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Musik

„Komplette Einkommensbasis verloren“: Bayreuther Reggae-Künstler Mellow Mark beendet Karriere

Der Bayreuther Reggae-Künstler Mellow Mark beendet seine Karriere. Im bt-Interview spricht er über die Gründe für den Schritt, seine Pläne für die Zukunft und mehr.

Im März hat der Bayreuther Reggae-Künstler Mellow Mark, aufgrund des Coronavirus seine „komplette Einkommensbasis“ verloren. Jetzt beendet er seine Musikkarriere. bt-Redakteur Frederik Eichstädt hat den Bayreuther Nomaden in der Musikwelt im Interview dazu befragt.

Mellow Mark beendet Musikkarriere

Bayreuther Tagblatt: Hi Mark. Du hast mir im Vorfeld des Interviews mitgeteilt, dass du deine Musikkarriere beenden wirst. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt?

Mellow Mark: Ab Juli diesen Jahres beginne ich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Im März diesen Jahres habe ich als Künstler meine komplette Einkommensbasis verloren. Es wurden sämtliche Jobs, Aufträge und Konzerte abgesagt. Plötzlich hatte ich kein Einkommen mehr. Ich muss ganz klar sagen: Corona war für uns alle ein Schock – auch für mich. Die Pandemie hat mich kalt erwischt. Ich habe momentan wegen dieser Umstände keine Wohnung und kann so auch nicht die Verantwortung für meine Familie übernehmen. Ich möchte jetzt meine ganze Energie darauf konzentrieren, neue Wege zu finden: zum Leben und zum Überleben. Deshalb werde ich auch Rettungssanitäter.

Bayreuther Tagblatt: Das ist ein großer Schritt. Was erhoffst du dir davon?

Mellow Mark: Ich möchte neue Erfahrungen machen, möchte Gutes tun und dabei mithelfen, Leben zu retten. In dieser Zeit der Veränderung möchte ich etwas Nützliches bewirken. Außerdem möchte ich meine Familie versorgen. 

Bayreuther Tagblatt: In den sozialen Medien bist du zur Zeit auch sehr aktiv, oder?

Mellow Mark: Klar. Auf meiner Facebookseite “Mellow Mark” mache ich eine Versteigerung. Wir sammeln dabei Geld für eine Hilfsorganisation in Südafrika. Die setzt sich dafür ein dass Menschen Nahrung bekommen. Die Aktion endet am 15. Juni 2020 um 22 Uhr. Bei unserer letzten Aktion konnten wir mit dem gesammelten Geld 1.800 Menschen satt machen. Außerdem veröffentliche ich seit dem Ausbruch der Pandemie täglich Videos unter dem Hashtag #thegoodmoodchallenge. Damit möchte ich den Menschen gute Laune, Freude und Hoffnung übermitteln. Gerade, weil aufgrund des Coronavirus derzeit sehr viel Angst herrscht. Es ist jetzt wichtig, dass man seine gute Laune behält und sich nicht unterkriegen lässt. Am 19. Juni 2020 machen wir dann einen Live Stream auf der Website von Cuba Si. Und am 21. Juni 2020 spiele ich mein (vorläufiges) Abschiedskonzert mit Band im Wäller Autokino im Westerwald. Da werde ich mit dem Duo „Suchtpotential“ am Start sein.

Mellow Mark in Aktion beim Videodreh seines Videos "Stay Humble". Archiv: Boomrush Productions

“Musik kann Menschen heilen”

Bayreuther Tagblatt: Wirst du der Musik weiter verbunden bleiben?

Mellow Mark: Klar. Ich werde immer Musiker bleiben. Vor einiger Zeit hatte ich begonnen, englische Texte zu schreiben und hatte auch im Ausland Lieder auf einigen Radiostationen laufen. Im Hinterkopf hatte ich schon lange ein Projekt mit dem Namen „The Healing“. Ich glaube, dass Musik Menschen heilen kann und bin überzeugt, dass es in dieser Zeit das Wichtigste überhaupt ist, sich selbst und anderen Menschen zu helfen. Ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann in der Zukunft diesem Projekt weiter nachzugehen. Damit möchte ich Menschen helfen, Wunden und Traumata zu heilen und bei manchen sogar die persönliche Entwicklung fördern. Ich wünsche mir, dass wir Menschen vernünftig mit der Gefahr durch das Virus umgehen. Dabei sollten wir vor allem nicht unsere Menschlichkeit verlieren.

Bayreuther Tagblatt: Wirst du dein altes Leben vermissen?

Mellow Mark: Natürlich. Mir fehlt das Reisen, die Besuche bei meinen Eltern und die Musik jetzt schon. Als alter Bayreuther würde ich mich sehr darüber freuen, auch hier ein letztes Konzert spielen zu können: Ein Abschieds-Gig im Liebesbier wäre zum Beispiel eine ganz tolle Sache. Erstmal fokussiere ich mich aber auf meine Ausbildung, Musik, meine Familie und darauf, gesund zu bleiben.

“Ich bin einfach nur dankbar”

Bayreuther Tagblatt: Heißt das also, dass du trotz deinem Karriereende weiter Musik machen wirst?

Mellow Mark: Ich werde immer Musiker bleiben und daher auch immer Musik machen. Das Kapitel Mellow Mark ist jetzt aber erstmal beendet. 

Bayreuther Tagblatt: Wie blickst du auf deine Zeit als „Mellow Mark“ zurück?

Mellow Mark: Ich bin einfach nur dankbar. Es war so eine gute Zeit mit vielen Abenteuern, Reisen, Erfahrungen und schönen Begegnungen. Auch meine Zeit als Loewenherz war toll und meine Anfänge mit „The Fake“ im Zentrum.

“Bleibt gesund!”

Bayreuther Tagblatt: Was waren für dich die schönsten Momente als Musiker?

Mellow Mark: Auf jeden Fall die Konzerte im Ausland. In Havanna war es unglaublich. Ich mochte das Tourleben, die Festivals mit der Familie und die Marokko Reisen mit Mellow Maroc.

Bayreuther Tagblatt: Mellow Maroc?

Mellow Mark: Das war ein Projekt von mir mit Rhani Krija und Momo Djender.

Bayreuther Tagblatt: Was möchtest du deinen Fans in Bayreuth zum Abschluss sagen?

Mellow Mark: Ich spreche nicht so gerne von Fans. Diese Menschen sind inzwischen alle meine Freunde und geistige Geschwister geworden. Wir bleiben natürlich auch in Zukunft verbunden. Jetzt möchte ich diesen Menschen aber erstmal eines sagen: Danke! Vielen Dank für euren Support und die Treue. Bleibt positiv und verbreitet weiterhin LIEBE auf diesem Planeten. Wir sehen uns auf jeden Fall wieder. Soul Revolution! Bleibt gesund und lasst euch nicht unterkriegen.

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt