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Coronavirus

Fränkische Landräte fordern Corona-Lockerungen unabhängig von Inzidenz – in der Grenzregion zu Tschechien

Acht Landräte der ostbayerischen Grenzregion zu Tschechien fordern eine Öffnungsstrategie aus dem Lockdown. Zwei fränkische Landräte haben die Forderungen mit unterzeichnet.

Die Landkreise an der ostbayerischen Grenze zur tschechischen Republik haben derzeit im bayerischen und deutschen Vergleich zum Teil hohe bis sehr hohe Corona-Fallzahlen und Sieben- Tage-Inzidenzen.

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Die gesamte oberfränkische Region ist wegen der hohen Inzidenzen in Hof und Wunsiedel sogar Corona-Hotspot in ganz Bayern.

Fränkische Landräte fordern Corona-Lockerungen

Eine Vielzahl der Coronafälle stehe nach Angaben der Landräte dieser Regionen im Zusammenhang mit der Nachbarschaft zur Tschechischen Republik, die vor kurzem als Virusvariantengebiet eingestuft worden ist.

„Der Wunsch nach einer Perspektive für das gesamte Land ist spürbar. In Bayern und Deutschland wird über Öffnungen im Wirtschaftsleben sowie im privaten und schulischen Bereich diskutiert. Einzelne Punkte sind bereits umgesetzt“, schreibt das Landratsamt Wunsiedel i. Fichtelgebirge.

Landräte entwickeln Corona-Strategie für Lockerungen

Diese Perspektive wünschen sich die Landräte der Grenzregion zu Tschechien für alle Regionen Bayerns. „Deshalb fordern wir als bayerische Landkreise entlang der tschechischen Grenze die Umsetzung folgender fünf Punkte. Dabei liegt der Fokus gleichermaßen auf Perspektiven und der Eindämmung des Infektionsgeschehens“, teilt das Landratsamt Wunsiedel mit.

Zusammengefasst fordern die Landräte der ostbayerischen Grenzregion:

  • Testkapazitäten an der Grenze zu Tschechien erhöhen
  • Grenzpendler dürfen mit negativem Test arbeiten
  • Gastronomie und Einzelhandel dürfen mit Hygienekonzept öffnen
  • Nicht benötigter Impfstoff an Grenzregionen
  • Öffnungskonzepte für Schulen und Kitas

Hier gibt es die Punkte der Landräte ausführlich beschrieben:

  1. Die Testkapazitäten in den Grenzregionen werden wesentlich ausgebaut. Dazu werden in jedem Landkreis zusätzliche Schnellteststationen betrieben. Dabei unterstützen Bund und Land mit Personal und Material. Darüber hinaus werden allen Unternehmen Schnelltests zur Verfügung gestellt und Mitarbeiter im Umgang mit diesen geschult. Die Zahl der wöchentlich zur Verfügung gestellten Tests orientiert sich an der Zahl der Mitarbeiter. Die Landkreise begleiten die Teststrategie mit einem Monitoring, um Erkenntnisse anderen Regionen zur Verfügung stellen zu können. Ziel ist es, das Risiko einer Ansteckung des Virus an Orten, an denen Menschen unweigerlich aufeinander treffen, erheblich zu minimieren, Infizierte zu identifizieren und die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
  2. Die tschechischen Grenzpendler können unabhängig von der Systemrelevanz ihre Arbeit aufnehmen. Voraussetzung ist das Vorliegen eines negativen Coronatests, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Nach Möglichkeit sollte täglich ein Coronatest durchgeführt werden. Umfassende Grenzkontrollen aller Einreisenden sind beizubehalten. Grenzpendler müssen sich nach ihrer Einreise auf direktem Weg zu ihrer Arbeitsstätte begeben und diese nach Ende der Berufstätigkeit auf direktem Wege wieder verlassen. Eine gemeinsame grenzüberschreitende Strategie sollte erarbeitet werden. Ziel ist es, die Wirtschaftskraft und die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Unternehmen entlang der tschechischen Grenze unter besonderer Berücksichtigung des Infektionsgeschehens in den tschechischen Nachbarregionen aufrecht zu erhalten.
  3. Für den Einzelhandel und die Gastronomie wird eine inzidenzunabhängige Öffnungsstrategie umgesetzt. Im Gegenzug zur Öffnung werden erhöhte Anforderungen an das Hygienekonzept vor Ort gestellt. Dies umfasst insbesondere eine betriebliche Teststrategie des Personals und – abhängig von Inzidenzwerten – ein regionales Testangebot und Testkonzept der Kunden unter Einbeziehung der Schnellteststationen. Es erfolgt eine Begleitung und Überwachung der Hygienekonzepte. Ziel ist es, dem Einzelhandel, ebenso wie der Bevölkerung, eine deutschlandweit einheitliche Perspektive zu bieten, unabhängig von geografischer Lage und daraus resultierenden Inzidenzwerten. Damit werden Einkaufsströme in andere Regionen vermieden. Durch die Einbindung der Gastronomie werden Zusammenkünfte aus dem privaten in den öffentlichen Bereich verlagert und Zusammenhänge besser ermittelbar.
  4. Ein Immunisierungskonzept wird erarbeitet. Dieses sieht zum einen den Ausbau der Impfkapazitäten vor Ort vor. Zum anderen bieten wir uns an – soweit in anderen Regionen Impfstoff nicht in ausreichender Geschwindigkeit verimpft werden kann und gelagert werden müsste – diesen in den bayerischen Grenzregionen zu impfen. Ziel ist es, die Bevölkerung vor Ort zu schützen, die Inzidenzwerte zu senken und damit gleichsam einen Schutzgürtel für benachbarte Regionen zu schaffen, um so die Ausbreitung des Virus und von Virusvarianten einzudämmen.
  5. Ein Öffnungskonzept für Schulen und Kindertageseinrichtungen wird erarbeitet. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen möglichst zügig Präsenzunterricht bzw. Kindertagesbetreuung anzubieten. Dazu wird bei höheren Inzidenzen ein besonderes Hygiene- und Testkonzept umgesetzt, das modellhaft begleitet und dynamisch angepasst wird. Ziel ist eine bestmögliche Planbarkeit und Verlässlichkeit für die Schulfamilie, weshalb Vorlaufzeiten zu berücksichtigen sind. Lehrkräfte und Erzieher werden prioritär geimpft.

Unterzeichnet haben diese Forderung einer Öffnungsstratege:

  • Landrat aus Hof: Oliver Bär
  • Landrat Wunsiedel: Peter Derek
  • Landrat von Tirschenreuth: Roland Grillmeier
  • Landrat von Neustadt a.d. Waldnaab: Andreas Meier
  • Landrat Schwandorf: Thomas Ebeling
  • Landrat Cham: Franz Löffler
  • Landrätin Regen: Rita Röhrl
  • Landrat Freyung-Grafenau: Sebastian Gruber

Bayreuther Tagblatt - Redaktion

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