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Neubau

Wohnungen statt Schotterparkplatz in Bayreuth: Deshalb kann CSU-Stadtrat „nachts nicht mehr schlafen“

In der Bayreuther Innenstadt soll ein Parkplatz zugunsten neuer Wohnungen weichen. Das hat der Bauausschuss des Stadtrats von Bayreuth am Dienstag (8.6.2021) besprochen.

Im Zuge der baulichen Nachverdichtung sollen in der Bayreuther Innenstadt neue Wohnungen gebaut werden. Direkt neben dem Rotmain-Center. Am geplanten Bauort befindet sich bisher ein Parkplatz, zu dem der Bauausschuss am Dienstag (8. Juni) eine klare Meinung hat. An einem anderen Ort der Innenstadt soll bald eine neue Filiale eines bekannten Discounters öffnen.

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Wohnen statt Parken: In der Innenstadt von Bayreuth sollen hochwertige Wohnungen entstehen

Es tut sich was zwischen Kulmbacher Straße, dem Hohenzollernring und dem Rotmain-Center. Im Rahmen des Sanierungskonzepts „Kulmbacher Straße“ soll die Bausubstanz modernisiert werden. Auch zeitgemäßer Wohnraum stehe auf der Agenda, wie die Leitende Baudirektorin Urte Kelm berichtete.

„Auf Basis einer Optimierungsstrategie des Immobilienbestandes der Stadtwerke Bayreuth soll das Grundstück an der Straße Am Sendelbach höhenwertig genutzt werden“, kündigte Kelm in ihrem Kurzbericht an. Will heißen: der Schotterparkplatz neben dem Rotmain-Center soll hochwertigen Geschosswohnungen weichen. Die Stadtwerke Bayreuth sind Eigentümer des Grundstücks. Für die Eigennutzung haben die Stadtwerke Bayreuth an anderer Stelle in Bayreuth große Pläne.

Fuß- und Radweg und Spielplatz: Neu in der Innenstadt von Bayreuth

Doch mit dem „Flächenrecycling“ wie Kelm über den Parkplatz am Sendelbach sagte, ist es noch längst nicht getan. Der eher funktionale Charakter der Flächen vor allem entlang des Sendelbachs solle aufgewertet werden.

Der zwischen Parkplatz und Mistel gelegene Spielplatz soll zum Gerberplatz umziehen – und damit weg von den Autos. Fußgänger und Radfahrer müssen die Kulmbacher Straße aktuell vor der Sandsteinbrücke queren. Auch dieser Zustand soll bald der Vergangenheit angehören. Der Fuß und Radweg soll unter die Brücke gelegt und damit ein Überqueren der Kulmbacher Straße überflüssig gemacht werden. Erst letzten Herbst haben Kinder in Bayreuth für mehr Radwege demonstriert.

„Die Brache muss weg!“ – In Bayreuth sollen neue Wohnungen auf dem Parkplatz neben dem Rotmain-Center entstehen

Für die CSU äußerte Fraktionsvorsitzender Specht Zustimmung zu dem Projekt. „Wenn der grauenhafte Schotterparkplatz und die Steinwüste verschwinden, dann ist das ein Gewinn für das gesamte Areal“, sagte er. Der Stadtteil Kreuz würde noch besser an die Innenstadt angebunden.

Ähnlich sag es Gert-Dieter Meier von den Unabhängigen. „Die Brache muss weg!“, stellte er unmissverständlich fest. Für die Bayreuther Gemeinschaft hob Georg Kämpf die Bedeutung des Fuß- und Radweges unter der Kulmbacher Brücke hindurch hervor.

Sorgen wegen wegfallender Parkplätze: CSU-Stadtrat „kann nachts nicht mehr schlafen“

Etwas differenzierter als seine CSU-Fraktionskollegen sah Helmut Parzen die Sache. Er sorge sich um den Einzelhandel in der Innenstadt, wenn der Parkplatz wegkomme. Er forderte schlüssigen Ersatz vom Planungsamt der Stadt. Wenn auch zugespitzt, so sagte Parzen dennoch: „Wenn der Parkplatz wegkommt, kann ich nachts nicht mehr schlafen.“ Schließlich kämen auch viele Kulmbacher und Leute aus dem Landkreis Bayreuth mit dem Auto in die Stadt.

Baudirektorin Kelm verwies auf Tiefgarage und Parkhaus unter und neben dem Rotmain-Center. Alleine diese seien praktisch nie komplett belegt. Sorgen seien unbegründet.

SPD-Stadtrat: „Da könnte ich explodieren. So a Gwaaf!“

Etwas deutlicher formulierten es andere Mitglieder des Bauausschusses. Karsten Schieseck konterte Parzen. Ihm zufolge gehe Kaufkraft nicht mit Motorisierung einher. „Auch Radfahrer und Personen, die ohne Auto in die Bayreuther Innenstadt kommen, unterstützen den Einzelhandel. Die CSU oder Teile davon verstehen das wohl nicht“, sagte der BG-Stadtrat. Vor Kurzem erst stellte der Verkehrsausschuss fest: Bayreuth soll fahrradfreundlicher werden.

Und es wurde noch deutlicher. Thomas Bauske (SPD) stellte fest: „An manchen Tagen, da könnte ich explodieren. Heute Helmut, ist es soweit.“ Neben den von Kelm genannten Parkhäusern verwies er unter anderem auf das zentrumsnahe Parkhaus am Sportpark oder den Freiluftparkplatz in der Münzgasse. Bayreuth sei beileibe nicht auf diesen Schotterparkplatz angewiesen. Mit einem „So a Gwaaf!“ kanzelte er Parzen abschließend ab.

Jürgen Lenkeit

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Jürgen Lenkeit