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Gemüse aus dem Knast: Hier bauen Häftlinge der JVA Bayreuth Gemüse an

Frisches Gemüse – direkt aus dem Gefängnis.  Das gibt es in der JVA in Bayreuth. Die dortigen Insassen bauen in der anliegenden Gärtnerei bio-zertifiziertes Gemüse an.

Die Justizvollzugsanstalt im Bayreuther Stadtteil St. Georgen in Bayreuth hat eine Gärtnerei mit Gemüse. Das wird direkt gegenüber der JVA auch verkauft.

Geleitet wird die Gärtnerei von Jörg Eckel. Eine andere Besonderheit gibt es in Goldkronach: Hier wird auf einer kleinen Fläche nachhaltiges Gemüse angebaut.

Gemüse aus dem Bayreuther Gefängnis

Direkt gegenüber dem Hauptgebäude der JVA in der Markgrafenallee 49 liegt das Tor zur dazugehörigen Gemüsegärtnerei – mit offenem Tor und ohne direkt erkennbare Hochsicherheitsvorkehrungen. Hinter dem Eingang ist gleich der Verkaufsraum mit den Erzeugnissen: Kürbisse, Gurken, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Kohlrabi, Knoblauch, Salat, Dill, Petersilie… Das meiste stammt aus dem eigenen Anbau.

Die Kunden werden von Insassen betreut. Laut Gärtnereimeister Jörg Eckel seien aktuell 13 Häftlinge in der Gärtnerei tätig, einige davon im Verkauf, andere am Feld und in den Gewächshäusern zur Gemüsepflege und Ernte. Es gebe genug Bedarf für 20 oder mehr Gefangene, berichtet Eckel.

„Gefangene sind gerne in der Gärtnerei“

Eckel sieht die Gärtnerei als positive Entwicklung in der JVA: „Man merkt, die Gefangenen sind gerne in der Gärtnerei. Es gibt frische Luft und keine Zäune oder Gitter.“ Diese Umstände seien gut für die Psyche, gerade wenn andere Insassen sich nur innen aufhalten dürfen.

Eckel sagt, es sei praktisch für die JVA: „Gefangene müssen ja arbeiten und man kann sie nach ihren Vorkenntnissen einsetzen. Die, die bei uns das Gemüse verkaufen, waren vor ihrem Aufenthalt in der JVA auch im Verkauf tätig. Landwirte oder Gärtner haben wir zwar keine, aber im Gemüseanbau hier geht das schon.“

Gefängnisgärtnerei Bayreuth mit Bio-Siegel

Die JVA-Gärtnerei rühmt sich als Bio-Gärtnerei. Jörg Eckel kennt sich dabei gut mit den Vorgängen des ökologischen Gärtnerns aus. Um bei den Pflanzen Schädlinge zu vermeiden, werden gezielt Nützlinge verwendet.

Außerdem ist in den Gewächshäusern die Tröpfchenbewässerung eingerichtet. Dabei werden die Pflanzen über einen längeren Zeitraum automatisch tröpfchenweise mit Wasser versorgt, was die Arbeit einfacher und präziser macht.

Ein besonderes Bild geben die Gurken ab: „Gurken müssen immer weiter wachsen. Da wir aber die Höhe nicht haben, müssen sie eben in die Länge wachsen“, erklärt Eckel. Die Gurken hängen an einer Leine und hangeln sich an dieser nach oben. Ist nach oben kein Platz mehr, werden die Stengel der Pflanze wieder nach unten gezogen und die Blätter entfernt. Nach oben ist dann wieder Platz, sodass die Pflanzen weiter wachsen können.

40 Tonnen Gemüse aus der JVA Bayreuth

Die reine Anbaufläche in der Bayreuther Gefängnisgärtnerei liegt bei etwas über zwei Hektar. Daraus entstehen im Jahr rund 40 Tonnen Gemüse, wovon etwa 25 in den Verkauf und 15 in das Gefängnis gehen.

Eckel ist zufrieden mit den Erträgen: „Wir können natürlich nicht die Anstalt aus eigener Kraft versorgen, weil man nach fünf Salaten auch mal was anderes möchte. Aber wir haben kein Problem, unsere Produkte an den Mann zu bringen.“

Die Gärtnerei der JVA Bayreuth liegt in der Markgrafenallee 49 und hat Montag bis Donnerstag von 7 bis 11:15 Uhr und 12:15 bis 15:30 Uhr sowie Freitag von 7 bis 14:30 Uhr geöffnet.

Bayreuther Tagblatt - Michael Kind

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Michael Kind