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Gericht

„Ich habe nur Schreie gehört“: So wurde die Frau aus der Wohnung gerettet – Vergewaltigungsprozess geht weiter

Wegen Vergewaltigung muss sich der Betreiber einer Shisha-Bar in Bayreuth seit Mittwoch (18.11.2020) vor dem Landgericht Bayreuth verantworten. Am Mittwoch (24.11.2020) wurde der Prozess fortgesetzt. 

Vergewaltigungs-Prozess am Bayreuther Landgericht: Der Betreiber einer Shisha-Bar in Bayreuth ist wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung vom Januar 2020 angeklagt. Am Mittwoch (25.11.2020) wurde der Prozess fortgesetzt. Der Notruf wurde an diesem Tag verlesen. Am Dienstag wurde das Video abgespielt, in dem das mutmaßliche Opfer berichtet, was an diesem Tag im Januar geschehen sein soll.

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Mutmaßliche Vergewaltigung in Bayreuth: Das Notrufprotokoll wird verlesen

„Ja Hallo, ich brauche bitte eine Streife“. So beginnt der Anrufer bei der Polizei. „Laut ihr wurde sie gerade vergewaltigt“, sagt der Anrufer auf die Nachfrage ohne Namen zu nennen. Er kenne die Frau nicht. „Mein Bruder hat sie gerade rausgeholt. Ihr sollt einfach kommen.“

Zeuge berichtet von seiner Rolle an dem Abend

Ein sehr guter Freund des Angeklagten, wie er sich selbst bezeichnet, wird als Zeuge gehört. Dieser arbeitet im Justiz-Vollzugsdienst. In einer Bayreuther Diskothek habe er seinen Freund gesucht, ihn aber nicht gefunden.

So habe er den Angeklagten angerufen: „Ich habe nur Schreie gehört.“ Es habe sich deutlich um Hilfeschreie gehandelt. So sei er zu der Shisha-Bar gelaufen, die der Angeklagte betrieb. „An der Bar angekommen, habe ich die Schreie bis nach draußen gehört.“

„Das Mädchen lag auf dem Boden und hat geweint“

Er habe gegen die Scheibe geschlagen, bis ein Mann die Türe geöffnet haben soll. „Ich bin in den Laden reingerannt (…) und bin dann hoch in seine Wohnung.“ Dort habe er seinen Freund und einen weiteren Mann gesehen. „Das Mädchen lag auf dem Boden und hat geweint“. Das Opfer habe die Unterhose angehabt. Er habe Angeklagten und Opfer getrennt.

Der andere Mann lief weg. Die Frau soll dann den Angeklagten angefallen haben.  „Wie kannst du zulassen, dass in deiner Wohnung eine Frau vergewaltigt wird“, habe er den Angeklagten gefragt. „Das könnte deine Schwester sein. Wie kannst du so etwas zulassen?“

Der Angeklagte habe ihm Vorwürfe gemacht und ihn zusammenhangslos bedroht. Er könne sich das nicht erklären, so der Zeuge. „Dann habe ich ihm einen Schlag verpasst.“ Danach sei er mit der Frau aus der Wohnung. Die habe keine Polizei rufen wollen, sei verstört gewesen.

Zeuge beschreibt mutmaßlichen Vergewaltiger aus Bayreuth

„Er war in meinen Augen immer ein netter, sehr höflicher Mensch.“ So beschreibt der Zeuge den Angeklagten auf Nachfrage des Gerichts. Als gewalttätig würde er ihn nicht einstufen, auch wenn er gerne und viel Alkohol getrunken habe.

Verwundert sei er schon gewesen, dass er von seinem Freund angegriffen wurde, wie er berichtet. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass er besoffen war.“ Nachdem er mit der Frau die Wohnung verlassen hatte, habe er zuerst allein, dann mit der herbeigerufenen Polizei nach dem mutmaßlichen Täter gesucht.

„Er hatte mehrere Kontakte mit Mädchen, teilweise auch sehr kurz.“ Dabei sei der Angeklagte sehr anhänglich gewesen. Gefragt, wie der Angeklagte auf einen Korb reagiert, sagt der Zeuge: „Da kann er schon laut werden.“ Außerdem würden Schimpfworte fallen.

Situation am Tatort in Bayreuth

Von besonderem Interesse ist die Situation am Tatort. Der Zeuge erklärt anhand eines Fotos, wo die Frau gelegen hatte und die beiden Männer waren. Zur Bekleidung der Frau sagt der Zeuge: „Ich habe alles gesehen.“ Ganz nackt sei sie aber nicht gewesen. Zur Kleidung des Angeklagten sagt er. „Die Hose war schon dran. Was er oben anhatte: Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.“

Der Angeklagte erklärt zur Aussage des Zeugen: „Es ist alles richtig.“ Er sei nicht im Wohnzimmer gewesen, als das Mädchen zu schreien begann. Der andere Mann habe das Opfer festgehalten.

Der Prozess wird am 7.12.2020 fortgesetzt.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß