Zuletzt aktualisiert am

Coronavirus

Können Kinder in Bayreuth nicht mehr schwimmen? „Wir hoffen, dass wir ohne schlimme Unfälle auskommen“

Die Freibäder in Bayreuth Stadt und Landkreis dürfen wieder öffnen: Freude bei den Badegästen, Sorge bei den Bademeistern. Das bt hat sich umgehört.

Mit den Lockerungen wegen der niedrigen Corona-Zahlen in der Region Bayreuth darf beispielsweise im Kreuzer wieder gerutscht werden. Doch es gibt offenbar ein Problem: „Unsere Kinder haben das Schwimmen verlernt“, heißt es. Hat das etwas mit der Corona-Pandemie zu tun? Das bt hat sich umgehört.

Anzeige
AD easyApotheke Bayreuth

Am Freitag (25.5.2021) hat das Bayreuther Kreuzsteinbad die Freibad-Saison 2021 eröffnet: Darauf müssen sich Badegäste einstellen.

Bayreuth: Können Kinder wegen der Corona-Pandemie nicht mehr schwimmen?

„Wir beobachten das schon seit Längerem“, sagt Jan Koch, Pressesprecher von den Stadtwerken Bayreuth zu den mangelnden Schwimmkenntnissen von Kindern. Er spricht stellvertretend für die Fachangestellten und Saisonkräfte für Bäderbetriebe, die alle auch Rettungsschwimmer sind. Mit der Pandemie habe das Problem der mangelnden Schwimmkenntnisse an sich nur bedingt etwas zu tun: Corona und die Maßnahmen gegen das Virus seien aber auf jedem Fall „nicht förderlich“ und würde die Lage gar verschlimmern.

Informationen des BR-Magazins quer zufolge können oder wollen sich viele Gemeinden in Bayern ihr eigenes Bad nicht mehr leisten. „Fast 1.500 wurden in den letzten 20 Jahren geschlossen.“ Das habe Auswirkungen auf die Schwimmkenntnisse von Kindern.

„Vielschichtiges Problem“: Das sagt die Kreiswasserwacht Bayreuth

„Wir hoffen, dass wir ohne schlimme Unfälle auskommen“, sagt Hans Joachim Seibel zur Badesaison 2021. Der Vorsitzende der Kreiswasserwacht Bayreuth erklärt außerdem, dass mehrere Faktoren zusammenkommen würden, warum unsere Kinder nicht mehr schwimmen können.

Zum einen die Bäderknappheit: „Die Pandemie hat das verstärkt“, sagt Seibel. Derzeit dürfen Hallenbäder nicht öffnen, in den Freibädern gibt es Abstandsregeln. Damit schrumpft die Fläche, wo geschwommen werden kann. Der Trend zum Spaßbad tue sein Übriges, dass Kinder nicht oder nur ungenügend schwimmen können.

Allgemein sei es schwierig, die aktuelle Lage einzuschätzen. Der Grund auch hier: Corona. „Wir haben die Kinder lange nicht gesehen“, sagt Seibel. Er befürchte aber nichts Gutes. Die Warteliste der Ortsgruppe Bayreuth auf einen Schwimmkurs sei lang. Bereits mehr als 100 Anmeldungen gebe es derzeit.

Kaum Kapazitäten für Schwimmkurse in Bayreuth

Seibel rechnet mit zehn Kindern pro Kurs. Ein Kurs dauert sechs Wochen. „Es bildet sich ein gewaltiger Rückstau.“ Jetzt sei die Politik gefordert: Mehr Kapazitäten, wo geschwommen werden kann, seien unerlässlich.

Die Wasserwacht selbst sei betroffen. Geschlossene Bäder, Pandemie-Regeln – es fehlt den freiwilligen Rettungsschwimmern an Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten. Um Kindern das Schwimmen beizubringen, sollen nun verstärkt Lehrer ausgebildet werden.

378 tödliche Badeunfälle in Deutschland 2020: „Kinder schreien nicht“

Kinder „schreien nicht, sie rufen auch nicht nach Hilfe, sondern sie gehen einfach unter“, sagt Oliver Düreth vom Bayreuther Schwimmverein (SVB) bei quer. Er selbst habe schon brenzlige Situationen erlebt: Situationen wo es auf jede Sekunde ankomme.

Letztes Jahr Trebgast: Am Donnerstagmittag lief am Badesee in Trebgast eine Suchaktion. Ein Vater und seine Tochter wurden vermisst. Am selben Abend wurden sie tot geborgen: einer von 378  tödlichen Badeunfällen 2020 in Deutschland.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß