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Wirtschaft

„Harter Start ins neue Jahr“ für oberfränkisches Handwerk durch Corona-Einschränkungen

Die oberfränkische Handwerkskonjunktur war eigentlich dabei sich so langsam zu erholen – bis sie erneut von der Corona-Pandemie ausgebremst wurde. Genauer gesagt, von den aktuellen Corona-Einschränkungen.

Die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bremsen die Erholung der oberfränkischen Handwerkskonjunktur im vierten Quartal 2020 aus.

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Corona bremst oberfränkische Handwerkskonjunktur aus

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der erneute Lockdown für unsere Mitgliedsbetriebe einen schwierigen und harten Start ins neue Jahr bedeutet“, sagt Matthias Graßmann, Vizepräsident der Handwerkskammer für Oberfranken. Nachdem sich die wirtschaftliche Lage im Handwerk im zweiten und dritten Quartal merklich erholt und positive Tendenzen gezeigt hatte, fällt der Geschäftsklimaindex für das vierte Quartal um zehn Punkte auf einen Wert von 99.

Zwar sei der Einbruch nicht ganz so heftig wie im Frühjahr 2020, mache sich jedoch in fast allen Handwerkszweigen bemerkbar. Matthias Graßmann: „Die neuerlichen Beschränkungen treffen viele Betriebe empfindlich.“ Das dämpfe auch die Erwartungen für den Jahresbeginn 2021. 40 Prozent der befragten Betriebe rechnen mit einer schlechten Geschäftslage für das erste Quartal im neuen Jahr.

Hoffnung auf Erholung

„Für das Jahr 2021 erwarten wir dennoch insgesamt eine Erholung der Handwerkskonjunktur in Oberfranken“, so Rainer Beck, Geschäftsführer der HWK. „Die Umsätze und Auftragseingänge haben zum Jahresende 2020 zwar deutlich nachgegeben.

Doch macht die recht stabile Entwicklung der durchschnittlichen Auftragsreichweiten und der Kapazitätsauslastung Hoffnung auf eine Erholung. Allerdings wird sich diese erst dann einstellen, wenn die aktuell geltenden Corona- Maßnahmen gelockert werden“, sagt der Geschäftsführer.

Sichere Arbeitsplätze im oberfränkischen Handwerk

Dann allerdings sei das Handwerk bereit. Denn die Daten des Arbeitsmarktes zeigen, dass dieser im Handwerk robust ist. „Die Beschäftigungsentwicklung bleibt trotz der Krise stabil. Das oberfränkische Handwerk bietet weiterhin gute und sichere Arbeits- und Ausbildungsplätze“, bestätigt Beck.

Zudem sei die Geschäftslage der Betriebe des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes nach wie vor sehr gut, was sich positiv auf die Geschäftslage im Handwerk insgesamt auswirke. 40 Prozent der Befragten vermeldeten demnach für das vierte Quartal eine gute, weitere 33 Prozent zumindest eine befriedigende Geschäftslage.

Liquidität als Starthilfe

Damit das Handwerk in 2021 schnell durchstarten könne, sei es jetzt wichtig, dass die auf den Weg gebrachten Hilfen die betroffenen Betriebe schnell erreichen, ergänzt Vizepräsident Graßmann. „Es reicht nicht, umfangreiche Hilfen nur anzukündigen. Diese müssen jetzt auch ausgezahlt werden.“

Die Programme seien zwar gut und hilfreich, teilweise aber weiterhin oft bürokratisch und an viele Bedingungen geknüpft. „Was unsere Betriebe jetzt brauchen ist ausreichend Liquidität, sodass das Handwerk wieder voll durchstarten kann, sobald die Maßnahmen gelockert werden“, sagt Graßmann.

Einschätzungen aus einzelnen Handwerkszweigen in Oberfranken

  • Die Bau- und Ausbauhandwerke zeigen sich von der Corona-Krise nach wie vor relativ unbeeindruckt. Auch im IV. Quartal sind sie das Zugpferd der Handwerkskonjunktur und berichten eine sehr gute Geschäftslage (94,5 % bzw. 92,5 % gut/befriedigend).
  • Zulieferer und Betriebe des gewerblichen Bedarfs konnten im Vergleich zum letzten Quartal ihre Geschäftslage zwar minimal verbessern, stehen aber weiterhin vor großen Herausforderungen. Jedoch sind 62 % der Betriebe mit ihrer Geschäftslage zufrieden.
  • Im Kfz-Handwerk hat sich die wirtschaftliche Lage merklich verschlechtert. Fast die Hälfte der Befragten weist eine schlechte Geschäftslage aus. Grund dafür dürfte in erster Linie das Verbot des stationären Autohandels verbunden mit einer gesunkenen Nachfrage nach Neufahrzeugen sein.
  • Zwar bekommen auch die Nahrungsmittelhandwerke die Beschränkungen zu spüren, treffen diese aber im Vergleich zu anderen Gewerken etwas weniger stark. 36,5 % haben eine gute, 33,5 % noch eine befriedigende Geschäftslage.
  • Bei den Gesundheitshandwerken stellt sich die Lage ähnlich wie im Vorquartal dar und die erneuten Umsatzrückgänge verhindern eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation.
    60 % zeigen sich mit der Geschäftslage jedoch zufrieden.
  • Aufgrund der angeordneten Schließungen trifft der Lockdown Friseure und Kosmetiker über die Branchen hinweg am härtesten. Dementsprechend vermelden drei Viertel der Betriebe eine schlechte Geschäftslage.

Bayreuther Tagblatt - Redaktion

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