Heftig umstritten: Die Dokumentation “Elternschule”

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Kinder, die stundenlang schreien, nicht schlafen, nicht essen und nicht zu bändigen sind. Eltern, die nicht mehr weiter wissen, Mütter, die bereits von zu Hause ausgezogen sind oder so verzweifelt sind, dass sie darüber nachdenken, ihr Kind ins Heim zu geben. Das ARD hat am Mittwoch die Dokumentation “Elternschule” gezeigt. Und diese ist heftig umstritten.

Wer sich selbst ein Urteil bilden möchte kann die umstrittene Dokumentation noch bis zum 10. Juli in der ARD-Mediathek ansehen.

Bereits 2018 lief die Dokumentation von Jörg Adolph und Ralf Buecheler über die Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen im Kino, nun auch im TV. Und erneut wird heftig diskutiert. Schon der Trailer löste damals einen Shitstorm im Internet aus. Selbst der Deutsche Kinderschutzbund hat sich kritisch dazu geäußert.

Die Filmemacher begleiten in dem Film Eltern und ihre Kinder während der mehrwöchigen Therapie in einer psychosomatischen Klinik. Dort werden Kinder behandelt, die unter chronischem Stress leiden. Ihre Eltern befinden sich häufig kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Gemeinsam sollen sie in der Klinik lernen, wie es anders geht. Die Dokumentation nimmt den Zuschauer mit auf den Weg, den die Familien gehen – mit einem ständigen Auf und Ab, herben Rückschlägen, Fortschritten und der Behandlung, die allen Beteiligten einiges abverlangt.

Kritische Stimmen und Shitstorm im Internet

Der Ansatz der Klinik: Erziehung mit liebevoller Konsequenz. Doch das sehen viele anders. Im vergangenen Oktober äußerte sich der Kinderschutzbund zum Dokumentationsfilm:

Der Film ‘Elternschule’ dokumentiert die Behandlung psychosomatisch erkrankter Kinder und Kleinstkinder. Nach Einschätzung des DKSB zeigt er einige verzweifelte Mütter, die in der Klinik lernen, dass eine Eltern-Kind-Beziehung eine Kampfbeziehung ist und dass sie möglichst hart zu ihren Kindern sein sollen. (…) Über den gewaltvollen Charakter vieler Szenen kann der Verband aber nicht hinwegsehen.
(Deutscher Kinderschutzbund)

Kritisiert wird vor allem die radikale Vorgehensweise des Personals bei der Behandlung. Auf der Facebook-Seite des ARD sind Nutzer entsetzt.

Hier werden jegliche Kinderrechte missachtet. (…) Es fehlt anscheinend an Erwachsenen, die sich feinfühlig und empathisch auf Kinder einlassen können.

(Yvonne E. auf Facebook)

Eine 150kg Frau klemmt einen kleinen Jungen von 12kg zwischen ihre Schenkel, damit er nicht abhauen kann, während sie ihn zum essen, welches aussieht wie ausgekotzt, zwingt.

(Natalie P. auf Facebook)

Lob auf der anderen Seite

Auf der anderen Seite ist der Film in der Kategorie “Bester Dokumentarfilm” für den Deutschen Filmpreis nominiert und wird auch im Netz gelobt.

Uns geht es genau so wie den gezeigten Eltern. (…) Wir haben sofort in der Klinik angerufen (…). Endlich ein Licht am Ende des Tunnels!

(Willi auf www.daserste.de)

Ein notwendiger Film. Er zeigt fernab jeglicher Gefühlsduselei, warum Kinder tun, was sie tun.

(Thorsten Gütling, Bayreuther Tagblatt)

Was für ein Film! Er zeigt eindrücklich, wie wichtig es ist, dass Eltern und Kinder früh Hilfe bekommen und wie sich ein gemeinsamer Kampf am Schluss für beide lohnt. (…)

(Anna auf www.daserste.de)