehr, als dem Käufer gesetzlich sowieso zusteht. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen wird sie zudem noch erheblich eingeschränkt.

Demnach behalte sich die Ticketbörse das Recht vor, Ersatztickets nach eigenem Ermessen auszuwählen. Nach Ansicht der Verbraucherschützer könnte es daher vorkommen, dass die Käufer nicht die bestellten, sondern Tickets für andere Tage oder andere Plätze bekommen. Angeblich hätten sich zahlreiche Kunden auch darüber beschwert, dass Viagogo lediglich ein Formular mit eingeschränkter Themenauswahl anbiete, weswegen zahlreiche Reklamationen nicht angebracht werden könnten.

Überraschende Zusatzkosten

Zu guter Letzt weise Viagogo den Kunden nicht ausreichend darauf hin, dass zu dem Preis für die Tickets noch Buchungs- und Abwicklungskosten sowie die Umsatzsteuer hinzukäme. Damit verstoße der Zwischenhändler nach Ansicht der Verbraucherschützer gegen den Grundsatz der Preisklarheit.

Die Verbraucherschützer hatten Viagogo deshalb zuvor per Abmahnung aufgefordert, seine Dienstleistung deutlich zu machen und die Preise transparent darzustellen. Weil Viagogo darauf nicht reagierte, reichte die Verbraucherzentrale Bayern Klage ein. Wie der BR schreibt, drohte dem Unternehmen mit Sitz in Genf ein Ordnungsgeld von rund 250.000 Euro, sollte es vor Gericht verlieren und seine irreführende Werbung nicht aus dem Internet entfernen. Künstler wie Rammstein oder Ed Sheeran hätten der Ticketbörse den Verkauf von Karten zu überteuerten Preisen per einstweiliger Verfügung bereits untersagt. Trotzdem seien Karten der Künstler weiter über Viagogo angeboten worden.