Lyrik: Bayreuther Rapper unter den Besten

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Dass Raptexte durchaus mehr zu bieten haben, als stumpfe Plattitüden über Geld, Autos und teure Klamotten, beweist ein Rapper aus Bayreuth. Mit einem seiner Texte hat der Künstler es jüngst in einen Gedichtband geschafft.

Einer der Besten

Jens Detzer ist Historiker und Rapper. Was für den neutralen Betrachter komisch klingen mag, passt durchaus zusammen. Unter dem Namen FegeR packt der Bayreuther seit Anfang des Jahrtausends seine Texte auf den Takt.

Vor einigen Wochen hat Detzer nun eine seiner Strophen bei einem Gedichtwettbewerb eingereicht: mit Erfolg. Diese Woche erreichte den Künstler Post von der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte. Sein Raptext “Farben sehen” wurde von über tausend eingereichten Beiträgen ausgewählt. Ende des Jahres wird sein Werk im Gedichtsammelband “Gesammelte Werke XXII” erscheinen.

Jens Detzer, auch bekannt als FegeR. Foto: Frederik Eichstädt.

Ein Rap-Text im Auto

Im Gespräch mit dem Bayreuther Tagblatt erklärt der Rapper, dass er sich über die Würdigung freue. Insbesondere auch deshalb, weil der Text ein sehr persönlicher sei. Die Zeilen sind Teil des Rap-Songs “Zieh mich hoch”, den FegeR zusammen mit seinem Rap-Partner Quasi auf auf dem Album Art & Weise veröffentlicht hat.

Entstanden ist die Strophe nahezu vollständig im Auto.

Auf einer Fahrt von Würzburg nach Bayreuth im Frühjahr 2017 hörte FegeR ein neues Instrumental über seine Anlage. Dabei habe der Rapper dann angefangen zu freestylen, also Worte improvisiert auf den Takt zu rappen. Was er da rappte gefiel ihm, also habe Detzer die Zeilen dann immer wieder wiederholt, um sie sich einprägen zu können. Als er in Bayreuth ankam, stürmte er sofort zu seinem Schreibtisch um das Lied aufzuschreiben. Inzwischen gibt es sogar ein Video dazu.

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Ein tiefes Loch

In den Zeilen des Songs verarbeitet FegeR seine Vergangenheit in Form eines Liedes. Während seines Studiums in Würzburg hatte der Bayreuther schwer an der Trennung von seiner damaligen Freundin zu knabbern.

Ich bin in ein Loch gefallen und dieses Loch habe ich dann mit allerlei Unsinn gefüllt. 

(FegeR über eine schwere Zeit in seinem Leben)

Um die Trauer zu überwinden, griff der Rapper immer häufiger zur Flasche und anderen Substanzen. Dieser Lebenswandel kostete ihm dann fast seinen Bachelorabschluss. Auf den letzten Metern klappte es dann aber doch noch mit der Prüfung. Inzwischen hat FegeR auch den Master in der Tasche und ist mit sich und seinem Leben im Reinen. Dabei helfe ihm auch die Musik, die ihm Raum biete, seine Probleme zu verarbeiten.

FegeR. Foto: Privat.

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Der Text “Farben sehen”

Sieh dich an, du hast alles verpeilt,

auf dem Holzweg kamst du nicht weit.

Du bist krank seit dem Tag Nummer eins,

und kein Stoff ist mehr da, der dich heilt!

Du lagst falsch, aber wolltest nicht gehn.

Du hast zu lange in die Sonne gesehen.

Keinerlei Sorgen säumten den Weg,

auf dem Träume wie Wolken entstehn.

Nur jedes Mal wenn die Wehmut dich packt,

wünscht du dir, dass es die Fehler nicht gab.

Nur einmal auch ein Leben nach Maß,

und jemand, der dir sagt, wie sehr er dich mag:

Aber hebst du den Kopf, läuft es ab wie im Film,

alles verkorkst, jedoch wahnsinnig schön!

Mein Gott! Gnade auch jenen,

die glücklicher sind, doch die Farben nicht sehn!

(Jens Detzer – Farben sehen / FegeR – Zieh mich hoch)

Jens Detzer unterwegs. Foto: Privat.

Für FegeR liegt die Qualität eines guten Raptexts darin, dass Interpretationsspielraum besteht. Daher habe er in seinem Song viel wage gelassen. Generell sei es beim Texten ähnlich wie beim Malen von Bildern. Jeder würde beim Betrachten eines Kunstwerks etwas anderes sehen und hinein interpretieren. Das solle im Idealfall auch bei Raptexten der Fall sein, so Detzer weiter.

Beim Texte schreiben malt man Bilder in den Köpfen der Menschen.

Über seinen eigenen Text sagt FegeR, dass er ein Lied über das Konsumieren von Drogen geschrieben habe, ohne einmal zu erwähnen, dass es um Drogen gehe. Für ihn sei genau das ein Qualitätsmerkmal.

Und auch die Bibliothek deutschsprachiger Gedichte erkennt die Qualität des Textes an. Ziel des Sammelbands, in dem der Text des Bayreuthers nun zu finden ist, ist es, “die deutschsprachige Lyrik unserer Zeit zu dokumentieren und diesen Sprachschatz für zukünftige Generationen zu erhalten”, wie Cheflektor Roman Belzner erklärt.

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