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Prostitution

“Eine Gesellschaft ohne Prostitution funktioniert nicht” – Alice Frohnert kämpft für mehr Akzeptanz der Sexbranche

Alice Frohnert ist ehemalige Prostituierte, Aktivistin und Journalistin. Sie hat promoviert und ein Buch über Prostitution und deren Rolle in der Gesellschaft geschrieben. 

Das Sexgewerbe leidet stark unter der Corona-Pandemie. Symbolfoto: pixabay

Corona hat viel verändert: Die Sexbranche ist eine der Berufsgruppen, die besonders stark betroffen von den Corona-Beschränkungen betroffen ist. Die Bordelle in Bayern mussten im März 2020 schließen und dürfen in Bayern teilweise immer noch nicht öffnen. Dabei wurde ein Hygienekonzept erarbeitet.

Sexarbeiter in Bayern sind durch die Corona-Krise stigmatisiert

Alice Frohnert ist ehemalige Prostituierte, Aktivistin und Journalistin. Sie hat promoviert und  ein Buch über Prostitution und deren Rolle in der Gesellschaft geschrieben. Sie sieht die ohnehin schon stigmatisierte Sexarbeit durch Corona noch stärker diskriminiert als sonst:

“Prostituierte werden ohnehin schon gesellschaftlich diskriminiert. Aber durch Corona geraten sie jetzt in eine ganz schwierige Situation. Sie verdienen kein Geld, wenn sie nicht arbeiten. Wenn sie aber arbeiten, dann verstoßen sie gegen Regeln. Das ist nicht in Ordnung.”

Die Argumentation mit den Hygieneregelungen ist für Frohnert nicht haltbar: “In den meisten Puffs wird sowieso sehr sauber gearbeitet – mit Kondomen und Duschen nach jedem Freier. Es wird sehr viel geputzt. Corona sollte das nicht ändern.”

Die Politik in Deutschland setzt sich dafür ein, dass sich die Arbeitsbedingungen im Milieu verbessern. Laut Frohnert nimmt Deutschland eine Vorbildfunktion ein, wenn sie es mit Ländern wie Luxemburg und Frankreich vergleicht. Doch die Pandemie macht alle Fortschritte mache alles zunichte, was in den letzten Jahren erreicht worden ist.

Keine Gesellschaft funktioniert ohne Prostitution

Die Sexarbeiter-Branche sei ein hartes Geschäft: Respektlosigkeit und Objektivierung seien nur zwei Probleme mit denen sich die Frauen auseinander setzen müssen. Obwohl es nette Kunden gebe, sei das leider nicht der Normalfall, erklärt Frohnert.

Sie hat über 15 Jahre in diesem Geschäft hinter sich und sagt selber: Sie habe alles gesehen. Dennoch ist sie der Meinung, dass eine Gesellschaft ohne Prostitution nicht existieren kann: “Eine Gesellschaft ohne Prostitution funktioniert nicht. Da machen wir uns was vor. Der Sexualtrieb ist der stärkste Trieb des Menschen. Wenn es keine Prostituierten mehr gäbe, würden auch die Vergewaltigungen ansteigen. Das ist ein natürlicher Trieb. ”

Veränderungen im Milieu seien dennoch möglich

Alice Frohnert ist dennoch nicht frustriert. Sie kämpft weiter für die gesellschaftliche Akzeptanz und den Respekt für Sexarbeit.

“Man muss zufrieden sein, wenn man einen Schritt nach vorne macht. Wir sind Menschen und Menschen brauchen Zeit. Man kann nicht erwarten, dass sich die ganze Branche innerhalb von ein paar Jahrzehnten umkrempeln lässt. Das ist eine Dauerbaustelle: Es geht zwar voran, aber es ist immer was zu tun.”