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Gericht

Nach Feuer in Freizeitcenter in Kulmbach: Urteil ist gefallen

Am 23. April 2018 stand das Freizeitcenter in Kulmbach in Flammen. Nun wurde ein Urteil in Bayreuth gesprochen.

Am 23. April 2018 stand das Freizeitcenter in Kulmbach in Flammen. 300 Einsatzkräfte waren vor Ort, die Löscharbeiten waren schwierig und dauerten lange an. Heute (14. Januar 2020) standen der Pächter und ein Mitarbeiter vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, das Feuer selbst gelegt zu haben. Beide erklärten mithilfe ihrer Anwälte zu Beginn der Verhandlung, dass die Vorwürfe nicht stimmen. Mehr als sechs Stunden dauerte der Prozess am Bayreuther Gericht.

Feuer in Kulmbach: Es war Brandstiftung

Die Ergebnisse, die der Kripobeamte vorlegte waren nach seiner Auffassung eindeutig: “Wir haben Brandbeschleuniger gefunden.” Insbesondere bei einer sogenannten Schüttspur wurde Diesel nachgewiesen, der zuvor ausgeschüttet wurde und dann gebrannt hat. Insgesamt habe es zwei Brandherde gegeben, erläuterte der Beamte. “Es war vorsätzliche Brandstiftung”, fasst der 45-Jährige zusammen. Den Schaden schätzt er auf etwa zwei Millionen Euro, “wobei das schwer zu schätzen ist”.

Außerdem fehlte der Receiver im Büro des Freizeitscenters. Auf diesem wurden die Videos der Überwachungskameras gespeichert. “Er muss von einem Berechtigten entfernt worden sein, da die Türen verschlossen waren”, sagt der Beamte der Kripo.

Angeklagte nach dem Brand in Kulmbach

Von der Staatsanwaltschaft wurden der Pächter Josef P. und ein Mitarbeiter Henry K. (Namen von der Redaktion geändert) aus Bayreuth angeklagt. Als Grund nannte die Staatsanwältin, dass Josef P. dem Pachtvertrag entfliehen und das Geld aus den Brandversicherungen abgreifen wollte.

Die zwei standen unter anderem vor Gericht, weil Josef P. gleich mehrere Varianten der Tat vor der Polizei erläutert hatte. Zuerst hatte er gesagt, dass er damit nichts zu tun habe. Nach den Ermittlungen der Kripo wurde Josef P. allerdings nicht mehr als Zeuge, sondern als Verdächtiger von Polizisten befragt. Hier gab er nun die zweite Variante an: Er habe den Brand alleine gelegt.

Feuer alleine in Kulmbach gelegt

Der Beamte der Kripo las aus seinen Akten vor, was Josef P. ihm erzählt hatte: Er ist über eine Balkontüre raus, in seinen Audi A6 gestiegen. Dort war schon ein Benzinkanister verstaut. Mit diesem sei er dann nach Kulmbach gefahren. Er habe nicht vor dem Freizeitcenter, sondern beim Reifen Wagner geparkt. Über den Notausgang sei er zu den Büroräumen gegangen und habe den Receiver genommen. Dann habe er den Kanister geholt und habe in der Empore Feuer gelegt, wobei er sich fast verbrannt hätte.

Weiter hat er im Kinderland nochmal Benzin verschüttet und diese mit Schaumstoffsachen zum Brennen gebracht. Die anderen Brandstellen haben bis dahin nur geknistert, erläutert der Beamte weiter. Den Receiver habe er später bei Speichersdorf in einen See oder Teich geworfen – an den genauen Ort könne er sich nicht erinnern.

Zweite Variante des Feuers

Nach einem Gespräch beim Rauchen, änderte Josef P. seine Version: Nun soll er den Mitarbeiter und Bekannten Henry K. angestiftet haben, das Feuer zu legen. Nach der Beweisaufnahme vor Gericht erklärte Josef P., weshalb er das gesagt hatte: Ihm wurde gesagt, dass er bis die Ermittlungen vorbei sind, im Gefängnis sitzen werde. Und “wenn ihr es zu zweit wart oder du sagst, es war ein anderer, ist es besser für dich”. Unter Tränen erklärte er dem Gericht, dass er deshalb behauptete, Henry K. habe das Gebäude angezündet.

