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Coronavirus

Weihnachtsmärkte mit viel Alkohol überhaupt nicht denkbar: Bayreuther Experte gibt Ausblick für Corona-Krise

Der Leiter des Bayreuther Gesundheitsamtes, Klaus von Stetten, berichtet über die aktuelle Corona-Lage in der Region Bayreuth. Außerdem gibt er einen Ausblick: Weihnachtsmärkte mit viel Alkohol sind für ihn nicht denkbar.

Der Leiter des Bayreuther Gesundheitsamts, Klaus von Stetten, hat im Seniorenbeirat die aktuelle Corona-Lage in Bayreuth Stadt und Landkreis detailliert dargestellt. Momentan befindet sich ein Patient in stationärer Behandlung. Im Juli blickte das Bayreuther Klinikum auf die ersten Monate der Corona-Pandemie zurück.

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Corona in Bayreuth: 37 Todesfälle seit Februar

Seit Februar habe es wegen Corona 37 Todesfälle, davon 10 in der Stadt und 27 im Landkreis, gegeben, erläutert von Stetten. Unter den Verstorbenen seien insgesamt 17 aus Senioren-Pflegeeinrichtungen. Seit Ausbruch des Coronavirus waren im gesamten Bayreuther Raum drei Pflegeheime betroffen: In einem Pflegeheim in der Stadt Bayreuth sind zwei Menschen gestorben, in zwei Pflegeheimen im Kreis Bayreuth insgesamt 15, erläutert von Stetten. Während der Corona-Krise leiden viele Senioren in Bayreuth unter Einsamkeit.

Corona-Zahlen aus Bayreuth

679 Menschen haben sich in Bayreuth Stadt und Landkreis (Stand: 10. September) nach von Stettens Angaben mit dem Coronavirus infiziert. 631 seien davon wieder genesen. Laut den aktuellen Zahlen des Bayreuther Landratsamtes sind im Raum Bayreuth insgesamt 11 Menschen positiv auf Covid-19 getestet worden.

Von Stetten erklärt, dass davon eine Person stationär behandelt werden muss. Ein 74-Jähriger Mann aus der Stadt Bayreuth werde mit schweren Symptomen behandelt. „Er hat sich bei einem Italien-Urlaub angesteckt“, sagt von Steten.

Der Verlauf des Coronavirus in Bayreuth

„Es gab einen deutlichen und schnellen Anstieg nach Faschingsferien“, erläutert Klaus von Stetten. Das habe vor allem mit den Ski-Urlaubern in Verbindung gestanden. „Wir haben die Lage aber immer im Griff gehabt“, betont der Leiter des Gesundheitsamtes. Die Fälle konnten nach seinen Angaben schell ermittelt und unter Quarantäne gestellt werden.

Im März und April habe es an einzelnen Tagen bis zu 52 Patienten in stationärer Behandlung gegeben, die gleichzeitig wegen Corona auf den Corona-Stationen im Klinikum Bayreuth und Pegnitz behandelt wurden.

Ende Mai gab es einen starken Rückgang der Corona-Infektionen. Dann habe es fünf bis sechs Wochen beinahe keine Neuinfektionen gegeben, erläutert von Stetten. Seit Mitte August steigen die Zahlen wieder: 26 Menschen wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Von Stetten erklärt, dass es sich dabei ausschließlich um Reiserückkehrer handelt, die an Autobahnteststationen getestet wurden.

Bayreuth: Pflegeeinrichtungen haben sehr gut gearbeitet

Wie gut Pflegeeinrichtungen im Raum Bayreuth vom Coronavirus verschont wurden, „haben wir nicht erwartet“, sagt Klaus von Stetten. Die Einrichtungen haben hier sehr gut gearbeitet, „und der Mundschutz hat dabei eine erhebliche Rolle gespielt“, sagt von Stetten.

Problematisch in der Hochphase der Corona-Krise war nach Angaben des Leiters des Gesundheitsamtes allerdings der „Mangel an persönlicher Schutzausrüstung im gesamten medizinischen Bereich“. Vor allem Schutzmasken in sämtlichen Ausführungen haben gefehlt: „Das war zum Teil dramatisch.“

Außerdem war die psychische Anspannung der Menschen wegen der Pandemie problematisch. Die Quarantäne-Maßnahmen wurden im März und April noch gut angenommen: „Mittlerweile wird der Ton rauer, wenn wir etwas verkünden“, sagt von Stetten. „Das Verständnis für die Maßnahmen hat deutlich nachgelassen.“

Ausblick für Region Bayreuth mit Coronavirus

Klaus von Stetten empfiehlt eine Grippe-Impfung, damit eine Doppelbelastung mit Corona und Influenza vermeiden wird. „Das wäre sicher dramatisch.“

Außerdem sieht er größere Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte kritisch: „Große Weihnachtsmärkte und große Veranstaltungen mit viel Alkohol sind aus unserer Sicht überhaupt nicht denkbar.“

Nach Angaben des Leiters des Gesundheitsamtes sollen auch Urlaubsreisen ins Ausland vermeiden werden – insbesondere in Risikogebiete. Weiterhin sei die Einhaltung der Hygieneregeln wichtig. Besonders das Tragen eines Mund- und Nasenschutz, welcher auch über der Nase getragen werden muss, sowie das Händewaschen sollten wieder stärker beachtet werden.

Bayreuther Tagblatt - Christoph Wiedemann

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Christoph Wiedemann