Ein Tattoo, das Leben retten soll

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Ein blauer Kreis, ein Wort, ein Buchstabe, eine Zahl: Diese vier Komponenten sollen im Notfall Leben retten. Wie? Als Tattoo auf dem Unterarm. Das Symbol zeigt, dass sein Träger Diabetiker ist und an welchem Typ er erkrankt ist. Mit diesem Wissen sollen Ersthelfer schneller handeln können.

Sebastian Trapp, Inhaber des Bayreuther Tattoo-Studios Don’t Panic Ink, tätowiert seit 2012. Zunächst mussten Bananenschalen für die ersten Versuche herhalten, dann sein eigenes Bein. Er ist einer von einer mittlerweile immer größer werdenden Gemeinschaft von Tätowierern, die Diabetikern das Symbol kostenlos stechen.

Das erste Diabetes-Tattoo ist unter der Haut

Mitte Juli stach Trapp einem Diabetiker das erste Tattoo. “Direkt am Handgelenk, wo der Puls gemessen wird und das Symbol gut zu sehen ist”, sagt der Tätowierer. Der blaue Kreis habe einen Durchmesser von rund drei Zentimetern, könne aber auch etwas kleiner gestochen werden, darin steht entweder “T1” oder “T2”, je nach Typ. Und unter dem Kreis steht “Diabetic”. Das Motiv bleibe allerdings immer gleich. In gut 30 Minuten war das Tattoo fertig.

Mediziner sind skeptisch

Einige Kritiker sagen, das Tattoo sei unnötig oder könnte sogar in die Irre führen, wenn der Zustand des Patienten nichts mit seiner Zuckerkrankheit zu tun hat. Im Notfall könnten Sanitäter außerdem innerhalb weniger Sekunden mit einem Schnelltest herausfinden, ob jemand Diabetiker ist und ein Bewusstloser unterzuckert ist.

Auch Trapp hatte zunächst Bedenken. “Als der Kunde allerdings vor ein paar Wochen angefragt hat, ob ich es mache, habe ich mich doch dafür entschieden, bei der Aktion mitzumachen”, sagt Trapp. Er sieht das Tattoo vor allem als Hinweis für Ersthelfer, nicht unbedingt für Mediziner.

Offener Umgang mit Krankheit

Sein nächster Kunde, der offen mit seiner Krankheit umgeht und dies mit dem Tattoo auch zeigen möchte, komme bereits am Montag. Dann wirft der Tätowierer für den guten Zweck wieder seine Maschine an und holt die Tinte raus. Doch wie bei allen Tattoos gilt auch hier: Der Kunde muss mindestens 18 Jahre alt sein. Da macht Trapp keine Ausnahme.

Wie Trapp erzählt gebe es für Diabetiker auch Kettchen und Armbänder mit dem gleichen Ziel. Er findet allerdings: “Ein Tattoo sticht mehr ins Auge und hält länger.” Im besten Fall ein Leben lang.

Gut zu wissen

Forscher der Harvard Medical School und vom MIT haben übrigens eine Tattoo-Tinte erfunden, die ihre Farbe wechselt, wenn die Blutwerte nicht passen. Das Tattoo misst unter anderem auch die Blutzuckerwerte. Da es nicht mit dem Blutkreislauf verbunden ist, werden die Werte anhand der Gewebsflüssigkeit gemessen. Befindet sich zu viel Zucker im Blut, verfärbt sich die Tinte braun. Bislang wurde das Dermal Abyss Ink jedoch nur an Schweinehaut, die der menschlichen Haut sehr ähnlich ist, getestet. Mit Erfolg.