Einschulung: Landtag rückt vom Stichtag ab

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Bisher war es so: Kinder, die bis zum 30. September eines Jahres sechs Jahre alt werden, galten in Bayern als schulpflichtig. Im Juni 2018 wurde eine Petition gegen Früheinschulung gestartet. Die Unterzeichner sprechen sich für eine Änderung des Stichtages für Einschulungen in Bayern aus. Über 20.000 Menschen haben die Petition unterzeichnet. Der bayerische Landtag ist der Forderung jetzt nachgekommen.

Die Initiatorin der Petition, Dominique Franzen aus München, hatte gefordert, den Stichtag auf den 30. Juli zurückzuverlegen oder Eltern, deren Kinder zwischen Juli und September geboren wurden, die Entscheidungsfreiheit bei der Schulrückstellung selbst zu überlassen.

Es gibt immer wieder Kinder, die mit gerade mal 6 Jahren oder sogar 5 Jahren schulpflichtig, aber noch nicht schulfähig sind. Dies führt oftmals zu Misserfolgs- und Frustrationserlebnissen auf Seiten der Kinder.

(Dominique Franzen, Initiatorin der Petition)

Neben viel Zuspruch für eine Neuregelung kamen auch Zweifel auf. Kinder würden gerade in jungen Jahren schnell lernen und der Grad der Bildung sinke auch mit den Anforderungen. Daher sei eine frühe Einschulung für die Kinder überhaupt kein Problem.

Wer von Ihnen hat sein Kind “gefragt”, ob es mit einem Jahr schon reif ist für die Krippe? Hier wird nicht zurückgestellt!

(Kinderarzt, anonym)

21.624 Menschen sprachen sich allerdings für eine Änderung aus. Knapp 20.000 davon kamen direkt aus Bayern. Damit war die Petition erfolgreich und wurde zu Beginn des Jahres im Bayerischen Landtag diskutiert. Mit folgendem Ergebnis:

Der “Einschulungskorridor” für Erstklässler kommt

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) Foto: Freie Wähler

Ab dem kommenden Schuljahr wird es für Kinder die zwischen Juli und September geboren sind, einen Einschulungskorridor geben. Nach eingehender Beratung können die betroffenen Eltern dann selbst entscheiden, ob ihre Kinder eingeschult werden sollen oder nicht. Bis Mai müssen sie sich aber entscheiden. Äußern sie sich nicht, wird das Kind automatisch eingeschult.

Bisher erwies sich die Rückstellung von der Einschulung laut der Initiatorin der Petition, Dominique Franzen, als schwierig. Wollten Eltern ihr Kind später einschulen, mussten sie dazu einen Antrag bei der Schule stellen. Die Entscheidung traf schließlich der Schulleiter. Künftig muss nicht mehr begründen, wer sein Kind später einschulen will. Jetzt haben also Mütter und Väter das letzte Wort.

Gudrun Brendel-Fischer, Abgeordnete der Bayreuther CSU im Bayerischen Landtag und früher selbst Lehrerin, äußert sich dazu auf bt-Anfrage wie folgt:

Den Einschulungskorridor halte ich für eine gute Lösung. Die Petition verstehe ich allerdings nicht.

(Gudrun Brendel-Fischer)

Demnach hätten die Schulleiter auch bisher in den allermeisten Fällen den Wünschen der Eltern entsprochen. Nach aktuellen Zahlen werden 13 Prozent der Kinder zurückgestellt und nur zwei Prozent vorzeitig eingeschult.