Graffiti: “Ding” und “Nils” im Visier der Polizei

Zuletzt aktualisiert am

In der ganzen Stadt sind sie zu sehen: Graffitis und Schmierereien – an Hauswänden, Brücken, Mauern und Verteilerkästen. Für Jugendliche ist es meist der Kick oder die Dynamik einer Gruppe. Sprayern, die in der Szene bekannt sind, geht es hingegen um die Aufmerksamkeit. So wie den Sprayern, die sich seit geraumer Zeit mit den Schriftzügen “Ding” und “Nils” in der Stadt hervortun. Jetzt ist ihnen die Polizei auf der Spur.

An einem Verteilerkasten an der Bamberger Straße haben sich gleich beide Sprayer verewigt. Fotos: Redaktion

Am 10. Mai entdeckte die Polizei an einer Brücke ein neues Werk:

Fick die Polizei – ACAB – Werner R.

(Graffiti in der Stadt)

Dazu gesprayt wurde auch ein Schwein. Die Täter greifen mit “ACAB” (all Cops are Bastards) nicht nur die gesamte Polizei an, sondern beleidigen gezielt den Graffiti-Sachbearbeiter von Bayreuth, Werner Rochholz. Selbstverständlich ist die Schmiererei nicht nur Sachbeschädigung – wie jedes Graffiti –, sondern auch eine Beleidigung. Werner Rochholz nimmt es gelassen. “So ein persönlicher Angriff ist auf jeden Fall die Ausnahme. Vor gut zehn Jahren ist es aber schon einmal vorgekommen”, erinnert sich der Graffiti-Sachbearbeiter.

Lesen Sie auch:

Bei den aktuellen Serien, die die Polizei beschäftigen, gehen die Täter systematisch vor. Straße für Straße werden hauptsächlich Schaltkästen besprüht. Häufig hinterlasse “Nils” auch nur die Buchstaben “ni”, sagt Rochholz.

Auf dem Parkplatz vor dem Neuen Rathaus war der “Nils”-Sprayer unterwegs.

Der Schaden liege im unteren fünfstelligen Euro-Bereich, schätzt der Sachbearbeiter. Die Serie habe bereits Ende des vergangenen Jahres begonnen. Die Polizei sei den Tätern auf der Spur. Im Fall der “Ding”-Graffitis sagt der Polizist:

Wir haben einen jungen Erwachsenen in Verdacht. Die Ermittlungen laufen.

(Werner Rochholz, Graffiti-Sachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt)

Es sei schwierig, nachzuweisen, dass die unzähligen “Ding”- oder “Nils”-Schriftzüge von ein und demselben Sprayer sind. Doch die Polizei hat ihre Methoden: “Wird ein Sprayer erwischt, stellen wir die Graffitis gegenüber und gleichen ab, ob der Schwung in der Schrift zum Beispiel gleich ist”, erklärt Rochholz das Prozedere.

Erwachsenen Ersttätern drohe eine Geldstrafe, Wiederholungstäter müssen mit einer Bewährungsstrafe rechnen. Außerdem bekommen sie die Auflage, den Schaden wiedergutzumachen. Das heißt auf “Ding” und “Nils” würde einiges zu kommen.

Die Stadt entfernt illegale Graffitis an städtischem Eigentum in der Regel zügig. Denn: Eine Fläche, die einmal besprüht ist, lockt auch andere Straßenkünstler an. Wird die Schmiererei zeitnah entfernt, ist die Stelle weniger attraktiv. Werner Rochholz erzählt von einem grünen Gas-Schaltkasten der eine beliebte Fläche in der Szene sei. Die Stadt streiche den Kasten etwa einmal im Jahr neu.

Das Entfernen der Schriftzüge und Bilder ist natürlich kostspielig, denn die Farbe lässt sich nicht einfach mit Wasser und einem Schwamm abwaschen. Dazu braucht es spezielle Mittel – je nach Untergrund. Und natürlich kommt es auch darauf an, wie groß die Schmiererei ist: Je größer, desto teurer wird es, sie wieder wegzumachen. “Bei vielen Schaltkästen müssen manchmal sogar die Türen ausgetauscht werden, wenn sie beschmiert wurden. Das kann ein paar hundert Euro kosten”, sagt Rochholz.