Nächste Version der Brandstiftung in Kulmbach

Doch auch diese Version hielt während der Ermittlungen nicht lange. Henry K. hat weder Führerschein noch Auto, selbst der Beamte der Kripo soll an dieser Version gezweifelt haben. Deshalb behauptete Josef P., gemeinsam mit Henry K. den Brand gelegt zu haben. Und zuletzt hat er auch diese Version geändert: Er habe nichts gemacht.

Das bestätigten auch sämtliche Zeugen. Die Tochter der Lebensgefährtin von Josef P. war wegen gesundheitlicher Probleme aufgewacht und habe Josef P. in der Nacht gesehen. Auch die Lebensgefährtin ist sich “zu 100 Prozent sicher”, dass Josef P. das Haus in der Tatnacht nicht verlassen hat. “Es quietscht alles in dem Haus, da kriege ich alles mit.”

Schwester und Vater von Henry K. sagten ähnliches aus. Sie hätten es mitbekommen, wenn Henry K. mitten in der Nacht die Wohnung verlassen hätte. Außerdem sei er froh über seinen Job gewesen.

Wieso hat der Angeklagte zuerst gestanden?

Die Staatsanwältin stellte nach der Beweisaufnahme Fragen an den Angeklagten. Insbesondere: “Wieso haben Sie die Tat gestanden?” Josef P. antwortete: In der Zeugenvernehmung kam ein anderer Beamter und sagte zu seinem Kollegen: „Was tust du solang rum, sperr den gleich weg.“ Dann habe er einen Druck gespürt. “Und dann habe ich das zugegeben.” Das konnte die Staatsanwältin allerdings nicht glauben: „Sie haben gedacht, es ist eine gute Idee, zu sagen: Ja ich bin es gewesen? Mir würde aus Angst alles einfallen, außer zu sagen, ja ich wars.“ Doch Angeklagter und Verwandte sagten, dass er sich in Drucksituationen genau so verhalte.

Außerdem habe Josef P. die Tat zugegeben, weil er Angst hatte, dass während der Ermittlungen herauskommt, dass er 30.000 bis 40.000 Euro hinterzogen hatte. “Was glauben sie denn, was schlimmer ist: Steuern hinterziehen oder Brandstiftung?”, fragte die Staatsanwältin den Angeklagten. Er antwortete nur: „Es heißt ja immer, das schlimmste was du machen kannst, ist den Staat zu bestehlen.“ 

Plädoyers vor dem Gericht in Bayreuth

Die Anklageschrift hat sich nicht bestätigt. So eröffnet die Staatsanwältin ihr Plädoyers. “Fest steht, dass ungeklärt ist, wer den Brand gelegt hat.” Sie erkannte die Zeugen als glaubwürdig an, es gab an dem Benzinkanister keine verwertbaren Spuren, der Receiver wurde nicht gefunden. “Es sind Indizien für eine Täterschaft da, aber keine Beweise.” Deshalb sollen beide Angeklagte von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen werden.

Der Anwalt von Josef P. holte weiter aus, stellte auch das Motiv in Frage, da es bei der Finanzprüfung auch dafür keine Beweise gab. Der Anwalt von Henry K. erweiterte in seinem Plädoyer, dass sein Mandant nur auf der Anlagebank sitzt, weil Josef P. eine Behauptung aufgestellt hatte. Beide Anwälte forderten: Freispruch.

Urteil in Bayreuth

Richter Götz sprach nach einer Beratung mit den beiden Schöffen beide Angeklagte frei. “Licht ins Dunkel zu bringen, ist uns nur bedingt gelungen. Es war Brandstiftung und es war ein Insider”, resümiert Richter Götz. “Wir wissen aber nicht, ob die beiden Angeklagten was damit zu tun haben.”

Josef P. habe das Täterwissen aus der Öffentlichkeit erfahren können, da dieser Brand großes Interesse an dem Feuer gezeigt hatte: “Alles war in der Öffentlichkeit mehr oder weniger bekannt.” Alles andere seien Indizien und keine Beweise. Auch die Frage, weshalb Josef P. ein Geständnis ablegte, ist nicht eindeutig. Jeder könne sich ein Bild darüber machen, aber auch das sei kein Beweis.

Die Kosten von Henry K. trägt die Staatskasse und er erhält eine Entschädigung für die Festnahmen. Josef P. muss seine Auslagen selbst tragen, da er sich durch seine Aussagen selbst belastet hatte. Deshalb erhält er auch keine Entschädigung, erläutert Richter Götz. Beide Anwälte erklärte, auf Rechtsmittel zu verzichten. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

Bayreuther Tagblatt - Christoph Wiedemann

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Christoph Wiedemann