Dieselskandal: Experten raten von Sammelklage ab

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Bis Ende September müssen sich Geschädigte im Diesel-Skandal entscheiden: Teil der Sammelklage werden oder individuell gegen VW vorgehen. Hier erfahren Sie, warum sich eine individuelle Klage durchaus lohnen kann und wo es am schnellsten geht.

Sammelklage nur erste Runde

Ab dem 30. September wird verhandelt. Da startet in Braunschweig die Musterfeststellungsklage im Diesel-Skandal gegen die Volkswagen AG. Neben VW sind auch noch Audi, Seat und Skoda Teil des Verfahrens. Das Urteil daraus wird jedoch erst in vier Jahren erwartet. 

Das Problem: Auch wenn die Klage vor Gericht Erfolg hat, müssten die Dieselbesitzer ihren jeweiligen Schadensersatz danach individuell einklagen. Die Musterfeststellungsklage würde lediglich Vorfragen zu Gunsten des Verbrauchers klären, wie die Anwaltskanzlei Dr. Hoffman und Partner aus Nürnberg erklärt. Im Falle einer Niederlage könnten Schadensersatzansprüche anschließend jedoch nicht mehr vor einem anderen Gericht eingeklagt werden.

Blitz-Klage in Bayreuth

Daneben haben Geschädigte auch die Möglichkeit, individuell zu klagen. Erst Anfang Juli verurteilte das Landgericht in Bayreuth VW in einem Verfahren zu Schadensersatz. Das Ergebnis: Die Klägerin erhielt sogar mehr Geld zurück, als sie für den Pkw ursprünglich gezahlt hatte. 

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Symbolfoto: Pixabay

Erhebliche Unterschiede

Die Kanzlei Goldenstein und Partner vertritt in der Sammelklage gegen VW über 10.800 Mandanten. Auf ihrer Website rightnow.eu informiert die Kanzlei seit der Dateneingabe bis zum finalen Urteil über Entwicklungen in der Sache. Jüngst hat die Kanzlei mehr als 1.000 Prozesse von individuellen Klägern im Abgasskandal ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass es erhebliche Unterschiede je nach Standort des Gerichts gibt. 

Zwischen Heilbronn und Hamburg

Die schnellsten Urteilssprüche fällt dabei das Landesgericht Heilbronn. Durchschnittlich dauerte dort ein Prozess in der Sache circa 157 Tage. Knapp dahinter liegen die Gerichte in Frankenthal (Pfalz) und Paderborn. Auf der anderen Seite der 42 untersuchten Standorte liegt mit 418 Tagen das Landgericht Hamburg. Auch in Nürnberg-Fürth, Dortmund oder Siegen müssen Kläger im Durchschnitt über ein Jahr auf ein Urteil im Dieselskandal warten. Die Fränkischen Gerichte in Bamberg (253 Tage) und Coburg (321 Tage) liegen im vorderen beziehungsweise hinteren Mittelfeld der Tabelle. Die vollständige Rangliste finden Sie hier.

Hier werden im Durchschnitt die schnellsten Urteile im Dieselskandal gefällt

  1. Heilbronn: 157 Tage
  2. Frankenthal (Pfalz): 168 Tage
  3. Paderborn: 187 Tage
  4. Potsdam: 211 Tage
  5. Aachen: 221 Tage
  6. Essen: 222 Tage
  7. Düsseldorf: 225 Tage

Hier müssen Kläger durchschnittlich am längsten warten

  • Kiel: 347 Tage
  • Nürnberg-Fürth: 366 Tage
  • Koblenz: 370 Tage
  • Gießen: 381 Tage
  • Dortmund: 385 Tage
  • Siegen: 392 Tage
  • Hamburg: 418 Tage
VW

Foto: Pixabay

Letztlich sind aber auch die 13,9 Monate, die ein solcher Prozess in der Hansestadt dauern kann, deutlich kürzer als die vier Jahre, die die Musterfeststellungsklage voraussichtlich dauern wird. Bis zum 30. September haben Geschädigte noch die Möglichkeit, aus der Sammelklage auszutreten, um gesondert vor Gericht zu ziehen.