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„Wenn ich was Gescheites reintu, kommt was Gescheites raus“ – Bayreuther Metzger äußern sich zur Billigfleischdiskussion

Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind – laut einer Umfrage des Landwirtschaftsministeriums – bereit, höhere Preise für Fleisch und Wurst zu zahlen. Doch was sagen die Bayreuther Metzger zu der Debatte um das Billigfleisch? Das bt hat nachgefragt.

Viele Menschen in Deutschland sind nicht bereit, höhere Preise für Fleisch und Wurst zu zahlen, wenn sich dadurch die Haltungsbedingungen der Tiere verbessern. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Was sagen die Bayreuther Metzger zu der Debatte um billiges Fleisch? Das bt hat nachgefragt. Die bt-Leser haben darüber abgestimmt, wo des den besten Leberkäse Bayreuths gibt.

Genussregion Oberfranken: Bayreuther Metzger äußern sich

Helmut Parzen von der Metzgerei Parzen aus Bayreuth, einem Familienunternehmen in der 4. Generation sagt: “

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„Wenn, ich was Gescheites reintue, dann kommt auch was Gescheites dabei raus. Das bedeutet, ich muss beim Preis alle Faktoren berücksichtigen – die Arbeit der Landwirte, die Tierhaltung und die Produktionskosten beim Schlachten.  Natürlich kann ich meinen Leberkäse auch für höhere Preise wie 2,10 Euro verkaufen, aber dann geht das Handwerk kaputt. Wir sind eben Genusshandwerker.“

(Helmut Parzen)

Zwar hat Parzen Verständnis für Kollegen, die versuchen erwerbsorientiert zu arbeiten und Gewinne zu erzielen. Er aber sagt, das müsse jeder Metzger mit seinem Gewissen vereinbaren und für ihn, ginge das nur über einen ordentlichen Preis.

Billigfleisch als Non-Plus-Ultra?

Helga Wiesenmüller besitzt ebenfalls eine Metzgerei in Bayreuth und ist über das Kaufverhalten der Leute empört:

„Die Leute müssen dringend mal umdenken. Die Realität ist, dass 80 Prozent des Fleisches, das die Deutschen essen, aus dem Discounter kommt. Billigfleisch ist das Non-Plus-Ultra auch in Oberfranken. Die Kunden, die wirklich Qualität kaufen wollen, sind junge Menschen unter 30 Jahre. Die haben wirklich wieder ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und interessieren sich auch für das Tierwohl und die Haltung.“

(Helga Wiesenmüller)

Laut Wiesenmüller könne diese Entwicklung jeder bemerken: Denn selbst, wenn Kunden sich für die  Haltungs- und Schlachtbedingungen interessieren würden – die Infrastruktur hierfür würde systematisch kaputt gemacht. Auch Parzen sagt, es werde schwieriger regional zu arbeiten. Kurze Wege zum Schlachthof und die Verarbeitung des ganzen Tieres – das sei wichtig für die nachhaltige Produktion. Doch die Kleinbetriebe gehen bankrott, weil sie von der Industrie geschluckt werden, sagt Wiesenmüller. Ein Imbissbesitzer in Oberfranken transportierte sein Hackfleisch kürzlich fast ungekühlt durch Oberfranken.

Mehr Bezug zum Lebewesen

Christian Schmaus verkauft Fleisch auf dem Wochenmarkt und in seinem Feinkostgeschäft in Bayreuth. Er wünscht sich, dass die Bildung Menschen auf die richtige Fährte führe:

„Man muss den Leuten wieder einem Bezug zum Tier beibringen und klar machen, dass Fleisch immer mal ein Lebewesen war. Nur dann, sagt der menschliche Verstand auch, dass man gerne bereit ist dafür mehr Geld auszugeben. Kinder sollten das schon in der Grundschule lernen. Es sollte mehr Wandertage zu Bauernhöfen geben. Nur durch Bildung erreichen wir ein Umdenken und eine Verurteilung der jetzigen Fleischindustrie.“

(Christian Schmaus)

Bayreuther Tagblatt - Ricarda Schoop

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Ricarda Schoop